Die Geschichte von Marius Wolf und dem DFB-Pokal geht unter die Haut, denn dort ist sie verewigt. Mit blauer Tinte hat der 24-Jährige sich ein Bild der Trophäe auf das rechte Schienbein stechen lassen, darüber das Datum des Erfolgs, 19.5.2018. „Es ist eine Erinnerung daran, dass beim Fußball alles möglich ist“, sagt Wolf.
Gewonnen hat er das Endspiel mit Eintracht Frankfurt, das 3:1 gegen den FC Bayern war eine der größeren Überraschungen in der Geschichte des Wettbewerbs. Seitdem ist einiges passiert, Wolf spielt inzwischen für Hertha BSC, und sollte ihm eine Wiederholung mit den Berlinern gelingen, wäre das eine mindestens ebenso große Überraschung wie einst mit der Eintracht.
Hertha tut sich auf großer Bühne mitunter schwer
Am Mittwoch müssen Wolf und Hertha BSC dafür erst einmal die zweite Runde überstehen, es geht daheim im gut gefüllten Olympiastadion gegen Dynamo Dresden, einen Zweitligisten (20.45 Uhr, Sky). Dynamo hat zuletzt vier Mal infolge verloren, Hertha ist klarer Favorit, aber das muss nicht viel heißen. In dieser Rolle fühlten sich die Berliner in der jüngeren Vergangenheit meist recht unwohl, gerade im Pokal.
Vor zwei Jahren scheiterten sie daheim gegen den zu dieser Zeit schwer kriselnden 1. FC Köln (1:3). 2016 blieben die Berliner im ausverkauften Olympiastadion gegen Borussia Dortmund weit hinter den Erwartungen zurück und verloren 0:3, wenngleich sie in dieser Partie nicht Favorit waren. Dennoch: War die Bühne groß, fielen Herthas Vorstellungen verkrampft aus.
Von Klubseite gab man sich deshalb Mühe, die Erwartungshaltung nicht zu überziehen. „Diese Pokalrunde ist sehr gefährlich. Wir sind gut beraten, alle Konzentration auf Mittwoch zu legen“, sagt Trainer Ante Covic, der möglichst viel Druck von seiner Mannschaft nehmen möchte.
Sonderlob von Trainer Ante Covic
Marius Wolf hat da seine eigene Sicht der Dinge. „Das wird ein geiles Spiel. Ausverkauftes Haus, soweit ich gehört habe. Das muss man einfach genießen und das Positive rausholen aus der Stimmung“, sagt er in einem Tempo, als würde er auf dem Platz stehen. So ist er, der Neue, den Hertha gegen Ende der Transferperiode von Borussia Dortmund ausgeliehen hat. Immer flott unterwegs, auch beim Reden. Bloß nicht zu viel Zeit verlieren.
Wolf ist in einer Geschwindigkeit in Berlin angekommen, wie sie selten ist, selbst in der Bundesliga. Sein erstes Spiel kurz nach seiner Ankunft bestritt er in Mainz gleich über neunzig Minuten, beim zweiten Einsatz gegen Paderborn gelang ihm sein erstes Tor.
Im System von Ante Covic hat er sich auf der rechten Außenbahn, die er offensiv wie defensiv bekleiden kann, gleich unverzichtbar gemacht. Gegen Hoffenheim spielte er zeitweise sogar auf drei verschiedenen Positionen und bekam dafür ein Sonderlob vom Trainer. Zuerst spielte er rechts offensiv, dann etwas weiter innen beim System mit Raute, und zum Schluss gab er den Rechtsverteidiger.
Für ihn sei das keine besondere Sache gewesen. „Das ist für mich kein Problem. Wo ich spiele, ist mir egal. Ich will der Mannschaft helfen, für mich ist es positiv, dass ich mehrere Positionen spielen kann“, sagt Wolf.
Gute Einsatzchance für Kalou und Selke
Genau jene Wettkampfhärte schätzen sie in Berlin. Wolf murrt nicht, er macht einfach. Und versucht dabei, die um ihn herum mitzureißen. „Ich bin guter Dinge, dass wir eine Runde weiter kommen, wenn wir so spielen wie in der zweiten Halbzeit gegen Hoffenheim“, sagt Wolf.
Ob er dann immer noch oder schon wieder auf dem Platz steht, ist ungewiss. Wolf zählt nach kurzer Zeit bei Hertha zu den Leistungsträgern, aber Trainer Ante Covic hat Veränderungen im Vergleich zum Spiel gegen Hoffenheim angekündigt. Jene, die zuletzt viel eingesetzt wurden, sollen auch mal eine Pause bekommen, schließlich geht es am Sonnabend schon weiter. Dann gastiert Hertha in der Alten Försterei beim 1. FC Union zum Berliner Stadtderby (18.30 Uhr).
Vor allem in der Offensive besitzt Covic einige Optionen. Auf den Außenpositionen könnte Salomon Kalou auflaufen. Der 34 Jahre alte Ivorer fand in dieser Saison bisher wenig Berücksichtigung, zeigte am vergangenen Wochenende mit seinem Tor aber, dass weiter mit ihm zu rechnen ist. Auch Davie Selke benötigt dringend Spielzeit.
„Ein Finale mit Hertha wäre geil“
Natürlich möchte auch Marius Wolf trotz seines hohen Pensums spielen. Die Zeit, in der er bei Borussia Dortmund mehr zuschauen musste, als ihm lieb war, liegt noch gar nicht lange zurück. Wer lange auf das verzichten musste, was er gern macht, der sprüht vor Energie. Wolfs Empfehlung für das Duell mit Dresden: „Einfach drauf freuen, Gas geben und loslegen. Im Pokal gibt’s ja nur das eine Spiel, und das muss man von Anfang an merken.“
Die nächste Runde ist das Ziel. Natürlich darf es gern mehr sein. „Mit Hertha im eigenen Stadion ein Finale zu bestreiten, wäre schon geil“, sagt er. Ob er sich im Fall der Fälle noch einmal den Pokal unter die Haut stechen lassen würde? Wer weiß. Auf dem anderen Schienbein wäre auf jeden Fall noch Platz.


