Herthas USA-Reise

Hertha nimmt ein gutes Gefühl aus den USA mit

Hertha-Manager Preetz zieht nach zehn Tagen in den USA ein positives Fazit: „Wir haben uns gut präsentiert“. Der Markt ist hart umkämpft.

An der Carr Intermediate School sorgten Herthas Profis (r.) für strahlende Kinderaugen.

An der Carr Intermediate School sorgten Herthas Profis (r.) für strahlende Kinderaugen.

Foto: Hertha BSC

Los Angeles.  Am Ende sah es fast ein wenig nach Urlaub aus. Zum Abschlussevent ihrer USA-Reise versammelte sich die 60-köpfige Hertha-Delegation am späten Donnerstag (Ortszeit) auf der Terrasse ihres schicken Teamhotels in L.A., mit direktem Blick auf den Strand von Santa Monica.

Während im Hintergrund das Buffet präpariert wurde, verteilte der Bar-Keeper bereits die ersten Drinks an die Gäste, unter ihnen Melanie Fitzgerald vom New Yorker Büro der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Vertreter des TV-Senders Fox Sports. Neben der Pazifik-Brise lag auch ein Mix aus Erleichterung und Stolz in der Luft. Zehn Tage Amerika – geschafft!

Anderthalb Wochen waren Spieler und Verantwortliche des Fußball-Bundesligisten in den USA unterwegs, gingen auf Tuchfühlung mit potenziellen Fans, knüpften Kontakte, sammelten frische Eindrücke und versuchten sich für neue Geldgeber interessant zu machen. „Es war schon ziemlich vollgepackt“, sagte der scheidende Mittelfeld-Routinier Fabian Lustenberger, „aber ich glaube alles, was wir gemacht haben, hatte Sinn und Verstand.“

Preetz: „Wir haben uns gut präsentiert“

Der offizielle Arbeitsnachweis: zwei Freundschaftsspiele, zwei Trainingseinheiten mit Schülern und diverse offizielle Termine in Minneapolis, Madison (Wisconsin) und Los Angeles, dazu eine Handvoll Hintergrundgespräche. „Das Fazit fällt absolut positiv aus“, sagte Manager Michael Preetz: „Für uns ging es darum, Erfahrung auf einem anderen Kontinent zu sammeln. Die Jungs hatten Spaß, wir sind unserer Rolle als Bundesligist gerecht geworden und haben uns gut präsentiert.“

Sportlich hielten sich die Berliner schadlos, auf ein 1:0 beim MLS-Klub Minnesota United folgte ein müheloses 4:0 beim Drittligisten Forward Madison. Beide Spiele waren nahezu ausverkauft (knapp 20.000 bzw. 5000 Zuschauer).

Kooperationen erweisen sich als schwierig

In den amerikanischen Medien konnte Hertha indes nur bedingt punkten. Im Mittleren Westen blieben die Berliner eine Fußnote, dem gegenüber standen ein Spielbericht auf dem Portal „Pro Soccer USA“, ein Artikel in der Los Angeles Times und ein Facebook-Event mit Ondrej Duda und Javairo Dilrosun beim spanischsprachigen Kanal des TV-Senders Fox Sports. Ob in dieser Hinsicht mehr möglich gewesen wäre? Vielleicht mit etwas Hilfe der lokalen Prominenz …

In Minneapolis hatte Hertha Pech, dass der Berliner Baseballer Max Kepler mit seinen Minnesota Twins auf einer Auswärtsreise weilte. In L.A. hätte sich ein gemeinsamer Auftritt mit dem früheren US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann angeboten, aus organisatorischen Gründen blieb es jedoch bei informellen Treffen, etwa am Abschiedsabend.

Auch ein Kontakt mit Alba Berlins Basketball-Export Moritz Wagner von den Los Angeles Lakers kam nicht zustande, genauso wenig wie ein Engagement des früheren Hertha-Kapitäns Arne Friedrich, einst Profi bei Chicago Fire. Stattdessen gab es Zusammenkünfte mit Schauspieler und Sänger David Hasselhoff oder Social-Media-Star Aaron Carpenter.

Umkämpfter Markt

Schlechtreden muss man Herthas US-Tour deshalb nicht. Für die Berliner war es schließlich die erste Reise dieser Art, deren Organisation allein schon durch den 60-Personen-Tross eine Herausforderung darstellte. Zudem darf man nicht vergessen, dass etliche US-Klubs bereits mit europäischen Vereinen verbandelt sind, hochkarätige Gegner standen daher nicht gerade Schlange. Wie umkämpft der Markt ist, zeigen die Aktivitäten der Hertha-Gegner in Minnesota und Madison. Beide Klubs verhandelten in jüngerer Vergangenheit mit englischen Zweitligisten.

Nein, in Sachen Internationalisierung zählt Hertha keineswegs zu den Vorreitern, genauso wenig wie die DFL, die die Entwicklung lange verschlief. Trotzdem darf man die Berliner Auslandsreisen-Premiere als gelungen bezeichnen.

Sie mag zwar nicht so publikumswirksam gewesen sein wie der China-Trip von Borussia Mönchengladbach, das sich mit Serienmeister Guangzhou Evergrande duellierte, fiel aber auch nicht ins Wasser wie die Asientour von Schalke 04.

Weitere Promo-Reisen in Sicht

In Sachen Auslandsvermarktung ist nun immerhin ein Anfang gemacht, und weh tat das Amerika-Abenteuer ohnehin niemandem. Für die Spieler waren die Auftritte in Übersee spannender als Freundschaftsspiele in der heimischen Provinz, zudem warfen sie einen kleinen finanziellen Gewinn ab. Abgesehen davon können die Berliner nun in der Vorbereitung konzentriert arbeiten. Dann werden andere DFL-Klubs auf Reisen gehen.

Was Hertha aus den USA mitnimmt? Neben ein paar Erfahrungswerten sicher ein gutes Gefühl - vor allem durch die positive Resonanz aus dem direkten Kontakt mit den Menschen, sei es bei den Schul-Besuchen oder beim Freundschaftsspiel in Madison. „Das hatte Volksfest-Charakter“, sagte Preetz, „es hat Spaß gemacht, das zu erleben. Wir denken sicher darüber nach, so etwas in ähnlicher Form zu wiederholen.“