Bundesliga

Lukebakio: Ich suche Stabilität, Hertha will mir helfen

Rekordtransfer Dodi Lukebakio über den Druck bei Hertha BSC in Mainz, häufige Vereinswechsel und Vergleiche mit Cristiano Ronaldo.

Nur schwer zu halten: Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio (Nr. 28) im Pokalspiel beim VfB Eichstätt.

Nur schwer zu halten: Hertha-Stürmer Dodi Lukebakio (Nr. 28) im Pokalspiel beim VfB Eichstätt.

Foto: Foto: Kaspar-Bartke / Bongarts/Getty

Berlin. Zum Interview kommt Dodi Lukebakio mit einem Teller Nudeln. Kohlenhydrate aufnehmen, im Training bei Hertha BSC wurde zuletzt viel gesprintet. Schnelle Läufe mag der 21-jährige Belgier mit kongolesischen Wurzeln, aber eher mit Ball. Die Fitness dürfte helfen im Spiel beim FSV Mainz an diesem Sonnabend, wo die Berliner im vierten Bundesligaspiel endlich den ersten Sieg wollen (15.30 Uhr/Sky). Die Hoffnungen ruhen auf Zugang Marius Wolf – und auf Lukebakio. Mit 20 Millionen Euro Ablöse war der Stürmer diesen Sommer schließlich Herthas neuer Rekordtransfer.

Berliner Morgenpost: Herr Lukebakio, was würden Sie mit 20 Millionen Euro kaufen?

Dodi Lukebakio: Gute Frage. Ich bin zuallererst Christ, ich glaube an Jesus. Mit 20 Millionen würde ich Menschen überall auf der Welt helfen, die beispielsweise nicht zur Schule gehen oder kein Krankenhaus bezahlen können, die nicht genug zu essen und trinken haben.

Engagieren Sie sich bereits in diesem Bereich?

Noch nicht, es ist in Planung. Aber meine Frau und ich versuchen immer wieder, den Menschen zu helfen, die wir auf der Straße sehen. Wir kaufen ihnen Wasser und Obst, fragen, welche Probleme sie haben und versuchen, ihnen Liebe zu geben.

Hertha hat für Sie 20 Millionen Euro als Ablöse bezahlt. Für Normalsterbliche eine unvorstellbare Summe. Für Sie?

Ich sehe diese 20 Millionen als Zeichen, dass Hertha an mich glaubt, dass die Verantwortlichen mich wirklich wollten. Also fühlt es sich gut an, das kann dir auch positive Energie geben.

Sind 20 Millionen viel oder wenig? Solche Summen zahlen andere Vereine mittlerweile für Perspektivspieler.

Wenn man sich den modernen Fußball anschaut, könnte man meinen, es wäre nicht viel. Aber für mich ist es schon eine Menge Geld. Speziell für Hertha und die Bundesliga, wo man solche Transfers nicht gewohnt ist.

Im letzten Spiel bei Schalke sind Ihnen mehrere Bälle versprungen. Da haben einige Beobachter gelästert: „20 Millionen, und der kann keinen Ball stoppen.“ Trifft Sie das?

Das passiert doch immer mal, so ist Fußball. Ich höre nicht auf so etwas. Ich versuche einfach richtig fit zu werden. Ich hatte keine Vorbereitung, aber in den vergangenen Wochen haben wir viel gearbeitet. Ich fühle mich heute besser und besser.

Die Leute erwarten sofort Leistung, dabei ist Ihr Engagement eher auf Langfristigkeit angelegt. Sie haben für fünf Jahre in Berlin unterschrieben. Wie sehen Sie das?

Ich bin hierher gekommen, weil ich Stabilität gesucht habe. Das hat mir an Hertha gefallen, dass sie in den Gesprächen gesagt haben: Wir helfen dir in deinem Prozess. Das klang interessant, weil ich noch viel zu lernen habe, um an die Spitze zu kommen.

In den vier Jahren zuvor haben Sie für fünf Klubs in vier Ländern gespielt. Dabei vergisst man fast, dass sie erst 21 Jahre alt sind.

Das sage ich auch manchmal zu meiner Frau und Familie: Die Leute reden über mich, als wäre ich 28. Ich habe viel gelernt in jedem Land, über Mentalität, Disziplin, fußballerische Dinge. Aber der Prozess ist lange noch nicht abgeschlossen.

