Bundesliga

Hertha-Trainer Covic braucht den Dardai-Effekt

Hertha BSC trifft im Duell der Fehlstarter auf Mainz 05. Trainer Covic hofft dabei auf seinen ersten Sieg – wie einst sein Vorgänger.

Ante Covic holte bislang erst einen Punkt aus seinen drei Spielen als Hertha-Trainer.

Ante Covic holte bislang erst einen Punkt aus seinen drei Spielen als Hertha-Trainer.

Foto: Daniel Kopatsch / Bongarts/Getty Images

Berlin. Einem Bundesliga-Trainer nach der Aufstellung für das kommende Spiel zu fragen, ist in etwa so erfolgversprechend wie der Versuch, am Gartenzaun das Gehalt seines Nachbarn herauszubekommen. Vielleicht gibt der eine Antwort, nur wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht die sein, die man gerne hören würde.

Ante Covic (44) versuchte diese obligatorische Klippe, die sich in seiner Funktion als Trainer von Hertha BSC im Wochenrhythmus vor ihm aufbaut, mit einem Witz zu umschiffen. „Ich muss erst noch Sandro Schwarz anrufen, dann mache ich sie öffentlich“, sagte er über seine mögliche Formation vor dem Auswärtsspiel am Sonnabend beim von Schwarz trainierten FSV Mainz 05 (15.30 Uhr, Sky).

Nur so richtig locker kam Covic dabei nicht rüber, der Sinn dürfte ihm derzeit auch nicht nach Scherzen stehen. Dafür ist die sportliche Situation zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon zu ernst. Nach drei Spielen sind die Berliner Vorletzter, nur Gegner Mainz steht noch schlechter da.

Hertha gab die wenigsten Torschüsse ab

„Klar, man schaut auf die Tabelle, aber man darf sich nicht davon blenden lassen“, sagt Covic. Wichtiger sei, dass man die Veränderungen im Vergleich zum Spiel gegen Schalke (0:3) sieht. Nicht unbedingt die personellen, da schweigt Covic wie bereits erwähnt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Marius Wolf (24), kurz vor Transferschluss von Borussia Dortmund ausgeliehen, genauso sein Startelfdebüt gibt wie Eduard Löwen (22), der vom 1. FC Nürnberg kam.

Herthas Trainer möchte eine andere Bereitschaft von seinen Spielern sehen und vor allem „mehr Entschlossenheit im letzten Drittel“. Die fehlt Hertha bisher auffällig.

Keine Mannschaft in der Bundesliga hat nach drei Spielen weniger auf das gegnerische Tor geschossen (23), auch was die zugesprochenen Ecken angeht, sind die Berliner Letzter (5). Nach vorn geht noch nicht viel, dabei war gerade die Offensive der Mannschaftsteil, der durch die Ernennung von Covic zum Cheftrainer profitieren sollte.

Preetz: „Erst Basics, dann Philosophie“

Mit einer attraktiveren Spielweise sollten zuerst Punkte und dann Zuschauer gewonnen werden. Über stilistische Kernfragen mag sich bei Hertha aber niemand gerade Gedanken machen. „Du musst zuerst die Basics auf den Platz bringen, bevor man über die Philosophie reden kann“, sagt Manager Michael Preetz. Ein Satz, der sich sehr nach Abstiegskampf, 30. Spieltag, anhört.

Dafür ist es noch deutlich zu früh, aber allein der Ruf nach Grundtugenden wie Entschlossenheit oder Bereitschaft verdeutlicht, wie viel mehr man sich bei Hertha von diesem Saisonstart erhofft hatte. Der Einstieg des Investors Lars Windhorst beflügelte die Fantasie rund um den Klub und ließ die Ambitionen größer werden.

Genau richtig schien auch das Auftaktprogramm zu passen. Mit Gegnern wie dem FC Bayern, Wolfsburg und Schalke fiel es nicht zu schwer und nicht zu leicht aus. Ideal für eine Mannschaft, die gewisse Ansprüche hegt und sich bald zur besseren Gesellschaft der Liga zählen möchte.

Letzter Sieg in Mainz im Februar 2015

Dass der Eintritt dort noch Zeit benötigt, zeigten die ersten Spiele unter Covic. Mit Herthas Mannschaft verhält es sich dieser Tage wie mit einer vollen Festplatte. Der Trainer möchte möglichst viel Neues abspeichern, aber die Kapazitäten sind begrenzt, auch weil noch viel von den Dateien übrig ist, die Vorgänger Pal Dardai über viele Jahre gefüllt hat.

„Auf die Jungs ist viel Input eingeprasselt zuletzt“, sagt Manager Preetz. Nicht nur er wartet sehnlichst darauf, dass das neue Betriebssystem in Mainz zu greifen beginnt.

Der letzte Berliner Sieg dort datiert aus dem Februar 2015, damals holte Pal Dardai beim 2:0 seinen ersten Sieg als Hertha-Trainer und blieb anschließend über vier Jahre im Amt. Gegen einen ähnlichen Verlauf der Geschichte hätte Ante Covic sicher nichts einzuwenden.