Der Vorlauf brauchte Zeit, doch der finale Vollzug ging fix: Erst am Mittwochmittag hatte Eintracht Frankfurt nach wochenlangen Verhandlungen die Trennung von Sport-Vorstand Fredi Bobic verkündet, ehe am Abend die News aus Berlin folgte. Wie erwartet dockt Bobic (49) bei Hertha BSC an und übernimmt ab 1. Juni den Posten des Geschäftsführers Sport. Längst keine Überraschung mehr – und dennoch ein Coup.

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„Wir sind sehr erfreut, mit Fredi Bobic unseren Wunschkandidaten gewonnen zu haben und freuen uns auf die zukünftige erfolgreiche Zusammenarbeit“, hieß es im Statement von Hertha-Präsident Werner Gegenbauer. Ähnlich euphorisch äußerte sich Bobic selbst: „Nach meiner Entscheidung, eine neue Herausforderung zu suchen, gab es offene und überzeugende Gespräche. Ich freue mich, ab Sommer wieder Teil der Hertha-Familie zu sein.“
Hertha BSC will Eintracht Frankfurt nacheifern
Von 2003 bis 2005 war der frühere Stürmer schon einmal in Westend angestellt, damals noch als Profi. Seine Familie lebt bis heute in Berlin, sodass der Alltag des Managers künftig spürbar einfacher werden dürfte. Ob selbiges auch für die sportlichen Herausforderungen bei Hertha gilt, bleibt indes abzuwarten. Einerseits darf Bobic mit den vielen Millionen hantieren, die Investor Lars Windhorst in den Klub gepumpt hat, auf der anderen Seite ist völlig unklar, ob Hertha in der nächsten Saison noch Bundesligist ist. Aktuell liegt das Team von Trainer Pal Dardai mit nur 26 Zählern auf Tabellenplatz 15, punktgleich mit Arminia Bielefeld auf dem Relegationsrang.
Bobic, der die Nachfolge des im Januar freigestellten Michael Preetz übernimmt, scheint diese Unsicherheit nicht zu stören. Er will in Berlin das wiederholen, was ihm in knapp fünf Jahren in Frankfurt schon gelungen ist: einen schwächelnden Traditionsklub in ein Europapokal-Team verwandeln und im Idealfall in die Champions League führen. Eine anspruchsvolle Mission, die Bobic allemal zuzutrauen ist. Seine beständig erfolgreiche Arbeit bei der Eintracht spricht für sich.
Unter anderem war es ihm in Frankfurt gelungen, nach dem Abgang von Trainer Niko Kovac einen perfekten Nachfolger zu finden. Der Österreicher Adi Hütter erwies sich als Volltreffer und schrieb die Erfolgsgeschichte der Hessen einfach weiter. Auf den sensationellen DFB-Pokalsieg unter Kovac 2018 folgte im Jahr darauf der Einzug ins Halbfinale der Europa League. Aktuell befindet sich das Team auf Königsklassen-Kurs.
Hertha BSC bekommt einen exzellenten Ein- und Verkäufer
Beeindruckend war die Entwicklung der Eintracht auch deshalb, weil sie mit überschaubaren Mitteln zustande kam. Hauptverantwortlich dafür war Bobic, der sich einen Namen als exzellenter Ein- und Verkäufer machte. Nicht selten gelangen ihm spektakuläre Leihgeschäfte, immer wieder fand er kreative Lösungen. Nicht zu vergessen: Der Manager schaffte es, die sportlichen Erfolge zu versilbern, indem er Profis, die sich bei der Eintracht ins Rampenlicht gespielt hatten, für viele Millionen verkaufte. Paradebeispiel waren die Angreifer Ante Rebic, Sébastian Haller und Luka Jovic, die dem Klub erst viele Tore, und bei ihrem Verkauf weit über 100 Millionen Euro bescherten – in etwa das Dreifache ihres Einkaufspreises.
Ähnlich imposant war Bobics Erfolgsquote bei Zugängen. Für Leistungsträger, die Frankfurt verließen, fand der Manager alsbald guten Ersatz, zudem scheint er ein ausgeprägtes Gespür für Charaktere zu besitzen. Seit 2016 gelang es ihm Jahr für Jahr, gut austarierte Mannschaften zu formen – nicht nur sportlich, sondern auch in puncto Mentalität. Ein Grund mehr, der ihn für Hertha zum idealen Kandidaten machte.
Spätestens seit Anfang März waren die Gerüchte um Bobics Berlin-Rückkehr allgegenwärtig, doch sein bis 2023 gültiger Vertrag machte die Dinge kompliziert. Schlussendlich einigten sich die Parteien auf eine Ablösesumme. Über die Details wurde Stillschweigen vereinbart. Dem Vernehmen nach zahlte Hertha 2,5 Millionen Euro an die Hessen.
Bei Hertha BSC wartet viel Arbeit auf den Manager
Bei Hertha war man sich derweil schnell einig. Das Präsidium um Gegenbauer folgte am Mittwoch dem Vorschlag des Personalausschusses, auch der Aufsichtsrat stimmte zu. In Westend herrscht kein Zweifel daran, dass Bobic die perfekte Lösung ist. Sportliche Kompetenz, ein passendes Profil, Berlin-Bezug und Hertha-Stallgeruch – der Europameister von 1996 bringt alles mit.
Die Königspersonalie des sportlichen Strippenziehers ist damit gelöst. Eine Entwicklung, die neben Investor Windhorst auch Hauptgeschäftsführer Carsten Schmidt freuen wird. Er hat einen guten Draht zu Bobic. Schon bei Herthas Partie in Frankfurt waren die beiden Ende Januar gemeinsam auf der Tribüne zu sehen.
Nun also sind die Formalitäten geklärt, die Planungen können Fahrt aufnehmen, wenngleich Bobic noch bis Saisonende in Frankfurt wirkt. Bis dahin gilt bei Hertha aller Fokus dem Klassenerhalt, doch spätestens im Juni wird sich die Frage nach der nächsten zentralen Personalie stellen: der des Cheftrainers. Klar ist: Auf Bobic wartet in Berlin viel Arbeit.




