Cristian Fiél hat Siege in der Vergangenheit schon emotionaler gefeiert, deutlich sogar. Am Sonnabend war dem Coach von Hertha BSC nun eher Erleichterung anzusehen, als er nach Schlusspfiff Sportdirektor Benjamin Weber abklatschte und umarmte. Der Berliner Fußball-Zweitligist hatte 2:0 (1:0) beim 1. FC Nürnberg gewonnen, und dennoch war es für Fiél ein schwieriger Nachmittag mit gemischten Gefühlen.

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Der Fußballlehrer kehrte an seine alte Wirkungsstätte zurück, von der ihn Hertha im vergangenen Sommer für 400.000 Euro aus einem laufenden Vertrag herausgekauft hatte. „Wenn du vor ein paar Monaten noch diesen Verein gecoacht hast und dann zurückkommst, ist es immer etwas Besonderes“, sagte Fiél selbst über seine Wahrnehmung der Rückkehr. Die Nürnberger Fans hatten allerdings nur wenig Gegenliebe für ihren ehemaligen Trainer übrig, sie präsentierten in der ersten Hälfte ein Spruchband: „Das Beste an dir war dein Preisschild beim Abschied“.

Hertha BSC: Cristian Fiél setzt auf Toni Leistner als Ersatz für Linus Gechter

Fiél hatte schon im Vorfeld herausgestellt, solchen Dingen nicht allzu viel Bedeutung beimessen zu wollen und den vollen Fokus auf seine Aufgabe in Berlin zu richten. Die bestand bei diesem Auswärtsspiel vor allem darin, den richtigen Ersatz für seine verletzten Stammspieler Linus Gechter und Michal Karbownik zu finden.

Cristian Fiél, Trainer von Hertha BSC, kehrte am Sonnabend an seine alte Wirkungsstätte nach Nürnberg zurück.
Cristian Fiél, Trainer von Hertha BSC, kehrte am Sonnabend an seine alte Wirkungsstätte nach Nürnberg zurück.© dpa | Daniel Karmann

Auf Gechters Position in der Innenverteidigung entschied sich der Trainer erwartungsgemäß für Kapitän Toni Leistner, der damit das erste Mal in dieser Saison in der Startelf stand. Karbowniks Job im Mittelfeld übernahm Michael Cuisance, der zuletzt eher auf der rechten Seite unterwegs war und nun wieder klar ins Zentrum rückte. Marten Winkler durfte dafür auf dem Flügel starten.

Derry Scherhant mit starker erster Hälfte

Die beiden verletzungsbedingten Wechsel blieben allerdings die einzigen Veränderungen in der Startelf. So saß zum Beispiel auch der isländische Zugang Jon Dagur Thorsteinsson zunächst auf der Bank. Nach mehreren guten Auftritten zuletzt wäre er auch für einen Einsatz von Beginn an infrage gekommen.

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Fiél vertraute allerdings wieder auf Derry Scherhant, was sich auszahlen sollte. Der 21-jährige Dribbler bot eine äußerst inspirierte Vorstellung als linker Außenstürmer und sorgte dafür, dass das Berliner Spiel im ersten Durchgang fast nur über seine Seite lief. Dafür kreierte er im Zusammenspiel mit Außenverteidiger Deyovaisio Zeefuik aber auch Chancen im Minutentakt.

Hertha muss zwei Schrecksekunden überstehen

Scherhant zeigte sein technisches Können, als er mit einem tollen Dribbling in den Strafraum einzog, dann aber noch den richtigen Moment für den Abschluss verpasste (32.). Er blieb jedoch entschlossen und näherte sich mit einem guten Fernschuss weiter an, dessen Abpraller Zeefuik schon fast zum Führungstreffer vollendet hätte (35.). Das 1:0 fiel dann aber erst in der dritten gefährlichen Szene des Flügelstürmers, als er von Ibrahim Maza im Strafraum bedient wurde und mit einem überlegten Abschluss traf (37.).

Das Tor war die Belohnung für eine souveräne erste Halbzeit, in der die Berliner nur zwei kleine Schrecksekunden zu überstehen hatten: Schon nach wenigen Sekunden war ein Kopfball von Lukas Schleimer auf die Latte des Berliner Tores getropft. Ausgangspunkt der Szene war wieder einmal eine Standardsituation, mit denen Hertha zuletzt oft Probleme hatte.

Palko Dardai erlöst die Berliner mit dem 2:0

Wenig später hatte der blau-weiße Hauptstadtklub Glück, dass es keinen Elfmeter gab, als Torwart Tjark Ernst Nürnbergs Kanji Okunuki im Strafraum abräumte (17.). Ansonsten spielte aber eben nur Hertha – ein Bild, das sich auch im zweiten Durchgang fortsetzte.

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Nach der Pause war dann doch Thorsteinsson (für Winkler) ins Spiel gekommen. Der Isländer stürmte über die rechte Seite, was das Berliner Spiel etwas ausgewogener gestaltete. Es gab etliche Gelegenheiten für das 2:0, doch Thorsteinsson (55.), Maza (66.) und Michael Cuisance mit einem Lattentreffer (76.) scheiterten allesamt. „Ich glaube, dass wir das Spiel früher klarmachen können“, sagte Fiél, „dann hätten wir auch mal draußen ein bisschen mehr Ruhe gehabt.“

Die kam erst, als Joker Palko Dardai nach exzellenter Vorarbeit von Cuisance den überfälligen zweiten Treffer erzielte (90.). Bruder Marton Dardai, der am Freitag seinen Vertrag bis 2028 verlängert hatte, fasste später treffend zusammen, was wohl viele Berliner über diese Auswärtsfahrt nach Nürnberg dachten: „Es freut mich für die Mannschaft und vor allem für den Trainer, weil er hier eine Vergangenheit hat. Da haben wir ihm einen schönen Tag bereitet.“

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