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Hertha-Talent Redan schießt sich warm für die Profis

Das Ausnahmetalent trifft für die U23 der Berliner doppelt und bringt Ante Covic zum Schwärmen. Der Profi-Coach traut Redan viel zu.

Voll fokussiert: Sturm-Talent Daishawn Redan (18) träumt von seinem Debüt in der Bundesliga.

Voll fokussiert: Sturm-Talent Daishawn Redan (18) träumt von seinem Debüt in der Bundesliga.

Foto: Soeren Stache / picture alliance/dpa

Berlin. Müßiggang kennt Ante Covic nicht. Während die Profifußballer von Hertha BSC am vergangenen Sonntag frei hatten, weilte der Profitrainer im Amateurstadion, beim Spiel der zweiten Mannschaft. Herthas U23 gewann vor 535 Zuschauern in der Regionalliga Nordost 6:0 gegen Optik Rathenow. Der Besuch in Liga vier lohnte sich, denn Covic durfte zwei Treffer des Debütanten Daishawan Redan bestaunen.

Der 18-Jährige, im Sommer vom FC Chelsea verpflichtet, trainiert normalerweise mit den Bundesligaprofis. Nun durfte das holländische Talent erstmals Spielpraxis bei der Zweitvertretung sammeln – und wusste durchaus zu überzeugen.

„Er macht es gut, er ist gierig nach Toren“, schwärmt Covic tags darauf von Redan, der zur Regeneration beim Profitraining fehlte. „Ich liebe Spieler, die gierig nach mehr sind.“ Obwohl das Talent im DFB-Pokal gegen Eichstätt und zum Ligastart beim FC Bayern im Kader fehlte, deutete Redan an, warum er den Berlinern im Sommer gut 2,7 Millionen Euro Ablöse und einen Fünfjahresvertrag bis 2024 wert war.

Gerissen wie einst Maradona

Als der U19-Nationalspieler vor seinem zweiten Treffer per Notbremse gestoppt wurde, verwandelte der Debütant den fälligen Strafstoß ohne jedes Zögern selbst. Sogar an einer Kopie des legendären Diego Maradona versuchte sich Redan, doch als er eine Flanke mit der Hand an die Latte drückte, feierte der Schiedsrichter ihn nicht für die Gerissenheit, sondern zeigte Gelb.

„Es fühlt sich gut an, 90 Minuten auf dem Platz gestanden zu haben. Das ist gut für meine Fitness“, sagte er selbstbewusst. „Ich hoffe, dass bald viele Minuten und auch einige Tore in der ersten Mannschaft dazukommen werden!“

Dem Mann, der darüber entscheidet, imponiert Redan jedenfalls damit. „Er ist einer von den jungen Spielern, die kaum abwarten können, den nächsten Schritt zu machen“, lobt Coach Covic. Da gab es bei Hertha auch schon genügsamere Nachwuchskräfte. Aber dem flinken Stürmer konnte es in seiner jungen Karriere selten schnell genug gehen.

Kein falscher Respekt vor der Sturm-Konkurrenz

In Amsterdam geboren und bei Ajax ausgebildet, wagte Redan bereits mit 16 Jahren den Sprung nach London. Bei Chelsea durfte er einige Male mit Weltstars wie Eden Hazard und David Luiz trainieren, kam aber nur in den Nachwuchsteams zum Einsatz.

Das reichte ihm nicht, also entschied sich Daishawn Orpheo Marvin Redan für einen Wechsel zu Hertha BSC, obwohl auch Dortmund, Leverkusen und Hoffenheim interessiert gewesen sein sollen. Bei den Berlinern sah er die beste Perspektive, es bald in die Bundesliga zu schaffen. Ähnlich wie Jugendkumpel Javairo Dilrosun, der sich vorige Saison schnell in die erste Mannschaft wirbelte.

Es gibt Beobachter, die sagen, Redan sei der talentierteste 18-Jährige, der bei Hertha je aufgeschlagen sei. Anstatt sich hinten anzustellen, lieferte er sich im Trainingslager in Stegersbach hitzige Duelle mit Sturmkonkurrent Davie Selke. In anderen Trainingseinheiten fiel der 1,76 Meter kleine Stürmer jedoch kaum auf.

Coach Covic sucht den richtigen Zeitpunkt

Angesichts von Kontrahenten wie Dodi Lukebakio (21), Vedad Ibisevic (35) und Selke (24) muss sich der junge Mittelstürmer, der auch über die Außenbahnen kommen kann, noch gedulden. Trainer Covic will ihn behutsam aufbauen.

„Wichtig wird es sein, dass wir ihn zum richtigen Zeitpunkt bringen“, sagt der ehemalige Profi, der einst mit 19 sein Bundesligadebüt feierte: „Es bringt ja auch einige Gefahren mit sich, wenn du ihn zu früh zeigst und er nicht bei 100 Prozent ist.“

Dennoch ist Covic angetan: „Er steigert sich von Woche zu Woche und bietet immer mehr an.“ Und obwohl Hertha nach Morgenpost-Informationen weiter an der Verpflichtung einer hochkarätigen Offensivkraft arbeitet, könnte es sein, dass man Redan bald nicht mehr nur bei der zweiten Mannschaft bewundern kann.