Bundesliga

Hertha-Boss Preetz: „Maier-Ausfall wäre ein Rückschlag“

Herthas Mittelfeldspieler Arne Maier hat sich beim 2:1-Testspielsieg gegen Frankfurt verletzt. Diagnose folgt am Freitag in Berlin.

Hertha-Talent Arne Maier (Mitte) konnte unter Trainer Jürgen Klinsmann (r.) bisher nur wenig spielen.

Hertha-Talent Arne Maier (Mitte) konnte unter Trainer Jürgen Klinsmann (r.) bisher nur wenig spielen.

Foto: Anke Waelischmiller/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Orlando. Das Bild war nicht schön. Während sich Herthas Teambus samt Mannschaft auf den Heimweg nach Orlando/Florida machte, blieb Arne Maier am späten Mittwochabend (Ortszeit) vor dem Al Lang Stadium in St. Petersburg zurück – mit dick bandagiertem rechten Bein und stoischer Miene. Das talentierteste Berliner Eigengewächs wurde kurz darauf in einem PKW zurück ins Teamhotel transferiert, um das lädierte Bein hochlegen zu können.

Maier war während des 2:1 (0:0)-Testspielsiegs gegen Eintracht Frankfurt mit Gegenspieler Dominik Kohr zusammengeprallt und hatte sich an seinem 21. Geburtstag schwer am rechten Knie verletzt. Das Feld konnte er nur gestützt von zwei Physiotherapeuten verlassen, an ein Auftreten war nicht zu denken.

Schon in Herthas Hinrunde stoppt Maier eine Knieverletzung

Die rund ein Dutzend Hertha-Fans, die sich nach dem Spiel am Teambus versammelt hatten, versuchten Trost zu spenden. „Herzlichen Glückwunsch, Arne – und gute Besserung“, sagte ein Anhänger. Ein anderer betonte: „Wir haben uns so darauf gefreut, dass du endlich in die Saison startest.“

Tatsächlich ist die Spielzeit 2019/20 bislang eine verkorkste für Maier. Schon vor Saisonstart zog er sich eine schwere Knieverletzung zu, damals am linken Bein. Innenbandriss, OP – am Ende der Hinrunde standen nur 21 Einsatzminuten für ihn zu Buche.

Endgültige Diagnose erst nach der Rückkehr nach Berlin

„Arne kommt aus einer langen Leidenszeit“, sagte Manager Michael Preetz am Donnerstag, „er war gerade wieder in der Verfassung, in der wir ihn haben wollen.“ Ein längerer Ausfall wäre nun „ein großer Rückschlag“. Unter dem neuen Trainer Jürgen Klinsmann war Maier nach auskurierter Verletzung noch nicht recht zum Zug gekommen. Statt bei den Profis spielte er zunächst nur in der U23, um Spielpraxis zu sammeln.

Gleichwohl sind mit Maier große Hoffnungen verknüpft. Der U21-Nationalspieler gilt als eines der größten Talente des Landes, als Nationalspieler der Zukunft, der den Berlinern eines Tages Millioneneinnahmen bescheren könnte. Zunächst aber galt der spielstarke Achter als Kandidat, um die Lücke zwischen stabiler Abwehr und lahmendem Angriffsspiel zu schließen, doch daraus wird nun erstmal nichts.

„Es wird schon wieder werden“, meinte Maier zwar in Florida. Bis es so weit ist, braucht es aber wohl Geduld. „Der Schock am Abend war groß“, sagte Preetz, „aber in der Kabine sah es dann schon etwas besser aus.“ Die endgültige Diagnose erfolgt erst nach der Rückkehr nach Berlin am Freitag.

Hertha-Trainer Klinsmann lässt B-Elf spielen

Auch wenn Maiers Verletzung den Abschluss des siebentägigen Trainingslagers in Orlando/Florida ein wenig überschattete, das Testspiel gegen Bundesligakonkurrent Frankfurt lieferte immerhin positive Nachrichten. Der eingewechselte Alexander Esswein traf beim 2:1 (0:0) am Mittwochabend (Ortszeit) im Al Lang Stadium in St. Petersburg doppelt (71., 78./Foulelfmeter). Für die Hessen war Timothy Chandler erfolgreich (73.).

