Bundesliga

Hertha-Star Grujic: „Ante Covic war für mich der Türöffner“

Der Serbe erklärt, wie ihn Trainer Ante Covic von einem Verbleib bei Hertha überzeugte – und hofft auf eine echte Überraschung.

Verstehen sich nicht nur wegen ihrer Muttersprache blendend: Herthas Mittelfeldspieler Marko Grujic und Trainer Ante Covic (v.l.).

Verstehen sich nicht nur wegen ihrer Muttersprache blendend: Herthas Mittelfeldspieler Marko Grujic und Trainer Ante Covic (v.l.).

Foto: Soeren Stache / dpa

Neuruppin.. Die Verbindung ist unübersehbar. Es braucht nur eine kurze Trainingsunterbrechung, schon nehmen Ante Covic und Marko Grujic Kontakt auf, und wenn es nur im Vorbeigehen ist. Irgendetwas gibt Herthas neuer Coach seinem Mittelfeldspieler immer mit auf den Weg, sei es ein kleines Lob oder ein Hinweis darauf, was der Serbe noch besser machen könnte. Gesprochen wird dabei in ihrer Muttersprache. Für Grujic ein klarer Vorteil.

„Ich kann jetzt klar verstehen, was der Trainer von mir möchte“, erzählt der 23-Jährige im Trainingslager in Neuruppin: „Pal Dardai hat auf Deutsch kommuniziert, bei ihm war das nicht immer zu 100 Prozent der Fall.“ Zur Not musste Kapitän Vedad Ibisevic als Dolmetscher helfen, doch das ist nun passé. Grujic und Covic verstehen sich bestens, und die Sprache ist nicht der einzige Grund dafür. Doch dazu später mehr.

Klopp gab ihm freie Hand

Grujic hat turbulente Wochen hinter sich, schließlich ging es in der Sommerpause um nicht weniger als seine Zukunft. Ein weiteres Leih-Jahr in Berlin? Oder doch lieber eine neue Station in Frankfurt oder Bremen? „Das Thema war den gesamten Urlaub in meinem Kopf“, gibt Grujic zu, dabei lag sein Schicksal nur bedingt in seiner Hand.

Das erste Wort hatte Jürgen Klopp, Coach von Grujics Stammverein FC Liverpool. Der Deutsche hält große Stücke auf den Nationalspieler und die Bundesliga für das perfekte Sprungbrett, damit er eines Tages für die „Reds“ gerüstet ist. Den Rest überließ er Grujic. „Du bist ein cleverer Kerl und wirst schon die richtige Entscheidung treffen“, habe er ihm mit auf den Weg gegeben.

Die Zeit sprach für Hertha - und gegen Frankfurt

Warum er sich nicht für Frankfurt und die damit verbundene Europa-League-Perspektive entschieden hat? „Ich habe noch genug Zeit, um international zu spielen“, sagt Grujic, „es gibt keinen Grund, etwas zu überstürzen.“ Davon abgesehen hatte er nach den Verletzungen der Vorsaison Respekt vor der hohen Belastung – „vielleicht wäre das ein bisschen viel für mich gewesen“.

Mit Werder-Coach Florian Kohfeldt telefonierte er zwar, schlug dessen Einladung nach Bremen aber aus. Der Rest war Verhandlungssache zwischen Hertha und Liverpool. „Ich hatte drei gute Optionen, aber ich habe die beste gewählt“, sagt Grujic. Ein Gefühl, das stark mit Covic verbunden ist.

Covic köderte ihn schon im Sommer 2018

Schon im August 2018 war der Kroate ein wichtiger Faktor dafür, dass Grujic bei Hertha landete. Damals rief er den Profi im Auftrag von Michael Preetz und Pal Dardai in Liverpool an, erklärte ihm auf Serbokroatisch, wie gut Spieler und Klub zusammen passen würden. Hertha als Entwicklungsstandort für Grujic, Grujic als Verstärkung für Hertha. „Ante Covic war für mich der Türöffner“, sagt der Rechtsfuß.

In diesem Sommer erwies sich Covic erneut als Grujic-Magnet. „Er hat mir erklärt, dass ihm ein offensiverer Stil mit viel Ballbesitz vorschwebt“, erklärt der 1,91-Meter-Mann: „Der Trainer will, dass wir so viel wie möglich durch die Mitte spielen, damit wir Optionen auf beiden Seiten des Spielfeldes haben. Für mich als Mittelfeldspieler ist das perfekt.“

Der Serbe soll Herthas Taktgeber sein

Das Zentrum soll beim Hauptstadt der neue Hot-Spot werden, quasi Herthas Berlin-Mitte. Geht es nach Covic, spielt Grujic dabei den Trendsetter und Taktgeber. Wie das aussehen könnte, ist im Training in Neuruppin bereits zu erahnen. Dort erprobt der Coach den neuen Mitte-Trend, mit Grujic in zentraler Rolle.

Der Serbe zeigt dabei das, was ihn schon in der Vorsaison ausgezeichnet hat. Große Ruhe am Ball, eine starke Technik, viel Übersicht und eine imposante Zweikampfstärke. Am Freitagvormittag fischte er ein schlechtes Zuspiel mit der Brust aus der Luft, änderte schon bei der Landung die Richtung, behauptete sich gegen seinen aggressiven Gegenspieler Ibisevic und leitete mit einem präzisen Pass den nächsten Angriff ein. Ein typischer Grujic-Moment. Das Lob von Covic ließ nicht lange auf sich warten.

Grujic: „Können eine große Überraschung werden“

Raum für Verbesserung gibt es natürlich trotzdem, selbst für einen Hochveranlagten wie Grujic. Vor allem defensiv will er sich steigern, die griffigeren Kennzahlen liefert jedoch sein Angriffsdrang. Sieben, acht Tore und fünf Assists peilt Grujic an – einerseits, um mit Hertha erfolgreich zu sein, zum anderen, um sich für Champions-League-Sieger Liverpool zu empfehlen. Klopp verortet seinen Perspektivspieler erst bei gut 50 Prozent seines Potenzials.

Auch wenn er seine persönliche England-Mission verfolgt: Als Ich-AG darf man Grujic nicht verstehen. Teamerfolg steht über Einzelerfolg, daran lässt er keinen Zweifel ankommen, er ist ein Mannschaftsspieler. Dem Jahrgang von 2019/20 traut er einiges zu. „Wenn wir die einzelnen Puzzlestücke zusammenbekommen“, sagt er, „können wir eine große Überraschung werden.“ Auch dabei wird es auf die Verbindung ankommen. So wie bei Grujic und Covic.