BUNDESLIGA

0:4 - Hertha-Debakel in Augsburg

Hertha BSC kassiert die vierte Niederlage in Folge. Torwart Jarstein sieht Rot. Unglückliches Debüt für Ersatztorwart Smarsch

Der Grund für die Rote Karte gegen Rune Jarstein: Der Hertha-Torwart springt mit gestrecktem Bein Sergio Cordova an.

Der Grund für die Rote Karte gegen Rune Jarstein: Der Hertha-Torwart springt mit gestrecktem Bein Sergio Cordova an.

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / SvenSimon

Augsburg. Statt des erhofften Befreiungsschlages steckt Hertha BSC nun im Kampf um den Klassenerhalt. Beim FC Augsburg kassierte der Hauptstadt-Klub eine 0:4 (0:2)-Klatsche. So deutlich das Resultat, so chancenlos waren die Berliner, die am zwölften Bundesliga-Spieltag bereits die siebte Niederlage kassierten. „Wir müssen ab sofort punkten“, hatte Manager Michael Preetz auf der Mitgliederversammlung vor zwei Wochen gesagt – und sich zu Ante Covic bekannt, den der Manager im Mai überraschend als neuen Cheftrainer ausgewählt hatte. „Hier 4:0 zu verlieren, ist ein Schlag in die Fresse“, sagte Hertha-Kapitän Niklas Stark. „So kannst du auswärts in der Bundesliga einfach nicht spielen.“

Und es waren die Gäste selbst, die mit ihren Fehlern für das Debakel sorgten. Dem 0:1 ging eine unvorsichtige Aktion von Maximilian Mittelstädt voraus, der den Ball an der Seite wegschlagen wollte, stattdessen aber unbeabsichtigt den Augsburger Marco Richter traf. Den fälligen Freistoß trat Philipp Max. Aus 30 Metern segelte der Ball durch die Abwehr – und schlug im Netz ein (18.). Wieder einmal geriet der Hauptstadt-Klub nach einem Standard in Rückstand.

Jarstein mit dreifachem Fehler

Die Schlüsselszene des Nachmittages brockte Niklas Stark Rune Jarstein ein. Der Neu-Nationalspieler spielte entgegen dem Matchplan einen von vielen Rückpässen auf den Hertha-Torwart. Jarstein versprang der Ball, der Augsburger Florian Niederlechner spitzelte ihn weg, Jarstein traf Niederlechner am Bein, den Ball schob FCA-Stürmer Cordova ins leere Tor, 2:0 (26.). Weil Herthas norwegischer Torwart mit gestrecktem Bein auch Cordova angesprungen hatte, meldete sich der Videoassistent aus Köln. Folge: Rote Karte für Jarstein.

„Ein ganz bitteres Tor, Rune hat sich da bei allem zu viel Zeit gelassen“, sagte Trainer Ante Covic, der zudem seine Verteidiger rügte: „Es war sehr fahrlässig, wie oft wir hintenrum gespielt haben.“ Da Ersatztorwart Thomas Kraft wegen einer Wirbelblockade im Hals in Berlin geblieben war, kam nun Dennis Smarsch zu seinem Bundesligadebüt, Per Skjelbred musste auf die Bank.

Smarsch sieht bei zwei Gegentoren nicht gut aus

Schon bei personellem Gleichstand war Hertha nicht wirklich im Spiel, daran änderte sich auch in Unterzahl nichts. Was auch immer in der Berliner Kabine zur Pause gesprochen wurde, nach 52 Minuten war die Angelegenheit endgültig klar. Andre Hahn, von Stark nicht attackiert, zog aus 18 Metern ab, durch die Beine von Dedryck Boyata trudelte der Ball unten links ins Netz, unhaltbar für Torwart Smarsch schien dieser Ball nicht.

Die Hausherren schoben sich nun nach Belieben die Bälle zu. Bei Hertha gab es das Saisondebüt des lange verletzten Arne Maier zu vermelden (70.). Doch den Schlusspunkt setzte erneut Augsburg. Die Gäste ließen sich bei einem Freistoß von einem einfachen Pass auf den startenden Niederlechner überraschen, der FCA-Stürmer traf aus sehr spitzem Winkel von einem Meter vor der Grundlinie, erneut machte Smarsch im Hertha-Tor keine glückliche Figur, 4:0 (80.).

Es war die vierte Niederlage in Folge, Hertha hat in den letzten beiden Partien allein acht Gegentore kassiert (zuvor 2:4 gegen Leipzig). „Das ist eine bittere Niederlage“, sagte Trainer Covic, „wir haben nichts von dem auf den Rasen gebracht, was wir in den letzten beiden Wochen erarbeitet haben.“ Da stellt sich die Frage, ob die Mannschaft dem Trainer noch folgt. Aber wie schon in der schmerzhaften Derby-Niederlage gegen Union (0:1) ließ Hertha auch in Augsburg jegliche mentale Stabilität, den Kampfgeist, sich gegen die Niederlagen zu stemmen, vermissen. „Wir hatten uns sehr viel vorgenommen, wollten gewinnen“, sagte Mittelfeldspieler Marius Wolf. „Aber wir haben es nicht gezeigt.“

Sonnabend geht es gegen Borussia Dortmund

Eigentlich hatte Hertha, beflügelt durch die 225 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst, sich Richtung Europa orientieren wollen. Die Realität nach mehr als einem gespielten Saisondrittel: Hertha liegt nur einen Zähler vor der Abstiegszone. Für die Verantwortlichen stellt sich derzeit nicht die Frage, wie schnell Hertha ein „Big City Club“ (Windhorst) vom Schlage Paris St. Germain oder FC Chelsea wird. Die Herausforderung lautet: Gelingt es Hertha, den Bundesliga-Klassenerhalt zu sichern?

Die Aufgaben bis Weihnachten - bis dahin wollte Manager Preetz ein sattes Punktepolster nach unten gesichert haben – sind anspruchsvoll: Es geht gegen Dortmund/heim, Frankfurt/auswärts, Freiburg/h, Leverkusen/a und Gladbach/h.