Völlig losgelöst sprang Trainer Cristian Fiél in die Luft, Jonjoe Kenny stellte sich mit ausgebreiteten Armen vor der Berliner Fankurve auf und ließ sich dann von seinen Mitspielern herzen. Nach einer echten Energieleistung sicherte sich Hertha BSC beim Hamburger SV durch einen späten Treffer seines Rechtsverteidigers noch ein verdientes 1:1 (0:1). Das Remis markiert den ersten Punkt für Herthas neuen Trainer und verhinderte damit den Fehlstart nach der Niederlage am ersten Spieltag. „Ich freue mich für die Jungs“, sagte Fiél nach Spielende erleichtert.

Montag
Immer Hertha-Newsletter
Bestellen Sie hier den wöchentlichen Newsletter zu Hertha BSC
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die beiden Umstellungen, die der Coach beim Gastspiel im Norden in der Startelf vornehmen musste, waren nicht unbedingt sportlich bedingt, sondern durch Verletzungen erzwungen: Michael Cuisance zwickte das Sprunggelenk, Palko Dardai fehlte mit muskulären Problemen. Dafür rückten Derry Scherhant und Michal Karbownik in die erste Elf. Der Pole übernahm etwas überraschend die Cuisance-Position im zentralen Mittelfeld, Jeremy Dudziak blieb linker Verteidiger.
Hertha BSC gerät früh in Rückstand
Es war aber nicht etwa Karbowniks Rolle im Mittelfeld, die zu Problemen führte, sondern Dudziaks Leistung als Linksverteidiger. Wie schon am ersten Spieltag gegen den SC Paderborn beim zweiten Gegentor konnte er sich auf seiner Seite kaum durchsetzen und gewährte den Gegenspielern immer wieder zu viel Platz.
Auch interessant
In der elften Minute profitierte davon Hamburgs Bakery Jatta, der unbedrängt flanken konnte und seinen Mittelstürmer Ransford Königsdörffer fand, der zum 1:0 einköpfte. Der gebürtige Berliner hatte sich von Herthas Innenverteidiger Linus Gechter davongeschlichen, der genau wie Dudziak gegen Paderborn eher luftig verteidigt hatte. Fiél ärgerte sich enorm über die Entstehung des Gegentreffers: „Du musst die Flanke verhindern und darfst keinen Stürmer der Welt so frei vor dem Tor lassen.“
Torwart Tjark Ernst rettet Hertha in der ersten Halbzeit
Ein gewisses Bemühen um eine offensive Antwort war den Berlinern nicht abzusprechen, jenseits des quirligen Ibrahim Maza war Herthas Angriff aber ziemlich hilflos. Lediglich zwölf Ballkontakte von Mittelstürmer Haris Tabakovic im ersten Durchgang waren Beleg dafür.
Gegen den Ball verfiel die Elf von Cristian Fiél wie schon vor dem 0:1 immer wieder in eine erstaunliche Lethargie, die Hamburg beinahe ein zweites Mal bestraft hätte: Berlins Tjark Ernst parierte einen Flachschuss von Ludovit Reis glänzend (26.).
Zeefuik verleiht den Berlinern neues Engagement
Dudziak, der zwischenzeitlich auch die Gelbe Karte gesehen hatte, wurde zur Halbzeit von Coach Fiél ausgewechselt. Deyovaisio Zeefuik kam als Linksverteidiger in die Partie und es offenbarte sich ein Bild, das schon vergangene Saison öfters zu beobachten war: Mit der Einwechslung Zeefuiks und all seiner kämpferischen Tugenden wachte die gesamte Mannschaft auf.
Eine verbesserte Körpersprache, deutlich höhere Grundformation gegen den Ball und mehr Zug zum Tor im Angriff zeichnete die Berliner nun aus. „Das ist, was ich sehen will: Eine Mannschaft, die alles für den Erfolg tut“, erklärte Fiél. Hertha näherte sich Stück für Stück an und hatte seine beste Chance ausgerechnet durch Innenverteidiger Gechter, der eine Flanke von Marten Winkler mit der Brust annahm und den Ball an den Pfosten drosch (58.).
Gechter muss verletzt ausgewechselt werden
Der junge Defensivmann, der zu den großen Gewinnern der Vorbereitung zählte, musste kurz darauf angeschlagen vom Platz. Dadurch kam Toni Leistner, der etatmäßige Kapitän, zu seinem Saisondebüt.

Zunächst schien es jedoch so, als könnte auch der Anführer Hertha nicht den letzten Punch zum Ausgleich verleihen. Die große Druckphase nach der Pause war Mitte der zweiten Hälfte wieder etwas abgeflaut, der HSV konnte etwas Entlastung schaffen.
Kenny erlöst Hertha spät
Als manch ein Hamburger Fan dann aber schon den Torschrei zum 2:0 auf den Lippen hatte, war es für die Berliner endlich so weit. Erst traf HSV-Joker Immanuel Pherai bei einem Freistoß den Pfosten (85.), im direkten Gegenzug belohnte sich dann Hertha: Rechtsverteidiger Jonjoe Kenny kam nach einer Maza-Flanke im Strafraum an den Ball und traf abgezockt ins lange Eck (86.). Der Jubel von Hertha-Trainer Fiél und seinen Akteuren war riesengroß, schließlich war eine couragierte Leistung im zweiten Durchgang nun auch mit etwas Zählbarem belohnt worden.
Der Fehlstart ist somit vorerst abgewendet, der Druck bleibt aber hoch: Am kommenden Wochenende geht es für die Berliner in der ersten Runde des DFB-Pokals zum kniffligen Auswärtsspiel bei Hansa Rostock (Sonntag, 18. August, 15.30 Uhr).





