USA-Reise

Hertha feiert Punktsieg gegen Liverpool, Barca und Co.

Die Berliner treffen beim Werben um neue Fans auf große Gegner, schlagen sich in den USA aber wacker – auch dank einer geschickten Wahl

Per Skjelbred (.) und Jordan Torunarigha (r.) mit Schülern der Carr Intermediate School.

Per Skjelbred (.) und Jordan Torunarigha (r.) mit Schülern der Carr Intermediate School.

Foto: Hertha BSC

Los Angeles.  Per Skjelbred gab die Kommandos, Fabian Lustenberger den Kontrolleur. Bei der Trainingssession in der Carr Intermediate School in Santa Ana ergänzten sich die beiden Hertha-Routiniers ähnlich gut wie zu besten Zeiten auf dem Platz. Klare Ansagen, klare Abläufe – so arbeiten Profis.

Vor ihnen dribbelten am Dienstagmittag (Ortszeit) kleine Gruppen von Schulkindern auf und ab, mit immer neuen Aufgabenstellungen, aufmerksam und konzentriert. Ein paar Meter weiter veranstalteten Salomon Kalou und Ondrej Duda ein Techniktraining, ihnen gegenüber leiteten Niklas Stark und Pascal Köpke kleine Spielformen.

Dass die Tipps und Tricks der Bundesliga-Profis ankamen, war nicht zu übersehen. „Ich habe gelernt, dass ich den Ball schneller weiterspielen muss“, sagte Isidro (14) nach der Einheit, „mit nur einem Kontakt – one touch.“

Mauer-Thema bringt Sympathiepunkte

Ein Kontakt mehr oder wenig, das kann im Fußball mitunter entscheidend sein, genauso wie im Marketing des Sports. Die Berliner sind deshalb in die USA gereist, wollen dort Netzwerke knüpfen und neue Fans gewinnen.

Beim Besuch in der Carr Intermediate School im Süden von Los Angeles scheint das geklappt zu haben. „Ich werde mir jetzt öfter mal ein Spiel von Hertha anschauen“, sagte One-touch-Lehrling Isidro. Die Bundesliga ist ihm zwar schon länger ein Begriff, interessiert hat er sich bislang aber nur für die Granden der Premier League, für Liverpool oder Manchester United.

Verdrängen wird Hertha diese Klubs kaum, aber zumindest haben die Berliner jetzt einen Fuß in der Tür. Das wiederum dürfte auch an der geschickten Wahl der Schule liegen. Die Carr Intermediate School wird fast ausschließlich von Kindern mit mexikanischem Migrationshintergrund besucht, die in der Regel großes Interesse für Fußball mitbringen. Zudem traf Hertha mit dem Motto „Berlin tears down walls“ (Berlin reißt Mauern ein) ein Dauerthema der „Mexicanos“ – den von US-Präsident Donald Trump geplanten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko.

Schüler sind vom Hertha-Besuch begeistert

„Wir sind keine Freunde von Mauern“, sagte Herthas Geschäftsleitungs-Mitglied Paul Keuter in einer kurzen Rede. Ein Statement, das spontanen Applaus erntete, dabei schien Hertha gar keine Pluspunkte mehr sammeln zu müssen. Die Schülerinnen und Schüler waren bereits mit eigens angefertigten „Tear down walls“-T-Shirts angetreten und hatten liebevolle Plakate gemalt. „Welcome Hertha Berlin FC“, war auf einem Transparent zu lesen, „danke, dass ihr zu uns gekommen seid.“

Keuter zeigte sich ähnlich herzlich. „Ihr könnt alles sein“, gab er den Nachwuchskickern mit auf den Weg, „auch Profi-Fußballer – vielleicht sogar in Berlin.“ Damit es so kommt, wird es zwar ein großes Maß an Fleiß, Talent und Glück brauchen, aber zumindest waren am Dienstag Fortschritte zu erkennen. „Ich habe gemerkt, dass ich den Ball noch viel enger am Fuß führen muss“, sagte Barcelona-Fan Ethan (12). Für ihn hatte sich der Kontakt mit Hertha prompt bezahlt gemacht.

Sieg gegen die Bayern hallt bis in die USA

Ob sich das im umgekehrten Sinn auch für Hertha sagen lässt? Das muss sich zeigen. Der direkte Kontakt scheint jedenfalls der vielversprechendste Weg zu sein, um Interesse zu wecken, denn im TV hat der deutsche Fußball momentan das Nachsehen. „Wir können die Bundesliga zwar empfangen, aber meistens schauen wir Champions League, Premier League oder La Liga, erzählten Ethan und seine Freunde.

Komplett chancenlos sind die Berliner trotzdem nicht. „Ich kannte Hertha schon, weil sie in diesem Jahr gegen Bayern München gewonnen haben“, sagte Pablo (11) nicht ohne Stolz. Für einen ersten Kontakt war auch das nicht schlecht. Nur war der zweite in diesem Fall weit besser.