Selbst das gestiegene Alter hat nichts an den Dingen geändert. Das gab Felix Magath zu, als er zum ersten Mal seit über vier Jahren wieder als Trainer bei einem Fußballspiel an der Seitenlinie stand. „Ich war immer nervös vor Spielen, ich weiß gar nicht, wie es anders geht. Man braucht immer eine gewisse Nervosität“, sagte der 68-Jährige bei seinem realen Comeback. Das verlief allerdings nicht ganz so grandios wie das virtuelle, das er wegen einer Coronainfektion beim 3:0 von Hertha BSC gegen Hoffenheim vor der Länderspielpause aus dem Hotelzimmer erlebte. In Leverkusen unterlagen die Berliner dem Dritten der Bundesliga 1:2 (1:2).

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Der Optimismus, den die Charlottenburger sich in den vergangenen Tagen in Harsewinkel erarbeitet haben und der zusammen mit dem Schwung des tollen Auftritts beim Einstand von Magath eine noch bessere Hertha hervorbringen sollte, konnte sich bei den Rheinländern also noch nicht manifestieren. Hertha blieb auch im neunten Auswärtsspiel in Serie sieglos und rutschte in der Tabelle sogar wieder auf Abstiegsrang 17 ab. „Es war deutlich, dass Leverkusen die bessere Mannschaft hat, aber auch wir hätten ein zweites Tor machen können“, sagte Magath nach dem oft einseitigen Spiel.

Die Pläne des Trainers, der von den intensiven Tagen in Ostwestfalen schwärmte („Es war ein Trainingslager, wie ich es noch nie erlebt habe“) erfuhren schon vor Spielbeginn erste Einschränkungen. Marvin Plattenhardt, der gegen Hoffenheim beim ersten Sieg des Jahres 2022 alle drei Treffer per Freistoß eingeleitet hatte, musste mit Muskelproblemen passen. Für ihn nahm Magath Maximilian Mittelstädt auf die linke Seite der Vierer-Abwehrkette. Dazu setzte der Coach gegen Bayer auf Vladimir Darida auf der linken Außenbahn und beorderte Marco Richter auf die Bank.

Daridas Anschlusstreffer ist  zu wenig für die Berliner

Ansonsten beließ es Hertha bei den erprobten Mitteln, wollte aus einem kompakten Mittelfeld heraus mit einer 4-1-4-1-Formation möglichst Druck auf Bayer ausüben. Das gelang ungefähr sieben Minuten, dann hatten die spielstarken Gastgeber alles im Griff und ließen Hertha lediglich defensiv in Erscheinung treten. Jeder Versuch des Spiels nach vorn wurde schnell von Bayer mit aggressivem Gegenpressing beendet und führte zu neuen Angriffen. Den ersten gefährlichen von Karim Bellarabi parierte Marcel Lotka im Hertha-Tor (21.). „Wir haben in der ersten Halbzeit zu wenig Kampf angeboten und die Leverkusener spielen lassen“, kritisierte der Trainer.

Lotka hatte das Spiel auf der Bank begonnen, kam aber nach der nächsten ungewollten Planänderung zum Einsatz. Alexander Schwolow hatte sich am linken Oberschenkel verletzt und musste raus (13.). Von dort sah er, dass sein Ersatzmann ohne Chance war, als die Berliner in Rückstand gerieten. Leverkusen fuhr mal wieder eine zweite Welle und flankte über Moussa Diaby von links. Vor dem Tor bekam Lucas Alario den Ball, drehte sich um den hilflosen Marc Kempf und zog ins lange Eck ab (35.).

Nur wenig später verlief alles ähnlich, wieder legte Diaby in die Mitte ab. Dort stand diesmal Bellarabi frei, weil Dedryck Boyata sich zu sehr zum eigenen Tor orientierte. Bellarabi nutzte die Zeit für einen präzisen Schuss und traf zum 0:2 (40.). Die Dinge schienen ihren Lauf zu nehmen, weil Hertha offensiv keine Möglichkeit zur Entfaltung bekam. Doch nach einem schnell vorgetragenen Angriff über die rechte Seite mit einer Spielverlagerung auf links brachte Mittelstädt den Ball in die Mitte, Darida zog volley ab und verkürzte mit einem Aufsetzer zum 1:2 (42.).

Was wie eine Initialzündung hätte wirken können, war jedoch nicht mehr als ein kurzes Aufflackern. In der zweiten Hälfte, in die Magath mit Linus Gechter statt Suat Serdar startete und etwas umstellte, behielt das Spiel seinen bekannten Rhythmus. Leverkusen bestimmte das Geschehen, ließ die Berliner selten weit vorrücken. Das fand beim Ballbesitz seinen Ausdruck, nur zu 30 Prozent gehörte das Spielgerät Hertha, bei der Niklas Stark verletzt vom Platz musste, Richter ersetzte ihn (64.).

Doch immerhin schafften es die Berliner, dass das Gegner nicht mehr ganz so viel Verwirrung stiften konnte. „Wir haben gut gestanden hinten“, sagte Lotka. Leverkusen spielte weniger zielstrebig, hatte durch Exequiel Palacios per Kopf allerdings die beste Chance der zweiten Halbzeit (75.). Durch das enge Resultat konnte Hertha auf einen glücklichen Moment hoffen, aber Darida traf kurz vor Schluss eine von links kommende Flanke nicht richtig und verpasste den Ausgleich knapp (90.). „In der zweiten Hälfte haben wir mehr dagegengehalten und das Spiel offener gestalten können. Bis zum Derby müssen wir zulegen“, sagte Magath, der als nächstes mit Hertha den 1. FC Union empfängt und sein Team im Abstiegskampf wieder in die richtige Richtung führen will.

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