Sie sind in der Nähe von Brüssel aufgewachsen, mit acht Geschwistern. Wie war Ihre Kindheit?

Wir hatten einen Fußballplatz in der Nähe, mit kleinen Toren und Gummiboden, wie ein Käfig. Ich habe dort jeden Tag mit meinen Freunden gespielt. Jeden Tag. Drei gegen drei, vier gegen vier, fünf gegen fünf. Es war perfekt (seine Augen leuchten). Das waren die besten Momente für mich, mit meinen Freunden, wir haben so viel gelacht. Ich spiele bis heute am besten, wenn ich Freude am Spiel habe.

Im Profifußball geht es aber nicht immer um Freude.

Natürlich ist es anders. Es ist mehr wie Arbeit, wir kommen jeden Tag zum Training, um besser zu werden, und versuchen, jedes Spiel zu gewinnen. Aber für mich ist immer noch die Freude wichtig. Ich will, dass die Leute lächeln, wenn sie ein Spiel sehen.

Viel zu lachen gab es zuletzt nicht, Hertha hat zweimal in Folge 0:3 verloren.

Es ist nicht immer einfach im Fußball, es gibt diese Momente, wenn du verlierst und Druck hast. All dieser Druck ist nicht leicht zu händeln. Aber ich glaube dennoch: Wenn du Freude hast, an dem was du tust, kannst du außergewöhnliche Dinge erreichen. Natürlich ist es mein Ziel zu gewinnen, ich hasse es zu verlieren. Wenn du Freude mit Siegen verbinden kannst, ist es fantastisch.

Sie haben für Anderlecht, Toulouse, Charleroi, Watford und Düsseldorf gespielt. War jeder Wechsel Ihre eigene Entscheidung?

(denkt länger nach) Es waren schon meine Entscheidungen, weil ich spielen wollte. Die Erfahrung hat mich stärker gemacht.

Ihren Durchbruch hatten Sie vergangene Saison mit zehn Toren bei Fortuna Düsseldorf. Warum dort?

In Düsseldorf haben mir alle geholfen, der Trainer, das ganze Team. Es war wieder ein neues Land, eine neue Sprache. Sie haben mir alles erklärt, wie man was in Deutschland macht. Ich habe dort zwar alleine gewohnt, aber mich nie alleine gefühlt.

Für Hertha waren Sie gleich im ersten Bundesligaspiel erfolgreich, wieder in München. Mit Düsseldorf hatten sie dort dreifach getroffen. Vier Tore gegen die Bayern, das schaffen sonst nur Spieler wie Cristiano Ronaldo.

(lächelt) Man kann mich nicht ansatzweise mit Ronaldo vergleichen, ich muss noch viel lernen.

Trainer Ante Covic meint, sie könnten den Unterschied machen für Hertha, aber müssten einfacher spielen. Wie sehen Sie das?

In Düsseldorf habe ich gelernt, einfach zu spielen. Aber man muss sich jedem Klub anpassen, jeder hat seine Philosophie. Ich war nicht von Beginn der Vorbereitung an hier, wir haben die ersten Spiele nicht gewonnen. Im Fußball geht es um Phasen, Momente. Unser Fokus ist es, jetzt zu gewinnen, dann wird vieles einfacher gehen.

Wie einfach geht es schon in Berlin? Haben Sie sich an die Stadt gewöhnt?

Ja, am Anfang habe ich im Hotel gewohnt. Aber ich mag keine Hotels, wir verbringen so viel Zeit dort. Mir war es wichtig, so schnell wie möglich eine Wohnung für meine Frau und mich zu finden. Ich mag die Stadt, sie sieht aus wie Düsseldorf, nur größer. Manchmal gehen wir beide raus und besichtigen Dinge, es gibt hier vieles, was man unternehmen kann.

Wie sieht es mit Ihrem Deutsch aus?

(wechselt von Englisch auf gutes Deutsch) Ja, ich kann das. Ich verstehe viel, aber für mich ist es nicht immer einfach zu sprechen, weil ich jeden Tag viele Sprachen spreche: Deutsch, Englisch, Französisch, Flämisch und die Sprache meiner Eltern. Manchmal komme ich durcheinander mit den Wörtern.