Während Frankfurts Trainer Adi Hütter in Durchgang eins einer Formation vertraute, die man sich auch zum Rückrundenstart vorstellen kann, schickte Hertha-Coach Jürgen Klinsmann eine B-Elf aufs Feld – allerdings ohne den wechselwilligen Ondrej Duda. Die Stammkräfte der Berliner hatten bereits am vergangenen Sonntag Spielpraxis sammeln dürfen, gewannen gegen die U19 des MLS-Klubs Orlando City mühelos mit 5:1.

Dass es gegen Tabellennachbar Frankfurt deutlich schwerer werden würde, war klar, doch bis zur ersten Torannäherung dauerte es nur fünf Minuten: Flügelspieler Marius Wolf scheiterte an Eintracht-Keeper Kevin Trapp. Insgesamt blieb der erste Durchgang jedoch dürftig. Überquerten die Berliner die Mittellinie, war das Ball meist schnell futsch – auch die Konterversuche blieben erfolglos. Die beste Gelegenheit hatte noch Vedad Ibisevic, der nach einer Ecke knapp neben den rechten Pfosten köpfte (33.).

Torunarigha und Skjelbred überzeugen

Überzeugender als die Angriffsbemühungen war die Verteidigungsarbeit der Berliner, wie so oft in den vergangenen Wochen. Innenverteidiger Jordan Torunarigha gefiel mit seiner kompromisslosen Zweikampfführung, Sechser Per Skjelbred mit umsichtigem Stellungsspiel und enormem Laufpensum.

Die Frankfurter wirkten im Spiel nach vorn zwar insgesamt planvoller und strukturierter als Hertha, fanden aber kaum Lücken. Stürmer Bas Dost wurde bei seinem Abschluss aus Nahdistanz noch gestört (13.), der Fallrückzieher von Martin Hinteregger (29.) blieb ein eher abenteuerlicher Versuch und Mijat Gacinovics Schuss kurz vor der Pause rauschte über die Querlatte.

Stark kann sich nicht wirklich für Startelf empfehlen

Bei Hertha hatten vor allem Nationalspieler Stark und Hoffnungsträger Maier die Chance nutzen wollen, um sich für die Startelf zu empfehlen. Positive Akzente setzten sie allerdings kaum, ihre auffälligste Szene hatten sie zu Beginn der zweiten Halbzeit. Nach einem Maier-Freistoß kam Stark per Kopf zum Abschluss, der aber geriet zu harmlos (54.).

Just in dem Moment, als Maier gestützt von zwei Physiotherapeuten unter dem Applaus der 4623 Zuschauer in die Katakomben humpelte, ging Hertha in Front. Nach einem Diagonalball von der rechten Seite zog Joker Alexander Esswein in der linken Strafraumhälfte nach innen und zog ab – 1:0 (71.). Frankfurt ließ sich davon jedoch nicht schocken - fast im Gegenzug glich Timothy Chandler nach einem mustergültigen Konter zum 1:1 aus (73.).

Letztes Testspiel in Berlin

Das letzte Wort hatte allerdings der spritzige Esswein, der im Strafraum von Almamy Toure unsanft gestoppt wurde und so einen Elfmeter herausholte. Der Gefoulte schoss selbst und zimmerte den Ball oben links zum 2:1-Endstand ins Eck (78.).

Am Donnerstagabend (Ortszeit) begibt sich der Hertha-Tross auf die Rückreise nach Berlin. Dort findet am Wochenende ein weiteres Testspiel gegen den polnischen Erstligisten Pogon Stettin statt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zum Rückrundenstart empfängt der Hauptstadtklub am darauffolgenden Sonntag (19. Januar, 15.30 Uhr) den FC Bayern im Olympiastadion.

So spielte Hertha gegen Frankfurt:

Jarstein - Pekarik (61. Esswein), Stark, Torunarigha, Mittelstädt - Wolf, Skjelbred, Maier (65. Klünter), Leckie - Köpke, Ibisevic (61. Redan).