Kommentar

Der Anfang für Jürgen Klinsmann bei Hertha ist gemacht

Bei Spiel eins unter Klinsmann zeigt Hertha eine stark verbesserte Mentalität. Nun müssen weitere Schritte folgen, meint Jörn Lange.

Jürgen Klinsmann und Michael Preetz am Mittwoch.

Jürgen Klinsmann und Michael Preetz am Mittwoch.

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Berlin. Der Unterschied war unübersehbar. In Spiel eins unter Jürgen Klinsmann zeigten Herthas Profis schon in den ersten zehn Minuten mehr Biss, Willen und Leidenschaft als in den letzten Partien unter Vorgänger Ante Covic. Der Auftritt gegen den BVB hatte mit den bitteren Pleiten beim 1. FC Union oder in Augsburg so viel zu tun wie eine Currywurst-Bude mit Sterne-Gastronomie.

Von Feinschmecker-Fußball war das 1:2 (1:2) gegen den BVB freilich immer noch weit entfernt, aber das ist gar nicht wichtig. Nach nur drei Tagen Trainingsarbeit eine spielerisch entfesselte Mannschaft zu erwarten, wäre naiv. Entscheidender ist: Die Berliner brennen wieder, Klinsmann hat das abgeholzte Selbstvertrauen wieder aufgeforstet und das Feuer unter den blau-weißen Trikots neu entfacht.

Die taktische Handschrift des früheren Stürmers war dabei schon zu erkennen. Seine Elf soll sich trotz der bedrohlichen Tabellensituation nicht hinten reinstellen, sondern mutig sein, den Gegner attackieren und permanent stressen. Ein Ansatz, der durchaus ein gewisses Risiko birgt, wie die beiden frühen Gegentore bewiesen. Aber zumindest war bei den Berlinern wieder eine klare Spielidee zu erkennen.

Dass die Basis für Erfolg noch immer die sogenannten Grundtugenden sind, beweist seit Wochen der Stadtrivale aus Köpenick. Galligkeit, Gier und Laufbereitschaft stimmen nun wieder bei Hertha, doch das kann nur der Anfang sein auf dem Weg aus dem Tabellenkeller.

Baustellen gibt es nach wie vor genug im blau-weißen Lager, vom Abwehrverhalten bei Kontern über individuelle Patzer bis zum Umgang mit eigenem Ballbesitz. Als Hertha nach dem Platzverweis von Dortmunds Mats Hummels in der zweiten Halbzeit das Spiel gestalten konnte, wussten die Berliner mit dieser Chance wenig anzufangen. Ein fast schon klassisches Hertha-Phänomen, für das weder Pal Dardai noch Ante Covic nachhaltige Lösungen fanden. Auf Klinsmann und sein Trainerteam wartet noch viel Arbeit.

„Es kommt nicht rein aufs Ergebnis an, sondern darauf, wie wir uns präsentieren“, hatte der Schwabe im Vorfeld der Partie gesagt. Tatsächlich gab es am Auftreten wenig zu mäkeln, und doch kommt einem fast zwangsläufig jener Song in den Sinn, der den Soundtrack zu Klinsmanns größtem Erfolg lieferte, dem Sommermärchen 2006 mit dem DFB-Team. Dieser Weg wird kein leichter sein. Aber: Die ersten Schritte, die sind gemacht.