Bundesligist

Hertha kassiert nächsten Dämpfer in der Stadion-Debatte

Die Tür bleibt zu: Hertha Kaufangebot für das Areal an der Sportforumstraße scheitert erneut – dabei hatte der Klub einiges geboten.

Die Simulation zeigt Herthas Wunsch-Standort für ein neues Stadion.

Die Simulation zeigt Herthas Wunsch-Standort für ein neues Stadion.

Foto: Hertha BSC / BM

Berlin. Ante Covic wollte das Thema nicht größer machen als es ist. „Das ist natürlich schade für ihn, aber kein Drama“, sagte der Hertha-Trainer zum kurzfristig geplatzten Länderspieldebüt seines Schützlings Niklas Stark. Der Innenverteidiger des Berliner Fußball-Bundesligisten hatte von Bundestrainer Joachim Löw zwar eine Startelf-Garantie bekommen, handelte sich vor dem Freundschaftsspiel gegen Argentinien am Mittwoch aber einen Magen-Darm-Infekt ein. „Wenn man krank ist, ist man krank“, sagte Covic pragmatisch, „er wird seine Chance schon noch bekommen.“

Ob Hertha in der Stadion-Debatte noch eine Chance bekommt, steht indes auf einem anderen Blatt. Nach wie vor setzt der Hauptstadtverein alles daran, seine Vision von einem reinen Fußballstadion auf dem Olympiagelände zu realisieren. Im Jahr 2025 will man dem Olympiastadion bekanntlich den Rücken kehren, doch allzu weit vorangeschritten ist das Klub-Vorhaben noch nicht, um es vorsichtig zu formulieren.

Neues Bauland an der Reichsstraße

Bislang fehlt es an politischer Unterstützung, und nicht zuletzt an geeignetem Bauland. Herthas Wunsch-Areal an der Rominter Allee wird von sechs Wohnhäusern in der angrenzenden Sportforumstraße blockiert, in dem 24 Mietparteien leben. Sie müssten weichen, allerdings hat der Eigentürmer, die Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892, seine Gesprächsbereitschaft längst eingestellt.

Am Donnerstag hätte man nun den Eindruck gewinnen können, dass Hertha noch ein Ass aus dem Ärmel zaubert. Wie die „B.Z.“ berichtete, habe der Klub „attraktives Bauland“ in Charlottenburg aufgetan, das zur Ausweichfläche für die Sportforumstraße-Bewohner tauge. Jenes solle Teil eines Kaufangebots über fünf Millionen Euro werden. Doch daraus wird nichts.

Tatsächlich hat Hertha nach den Baumannschen Wiesen am U-Bahnhof Ruhleben ein neues Areal vorgeschlagen – nach Morgenpost-Informationen am Ende der Reichsstraße in Charlottenburg, die auf den Spandauer Damm führt. Herthas bislang letztes Angebot an die Wohnungsgenossenschaft liegt jedoch schon zwei Wochen zurück und wurde abgelehnt. Eine weitere Offerte gab es seither nicht, teilte die Genossenschaft auf Anfrage mit.

Irritation um Kaufsumme

Für Irritation sorgte zudem die potenzielle Kaufsumme von fünf Millionen Euro, eine Zahl, die so nie genannt worden sei. Der RBB berichtete am Donnerstag von einem angeblichen Kauf-Angebot über elf Millionen Euro und beruft sich dabei auf Dokumente, die dem Sender vorlägen. Zusätzliche fünf Millionen Euro hätte Hertha demnach für eine vorübergehende Unterbringung gezahlt, bis die neuen Wohnungen an der Reichsstraße (die direkt an der S-Bahn-Trasse liegen würden) bezugsfertig sind. So oder so: Die Genossenschaft zeigt keinerlei Interesse.

Es gehe nicht nur um Geld, hieß es von Seiten der Wohnungsgenossenschaft 1892, sondern auch um Glaubwürdigkeit. Man habe sich für die Sicherheit der Sportforumstraßen-Bewohner entschieden.

Und Hertha? Antwortet auf Nachfrage nur indirekt. Der Klub teilte mit: „Wir können bestätigen, dass wir weiterhin an einer Lösung für ein Stadion auf dem Olympiagelände arbeiten, bitten aber um Verständnis, dass wir zum derzeitigen Zeitpunkt nicht mehr dazu sagen können.“