Investoren-Deal

Hertha reichen selbst 125 Millionen nicht für große Sprünge

Wie stark profitiert Hertha wirklich von der Millionen-Finanzspritze des Investors Lars Windhorst? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Herthas Manager Michael Preetz bekommt durch die Millionen des Investors Lars Windhorst neue Möglichkeiten (Archiv)

Herthas Manager Michael Preetz bekommt durch die Millionen des Investors Lars Windhorst neue Möglichkeiten (Archiv)

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Neues Geld, neue Hoffnung: Nachdem Hertha BSC am Donnerstag den spektakulären 125-Millionen-Euro-Deal mit Finanzinvestor Lars Windhorst (42) verkündet hat, steuert der Fußball-Bundesligist unter komplett neuen Vorzeichen auf die kommende Saison zu. Doch wie stark profitieren die Berliner wirklich von der Finanzspritze? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Kann Hertha jetzt Topspieler kaufen?

In den sozialen Medien scherzen die Hertha-Fans schon über die Verpflichtung von Antoine Griezmann. Ein Deal, der natürlich völlig utopisch ist, der Franzose wird mit einem Marktwert von rund 120 Millionen Euro veranschlagt. Abgesehen davon stehen Hertha-Manager Michael Preetz nicht die gesamten 125 Millionen Euro zur Verfügung, da der Klub mit dem frischen Geld auch Verbindlichkeiten tilgen wird. Zudem ist es für mehrere Jahre eingeplant. Legt man 80 bis 100 Millionen Euro auf zwei oder drei Jahre um (also vier bis sechs Transferperioden), sind keine gigantischen Sprünge möglich.

Dennoch: Preetz hat auf dem Transfermarkt nun mehr Spielraum, auch weil er Transfereinnahmen direkt in Spieler reinvestieren kann. Mit den rund 20 Millionen Euro, die Hertha für den Verkauf von Valentino Lazaro an Inter Mailand einstreichen wird, lässt sich arbeiten. Die Philosophie des Aus- und Weiterbildungsvereins wird deshalb sicher nicht über den Haufen geworfen, doch für Preetz werden nun auch Spieler in den Fokus rücken, die sich nicht erst entwickeln müssen, sondern Hertha sofort weiterhelfen. Einen guten Riecher wird der Manager trotzdem brauchen.

Reicht es für die Spitzengruppe?

Vor dem Investoren-Einstieg hatte Hertha für die Saison 2019/20 mit Personalkosten von 64 Millionen Euro kalkuliert – Bundesliga-Mittelfeld. Dass die Lücke zu vermeintlichen Bayern-Jägern wie RB Leipzig oder Bayer Leverkusen nun kleiner wird, ist nicht zu erwarten. Beide Klubs haben nicht nur finanzielle Konzern-Power im Rücken, sondern dürfen sich auch aus den lukrativen Champions-League-Töpfen bedienen. Borussia Dortmund ist mit einem Spieleretat jenseits der 130-Millionen-Euro-Marke ohnehin weit enteilt, vom FC Bayern (über 250 Mio.) ganz zu schweigen.

Wie lauten die neuen Ziele?

In der Vorsaison hatte sich Hertha einen „einstelligen Tabellenplatz“ auf die blau-weiße Fahne geschrieben. Mit den neuen Bordmitteln werden die Ambitionen sicher nicht kleiner, aber das Ziel „Champions-League-Platz“ wird niemandem über die Lippen kommen. Preetz gibt sich gewohnt realistisch, man wolle „in Reichweite der internationalen Plätze kommen“. Seriös lassen sich Saisonziele ohnehin erst formulieren, wenn der finale Kader steht. Klar ist aber auch: Von den Sphären anderer europäischer Hauptstadtklubs bleibt Hertha auch mit Investor weit entfernt.

Wird der Klub nun attraktiver?

Zumindest vorübergehend. Der Windhorst-Deal hat bundesweit Schlagzeilen gemacht und viel Neugier geschürt. Zuletzt war das nur dem Stadtrivalen 1. FC Union gelungen. Während die Köpenicker mit ihrem Bundesliga-Aufstieg viele Fan-Herzen gewannen, blieb Hertha als Tabellenelfter oft blass. Durch den neuen Geldgeber zeigt sich: Auch in Westend tut sich etwas, der Traditionsklub ist dabei, eine neue, spannende Geschichte zu schreiben.

Hilft das Geld in der Stadiondebatte?

Nicht direkt, denn die vom Klub erhoffte Fußball-Arena (Kostenpunkt rund 250 Millionen Euro) soll gesondert finanziert werden. Bislang scheitert das Projekt jedoch an den stockenden Verhandlungen mit dem Berliner Senat um einen Bauplatz. Ob die Vision von einem strahlkräftigen „Big City Club“ (Investor Windhorst) in der Politik zu einem Umdenken führt? Das bleibt abzuwarten, und selbiges gilt für die sportlichen Effekte. Mehr Geld mag die Chancen auf Erfolg zwar erhöhen, nur garantiert ist er deshalb noch lange nicht.