Mit leeren und entsetzten Blicken schlichen die Profis von Hertha BSC zurück in die Katakomben des Olympiastadions. Diego Demme, Ibrahim Maza, alle starrten sie vor sich hin. Was war da nur gerade passiert?

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Ein Heimspiel, das die Chance bot, in die Spitzengruppe der Liga vorzustoßen, endete am Sonntagnachmittag in einem Debakel. Der Berliner Fußball-Zweitligist unterlag der SV Elversberg mit 1:4 (0:2), es war die dritte Niederlage im vierten Heimspiel dieser Saison. „Ich weiß nicht, ob sich der eine oder andere zu Hause vielleicht selbst zu viel auferlegt“, mutmaßte Trainer Cristian Fiél über die Heimschwäche.

Hertha BSC: Tolle Kulisse gegen Elversberg

Sein Kapitän Toni Leistner schlug ähnliche Töne an: „Es ist bestimmt eine Kopfsache, dass der eine oder andere von den jungen Spielern zu Hause ein bisschen mehr Druck verspürt, irgendwas Besonderes zeigen zu müssen, wo es auswärts nicht so extrem ist. Das müssen wir analysieren, dass die Jungs sich da nicht so eine Platte machen.“

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Tatsächlich war die Kulisse im Olympiastadion an diesem Sonntag noch größer geworden als erwartet, offenkundig hatte sich manch ein Fan kurzfristig vom sonnigen Herbstwetter motivieren lassen. 43.123 Zuschauer waren nach Westend gekommen, unter ihnen einige Jubilare.

Früher Nackenschlag für die Berliner

Vor dem Spiel wurden die Mitglieder geehrt, die vor 25 Jahren in den Verein eingetreten waren. Damals, 1999, hatte sich Hertha erstmals für die Champions League qualifiziert. Gegner waren Klubs wie der FC Barcelona oder der FC Chelsea. Und nun war eben die SV Elversberg zu Gast, was einmal mehr unterstreicht, wie viel all die mitgemacht haben, die dem Klub über ein Vierteljahrhundert die Treue gehalten haben.

Ibrahim Maza (r.) und Hertha BSC hatten am Sonntag gegen die SV Elversberg einen schweren Stand.
Ibrahim Maza (r.) und Hertha BSC hatten am Sonntag gegen die SV Elversberg einen schweren Stand.© imago/Jan Huebner | IMAGO/Daniel Lakomski/Jan Huebner

Und so wurde die Vereinstreue auch gegen den Klub aus dem Saarland auf die Probe gestellt – nach nicht einmal drei Minuten. Elversberg erhielt einen Elfmeter, nachdem Derry Scherhant unglücklich in die Hacke seines Gegenspielers Elias Baum gelaufen war. Eine harte, aber keineswegs eine falsche Entscheidung. Semih Sahin traf mit einem satten Schuss ins linke Eck zum 0:1 (3.).

Fiél: „Wenn wir den Ball verloren haben, hat es lichterloh gebrannt“

Diesen frühen Rückstand hätte man gewiss korrigieren können. Allerdings wurde früh deutlich, dass bei Hertha an diesem Tag etwas Grundlegendes nicht stimmte. „Wir hatten große Probleme damit, im Ballbesitz so positioniert zu sein, dass du es bei Ballverlust kontrollieren kannst. Nach jedem Ball, den wir verloren haben, hat es lichterloh gebrannt“, analysierte Fiél.

Diese Erkenntnis wurde besonders beim zweiten und dritten Gegentreffer unterstrichen. Zunächst produzierte Marton Dardai einen Querschläger, der direkt im Lauf von Luca Schnellbacher landete. Elversbergs Stürmer überlupfte Keeper Tjark Ernst zum 0:2 (30.).

Thorsteinsson mitschuldig am 0:3

In der Pause wechselte Trainer Fiél nur einmal, brachte Pascal Klemens für den angeschlagenen Deyovaisio Zeefuik: „Ich hatte das Gefühl, dass wir es in der Struktur noch ändern konnten.“

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Es stand also auch weiterhin Jon Dagur Thorsteinsson auf dem Platz, der sein Startelfdebüt (für den angeschlagenen Marten Winkler) feierte. Der Isländer zeigte einen engagierten Auftritt, ausgeklammert war nur eine einzige Szene. Nach der Pause ging er einem Zuspiel von Diego Demme nicht entgegen, sodass Elversberg den Ball abfangen und im Eiltempo Muhammed Damar freispielen konnte, der zum 0:3 vollendete (52.).

Elversberg bekommt zweiten Elfmeter

Nun endlich erwachte Hertha, mit mehr Druck in Richtung Tor gelang der Anschlusstreffer durch Michael Cuisance (60.). Ein kleiner Funken Hoffnung, der kurz darauf schon wieder erloschen war. Nach einem Handspiel des glücklosen Luca Schuler gab es erneut Elfmeter für Elversberg, Sahin traf diesmal flach in die Mitte (65.).

„Da war der eine oder andere Fehler dabei, den du nicht machen darfst, um Spiele zu gewinnen. Und dann ist es auch egal, ob es heim oder auswärts ist“, klagte Fiél. Kurz vor dem Ende hatte er mit der Einwechslung von Boris Lum zumindest noch ein kleines Glücksgefühl im Olympiastadion kreiert. Der 16-Jährige wurde lautstark bejubelt, Lum ist nun der jüngste je eingesetzte Spieler bei den Profis von Hertha BSC.

Hertha steht vor Auswärtsspiel beim FC Schalke

Damit die Berliner nächste Woche dann aber wieder über drei Punkte jubeln können, hat der Spielplan dankenswerterweise ein Auswärtsspiel vorgesehen. In der Fremde ist der Hauptstadtklub noch ungeschlagen, am Sonnabend geht es dann zum FC Schalke 04 (20.30 Uhr, Sky).

Die Freude darüber brachte Schuler auf den Punkt: „Wir haben jetzt ein schweres, aber sehr geiles Auswärtsspiel. Da wollen wir gewinnen.“

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