Bundesliga

Warum Herthas Handspiel nicht geahndet wurde

Videochef Jochen Drees: "Im Videokeller in Köln sitzen Menschen und keine Maschinen."

Jochen Drees, Projektleiter für den Videobeweis, muss an diesem Wochenende viel erklären.

Jochen Drees, Projektleiter für den Videobeweis, muss an diesem Wochenende viel erklären.

Foto: Foto: Dedert / dpa

Berlin. In München profitierte Hannover 96 von einer fragwürdigen Handelfmeter-Entscheidung, als Jerome Boateng im Bayern-Strafraum angeschossen wurde. In Bremen profitierte Borussia Dortmund von der Schiedsrichter-Entscheidung, trotz eines Armkontaktes von Mario Götze mit dem Ball keinen Elfmeter zu geben – nur bei der einzigen Aktion des Bundesliga-Wochenendes, die unstrittig war, griff der Schiedsrichter nicht ein: beim Handspiel von Karim ­Rekik im Hertha-Strafraum.

Beim Stand von 0:0 beförderte Herthas Innenverteidiger den Ball nach einer Stuttgarter Ecke im Stile eines Torwartes mit der Hand aus dem Strafraum (37. Minute). Eher als Folklore ist die Aussage von Rekik zu werten: „Im Spiel habe ich nicht mitbekommen, dass ich den Ball an die Hand bekommen habe. Wenn das so war, haben wir natürlich Glück gehabt.“

Niemand im Stadion, nicht Schiedsrichter Daniel Schlager, nicht der Assistent an der Linie und keiner der Spieler im Hertha-Strafraum hat die Rekik-Aktion in realer Geschwindigkeit als Handspiel registriert. Deshalb gab es bei Videoschiedsrichter Günter Perl in Köln zunächst kein Problembewusstsein.

„Ohne Zweifel ein strafbares Handspiel“

Auf der Tribüne in Berlin war selbst dem geschulten Auge von Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich das Handspiel entgangen. Er wurde in der Pause von der Morgenpost über den Vorgang informiert. Seinen erster Verdacht, es handele sich wohl um menschliches Versagen, präzisierte im ZDF-„Sportstudio“ Jochen Drees, der Projektleiter für den Videobeweis: „Ohne Zweifel war das ein strafbares Handspiel.“ Es handele sich um einen menschlichen Fehler beim Videoschiedsrichter in Köln. Drees sagte: „Da sitzen Menschen und keine Maschinen.“

Das ist zwar korrekt zugeordnet, erklärt aber noch nicht, warum die entscheidende Kameraperspektive von Perl nicht sofort gesehen wurde – so, wie die Aktion wenig später bei den Fernsehsendern eingespielt wurde.

Jedes Spiel wird von 21 Kameras aufgenommen

Dazu muss man wissen, dass bei jedem Bundesliga-Spiel 21 Kameras im Einsatz sind. Der Videoschiedsrichter sieht auf einen Blick nur einen großen Bildschirm und einen zweiten, auf dem vier weitere Perspektiven abgebildet werden. Es gibt einen zusätzlichen Assistenten, der die Kameras sechs bis 21 im Blick hat.

Weil Perl zunächst jedoch keinen Anlass hatte, misstrauisch zu werden, dauerte es rund 50, 60 Sekunden, bis auf einer der Perspektiven, die der Videoschiedsrichter nicht im Sichtfeld hatte, das Handspiel klar zu erkennen war. Das Problem für Schiedsrichter Schlager war nun, dass er das Hertha-Spiel für einen Freistoß unterbrochen hatte. Und nach einer kurzen Pause wieder angepfiffen hatte – damit war das Zeitfenster, in dem er einen Elfmeter hätte geben können, ungenutzt verstrichen.