Derby

Party in Rot-Weiß, Katerstimmung in Blau-Weiß

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Inga Böddeling und Michael Färber
Union Berlins Danilho Doekhi (M.) köpft den Treffer zum 1:0 gegen Hertha BSC.

Union Berlins Danilho Doekhi (M.) köpft den Treffer zum 1:0 gegen Hertha BSC.

Foto: Juergen Engler / picture alliance / nordphoto GmbH / Engler

Stadtmeister 5.0: Union feiert gegen Hertha im ausverkauften Olympiastadion den nächsten Derbysieg.

Berlin.  Den Derbysiegern konnte es nicht schnell genug gehen. Mit ausgebreiteten Armen rannten die Profis von Union Berlin, allen voran Rani Khedira in die Gästekurve, feierten tanzend das 2:0 (1:0) gegen Hertha BSC am Sonnabend im ausverkauften Olympiastadion. „Stadtmeister, Stadtmeister“ dröhnte durchs weite Rund.

Auf der anderen Seite ging das Ganze eine Nummer langsamer. Zögernd schlichen die Spieler in den blau-weißen Trikots in die Ostkurve, näherten sich vorsichtig dem Anhang, der mit Schweigen, vereinzelten Pfiffen und Becherwürfen reagierte. Freude hier, Frust dort. Die Gefühlslagen waren im 13. Stadtduell der Geschichte wieder einmal klar verteilt.

Union Berlin ist der glückliche Gewinner

Dabei war das Derby auf dem Rasen keine allzu klare Angelegenheit. Ein Standard und ein Konter brachten Union den fünften Derbysieg in Folge. Dazwischen zeigte vor allem Hertha ein Spiel, welches offenbarte, dass das 0:5 gegen Wolfsburg vom Dienstag keine bleibenden Schäden hinterlassen hatte.

„Das war ein hart umkämpftes Derby, sehr eng. Am Schluss sind wir die glücklicheren Gewinner“, erklärte Union-Trainer Urs Fischer. Hertha-Kollege Sandro Schwarz konnte zumindest der Einstellung seiner Mannschaft etwas Gutes abgewinnen, musste aber festhalten: „Es ist enttäuschend, was das Ergebnis angeht.“

Hertha war konzentriert, hatte mehr Zweikampfbiss, feierte gewonnene Duelle und zeigte die zuletzt vermissten Tugenden, die es im Abstiegskampf auch braucht. Ein Signal an die Fans in der Ostkurve: Seht her, wir kämpfen und lassen uns nicht überrollen.

Hertha BSC überraschend stabil, Union Berlin mit Ungenauigkeiten

„Wir wollten mit Energie in die Zweikämpfe gehen, das war das Wichtigste für uns heute“, sagte Herthas Keeper Oliver Christensen, der nach Abpfiff noch länger als seine Kollegen beim unzufriedenen Anhang in der Ostkurve ausharrte, in die Menge klatschte und schließlich sein Trikot verschenkte. „Heute haben wir alles gegeben, aber es war nicht genug.“

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Während die blau-weißen Berliner über weite Strecken die Kontrolle behielten, leistete sich Union zu viele Ungenauigkeiten, zeigte wieder einmal, dass die erste Hälfte momentan nicht die große Stärke des Europa-League-Teilnehmers ist.

Hinzu kam, dass Herthas überraschend stabile Defensive vor allem Unions Sheraldo Becker aus der Partie nahm. Der Flügelspieler hatte Mühe, seine Schnelligkeit auszuspielen. Den Köpenickern fehlte damit ein entscheidender Faktor in der eigenen Offensive.

Unions Schäfer zur Untersuchung im Krankenhaus

Auch Andras Schäfer, der nach langer Verletzungspause sein Startelf-Comeback gab, blieb hinter seinen Möglichkeiten. In der zweiten Hälfte blieb der Ungar mit schmerzendem Fuß liegen, musste ausgewechselt werden. Trainer Fischer erklärte nach dem Spiel, dass Schäfer auf dem Weg ins Krankenhaus war.

Torchancen waren Mangelware – allerdings auf beiden Seiten. Bis zur 33. Minute war Geduld gefragt. Dann dribbelte sich Dodi Lukebakio mit Hilfe von Wilfried Kanga in den rot-weißen Strafraum und legte auf Marco Richter ab. Der Rechtsaußen zog ab – drüber.

Union hatte zu diesem Zeitpunkt noch nichts im blau-weißen Strafraum zustande gebracht – und brauchte einen Freistoß, um das zu ändern. Union-Kapitän Christopher Trimmel brachte den Ball von der linken Seite rein und fand Danilho Doekhi, der per Kopf einnetzte (44.). 1:0 für Union – ein Treffer aus dem Nichts, im Stile einer Mannschaft, die eben ganz weit oben in der Tabelle steht. „Wir waren effizient“, fasst es Chefcoach Fischer zusammen.

Hertha hadert mit nicht gegebenem Elfmeter, Union trifft per Konter

Am anderen Ende des Tableaus fehlt genau dieses Glück häufig. Das hat Hertha in dieser Saison schon häufig erleben müssen. Und so war es ein Konter, mit dem Union in der zweiten Hälfte erhöhte. Nach einem Zweikampf zwischen Khedira und Marc Kempf im Köpenicker Strafraum forderten die Blau-Weißen Elfmeter, das Spiel aber ging weiter.

Janik Haberer schnappte sich die Kugel und legte auf Becker ab, der mit viel Platz vor Herthas Tor auf Paul Seguin passen konnte – 2:0 (67.). Schiedsrichter Felix Brych schaute sich die Szene am Videomonitor noch einmal an, blieb aber bei seiner Entscheidung, dass Khedira erst den Ball gespielt hatte und dann Kempf am Fußgelenk traf.

Niederlechner feiert Debüt für Hertha BSC

Hertha ließ sich von dem erneuten Rückschlag nicht unterkriegen, kämpfte weiter. Mit Debütant Florian Niederlechner (für Boetius) und Jessic Ngankam (für Kanga) war die Devise: Mehr Offensive wagen. Doch weder Lucas Tousarts Versuch nach einer Ecke (74.) noch Richters Kopfball nach Niederlechner-Flanke (78.) oder Kempfs Versuch (83.) brachten den gewünschten Erfolg.

Union schaute sich das Treiben an, versuchte es hin und wieder mit einem Gegenstoß, hatte mit dem 2:0 im Rücken aber auch nicht mehr den Druck, noch allzu viel zum Geschehen beitragen zu müssen. Und so war am Ende eben auch noch Kraft für die ausgiebige Party vor dem Gästeblock. Während bei Hertha weiter Katerstimmung herrscht – ganz ohne Party.

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