Bundesliga

Sekt oder Selters für Herthas Esswein

Hertha-Profi Alexander Esswein muss um seinem Platz im großen Kader von Trainer Ante Covic kämpfen – aus einem ganz einfachen Grund.

Herthas Alexander Esswein (r.) im Duell mit Alphonso Davies vom FC Bayern.

Herthas Alexander Esswein (r.) im Duell mit Alphonso Davies vom FC Bayern.

Foto: Christian Kaspar-Bartke / Bongarts/Getty Images

Berlin. Bei Hertha BSC ist es so wie bei vielen Fußballvereinen: Am besten kennen sich die Kiebitze aus. Die kundigen Beobachter standen auch am Donnerstag am Trainingsplatz. „Der Köpke soll ja verliehen werden“, sagte ein Fan zum Nebenmann. „Aber der Esswein wird verkauft, weil der zu alt ist.“

Während sich die beiden Männer so unterhielten, liefen und schwitzten die Spieler Pascal Köpke und Alexander Esswein munter im Mannschaftstraining. So schnell werden der 24 Jahre alte Stürmer und der 29 Jahre alte Rechtsaußen den Verein nicht verlassen.

Am vergangenen Montag hat sich das Transferfenster geschlossen, Hertha hat sich mit Marius Wolf von Borussia Dortmund verstärkt. Gegangen ist dagegen kein Spieler.

Überangebot auf Herthas rechter Seite

Köpke und Esswein galten als Kandidaten für eine Luftveränderung, ebenso Mathew Leckie, wie auch die Trainersöhne Palko Dardai und Maurice Covic, die ausgeliehen werden sollten. Da alle geblieben sind, umfasst Herthas Kader nun, je nach dem, wen man fest zu den Profis rechnet, zwischen 26 und 34 Spielern.

„Ich kann nicht allen gerecht werden“, sagt Trainer Ante Covic. „Ich kann nur 20 in den Kader nehmen, wir haben also relativ viele Spieler, die zu Hause bleiben. Mit den restlichen Spielern habe ich einzeln gesprochen.“ Und gesagt, dass für permanente Spielminuten eine Veränderung gut täte.

Vor allem auf der rechten Seite herrscht ein Überangebot nach der Verpflichtung von Wolf. Mit ihm, Lukas Klünter, Peter Pekarik, Dodi Lukebakio, Leckie, Esswein, Dardai und Covic junior bewerben sich acht Spieler für maximal zwei Außenpositionen.

Essweins Vertrag läuft bis 2020

Einem Spieler scheint das nichts auszumachen. „Konkurrenzkampf ist mir noch nie aufs Gemüt geschlagen“, sagt Alexander Esswein, nachdem er vom Platz kommt. „Das pusht einen eher, in jedem Training ans Limit zu gehen.“

Trainingsfleiß war selten ein Problem bei dem gebürtigen Wormser, der über die Stationen Kaiserslautern, Wolfsburg, Dresden, Nürnberg und Augsburg nach Berlin kam; übrigens ebenfalls als Last-Minute-Transfer Ende August 2016. In den 54 Pflichtspielen seitdem konnte der schnelle Mann, der manchmal zu schnell für die eigenen Beine ist, mit fünf Toren und sechs Vorlagen selten die Erwartungen erfüllen.

In der vergangenen Rückrunde war Esswein an den VfB Stuttgart verliehen, mit dem er aus der Bundesliga in der Relegation gegen den 1. FC Union abstieg, ohne einen Scorerpunkt beigetragen zu haben. Als er im Sommer in Berlin aufschlug, dachten viele, dass er mangels Perspektive bald wieder gehe, trotz Vertrages bis 2020.

Esswein will nicht davonlaufen

„Die Leute entscheiden ja nicht, wer spielt, das entscheidet der Trainer“, sagt Esswein, „es hat auch keiner damit gerechnet, dass ich im ersten Spiel eingewechselt werde und auch im zweiten Spiel.“ Zuletzt hat er nur im Kader gefehlt, weil er erneut Vater wird.

Esswein sagt deshalb: „Fußball ist schnelllebig. Ich weiß, was ich kann und wie meine Chancen stehen. Ich werde weiter Gas geben und sehen, was dabei herumkommt.“ Der Trainer habe ihm jedenfalls nicht einmal gesagt, dass er gehen solle. „Ich habe ihm auch gesagt, dass ich nicht davonlaufen oder schnell wechseln werde.“

Und so durfte sich Esswein am Donnerstag als Rechtsverteidiger verdingen und bot sich auch dort als Alternative an. Unter den kritischen Augen der Kiebitze.

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