Bundesliga

Cunha verleiht Hertha mehr Kreativität und Leichtigkeit

Der trickreiche Winter-Zugang Matheus Cunha bringt Hertha durch seine Spielweise dem Klassenerhalt ein großes Stück näher.

Kaum zu halten: Der Neu-Herthaner Matheus Cunha (l.) ließ bei seinem Debüt in Paderborn seine Klasse aufblitzen.

Kaum zu halten: Der Neu-Herthaner Matheus Cunha (l.) ließ bei seinem Debüt in Paderborn seine Klasse aufblitzen.

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Berlin. Während seiner kurzen Zeit in Berlin sind Matheus Cunha (20) schon einige Dinge gelungen, die nicht jeder Fußballer von sich behaupten kann. Da wäre zum Beispiel sein etwas überraschendes Bundesliga-Debüt in der Startformation beim 2:1 am Sonnabend in Paderborn. Cunha war erst am Mittwoch in Berlin gelandet, mit der Mannschaft konnte er nur zwei kurze Trainingseinheiten absolvieren. Warum er dennoch von Beginn an spielte? „Ich habe mich einfach mit ihm unterhalten, und da wirkte er sehr klar in seinen Ansichten“, sagte Trainer Alexander Nouri (40).

Cunha hat im Training gleich gezeigt, was er kann

Um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, der Neue hätte sich einfach nur ins Team geredet, präzisierte Nouri noch: „Er hat im Training gleich gute Ansätze gezeigt, und dann dachten wir: Okay, lass uns dieses Selbstvertrauen und den Rückenwind den er mitbringt nutzen.“ Cunha hatte mit der brasilianischen Olympiaauswahl die Qualifikation für die Spiele in Tokio geschafft. Im entscheidenden Spiel gegen Argentinien waren ihm beim 3:0 zwei Tore gelungen.

Cunha kam für 18 Millionen Euro in der Winterpause von RB Leipzig

Den Zugang, der für rund 18 Millionen Euro in der Winterpause von RB Leipzig gekommen war, gleich zu nominieren, sollte sich als wichtige und richtige Entscheidung erweisen. Mitte der zweiten Halbzeit beförderte er den Ball elegant mit der Hacke Richtung Tor. Offiziell wurde der Treffer zwar als Eigentor des Paderborners Jamilu Collins (25) gewertet, aber klar war auch, dass Cunha großen Anteil daran hatte. Mit seinem Geistesblitz verhalf er Nouri zu einem gelungenen Debüt als Hertha-Cheftrainer. In diese Position war er gekommen, weil Jürgen Klinsmann (55) am Dienstag für alle überraschend seinen Rücktritt erklärt hatte.

„Wir haben die Situation gut angenommen nach dem ganzen Trubel, der unter der Woche geherrscht hat“, sagte Nouri und deutete gleich mal die größte Veränderung unter seiner Führung an. „Ich hab mich riesig gefreut für die Mannschaft, dass sie sich für diesen Fight belohnt hat“, sagte er. Anders als in den 76 Tagen Jürgen Klinsmann steht jetzt nicht mehr zwangsläufig der Trainer im Mittelpunkt. Es geht wieder um die wesentlichen Dinge.

Hertha hat den Abstand zur Abstiegszone ausgebaut

Der Sieg in Ostwestfalen war auch deshalb so wichtig, weil Hertha den Abstand zur Abstiegszone auf neun Punkte ausbauen konnte. Gelingt es, in den kommenden Spielen gegen die direkten Konkurrenten Köln und Düsseldorf weiter zu punkten, dürften die Berliner aus dem Gröbsten raus sein.

Eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Ziel Klassenerhalt wird Cunha einnehmen, das deuteten allein die 83 Minuten an, in denen er in Paderborn auf dem Feld stand, ehe er völlig entkräftet für Kapitän Vedad Ibisevic Platz machte. Der Brasilianer verleiht Herthas Spiel auf Anhieb mehr Kreativität und Leichtigkeit. Dinge, die den Berlinern so sehr gefehlt haben in dieser Saison. Fast immer, wenn Hertha in Paderborn zu Möglichkeiten kam, war Cunha daran beteiligt. Gemeinsam mit dem anderen Neuen, dem Polen Krzysztof Piatek (24), bildete er eine gefährliche Doppelspitze, die gleich ersichtlich werden ließ, wie die Rollenaufteilung zwischen beiden sein wird. Während Piatek als klassischer Strafraumstürmer im Zentrum wartete und versuchte, möglichst schnell den Ball Richtung Tor zu bringen, war Cunha überall zu finden. Er wuselte und trickste um Piatek herum und war für die Paderborner Verteidiger nur schwer zu stellen.

Hertha verfügt in Cunha und Piatek über das ideale Sturmduo

Dieser enorme Einsatz imponierte auch Nouri. „Mit seinen Läufen hat er oft Zeichen gesetzt, dass war für das Team sehr wichtig.“ Herthas Trainer verfügt in Cunha und Piatek nun über das ideale Sturmduo, um seine Vorstellungen umsetzen zu können. „Wir hatten durch sie viele Gegenpressingimpulse, wo wir stark nachgesetzt und den Gegner unter Druck gesetzt haben. Das hatten wir so vorher in der Form nicht“, sagte Nouri.

Hertha spielt am Sonnabend gegen Köln

Neben viel Licht warf Cunhas Spiel aber auch einige Schatten. Kurz nach dem Paderborner Ausgleich lief er allein auf den Torwart zu, doch anstatt entschlossen einen Abschluss zu suchen, entschied er sich für einen arg überheblichen Lupfer. Im Anschluss daran versuchte er einen Elfmeter zu schinden. „Wir machen ihm da keinen Vorwurf, aber grundsätzlich sind das Situationen, die wir besser für uns lösen wollen“, sagte Nouri. Auch dass Cunha nach einem überharten Einsteigen an der Seitenlinie beinahe vom Platz geflogen wäre, dürfte Herthas Trainer nicht gefallen haben.

Am Sonnabend gegen Köln soll der Brasilianer aber wieder das Vertrauen von Nouri bekommen. Auch mit Niklas Stark und Per Skjelbred rechnet Herthas Trainer. Stark musste nach einem Schlag aufs Knie verletzt raus, Skjelbred klagte über Atemnot. Der Norweger wird hinsichtlich allergischer Symptome untersucht. „Ich denke aber, dass es bei beiden nicht so dramatisch ist“, sagte Nouri. Das Gleiche lässt sich dank Matheus Cunha auch über Herthas Tabellensituation sagen.