BUNDESLIGA

Hertha zwischen Kopf und Herz

Hertha-Manager Michael Preetz wünscht sich neue Impulse, aber Trainer Pal Dardai ist der Liebling der Anhänger.

Hertha-Trainer Pal Dardai (l.) und sein Vorgesetzter, Manager Michael Preetz.

Hertha-Trainer Pal Dardai (l.) und sein Vorgesetzter, Manager Michael Preetz.

Foto: Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Das Thema polarisiert. In den sozialen Medien wird mit Verve über Pal Dardai diskutiert, den Trainer von Hertha BSC. Es gibt reichlich positive Aussagen. „Ich kann mir keinen besseren Trainer vorstellen“, beim Kurznachrichtendienst Twitter wurde ein „Pro-Dardai-Team“ gegründet. Es gibt den Vorschlag „take a knee für Dardai“ (aus Solidarität mit dem Trainer niederknien, wie die Profis von Hertha im vergangenen Herbst, um US-Sportler zu unterstützen, die gegen Rassismus kämpfen). Auf der andere Seite reicht es vielen Anhängern. Die Vorwürfe reichen von „wir können keinen Offensivfußball“, über fehlenden Mut, fehlende Entwicklung bis hin zu fehlender Attraktivität, geschrieben wird unter dem Label „Dardai raus“

Nun ist eine Trainer-Diskussion immer eine ernsthafte Sache. Aber bei Hertha BSC liegen die Dinge noch mal anders. Weil mit Pal Dardai (43) der Rekord-Bundesligaspieler des Klubs seit vier Jahren dafür sorgt, dass der Hauptstadt-Klub ohne Abstiegssorgen durch die Saisons gehen kann. Sein Vorgesetzter ist Michael Preetz (51), der Rekordtorschütze von Hertha BSC. Beide waren Mannschaftskollegen in turbulenten Jahren von 1997 bis 2003, als der Torjäger seine aktive Karriere beendete.

Dardai: Ich spüre das Vertrauen

Der Liebling der Fans ist Pal Dardai. Und der geht demonstrativ entspannt mit seiner Situation um. Er sei Bundesliga-Trainer, weil es ihm Spaß macht. Es geht nicht um seine Existenz, sagte der Ungar bei „Eurosport“, er habe als Fußball-Profi genug verdient. Am Tag nach dem 0:2 in Hoffenheim, der fünften Niederlage in Folge, sagte Dardai: „Ich mache meinen Job mit Spaß, solange ich das Vertrauen habe von den Spielern, vom Manager, vom Präsidenten ist alles gut.“ Ist das Vertrauen nicht mehr da, dann müsse man sich zusammensetzen und reden. Aber, so Dardai: „Ich spüre das Vertrauen.“

Doch Manager Preetz hat sowohl öffentlich als auch intern den Druck auf Mannschaft und Trainer erhöht. Schon vor Weihnachten hatte er eine mangelnde Einstellung bei bestimmten Spielen beklagt, den Jahresausklang, ein 1:3 in ­Leverkusen, bezeichnete Preetz als ­„Katastrophe“. Der Trainer hingegen betonte am Montag erneut, dass mit Blick auf Herthas viele Verletzten, die 24 Punkte in der Hinrunde „eine Riesenzahl“ gewesen sei.

Präsidiumssitzung: Die Trainer-Frage „ist offen“

Dardai mahnt immer wieder die Faktoren Geduld und Zeit an. Die braucht es, wenn man junge Spieler wie Arne Maier, Maximilian Mittelstädt, Marko Grujic oder Niklas Stark entwickelt. Talente machen Fehler und müssen lernen, diese Lernkurve bei Talenten könne man nicht abkürzen. Da müsse man helfen.

Preetz hingegen forderte ein, dass Dardai und das Team gern mal den Beweis antreten dürften, dass man eine bessere Rückrunde im Vergleich zur Hinserie spielen könne. Eingetreten ist das Gegenteil. Seit 2011 lässt Hertha auf eine gute oder ordentliche Hinrunde eine deutlich schwächere Halbserie folgen – unter Dardai passiert das gerade zum vierten Mal (siehe Grafik).

Deshalb kommt den Verantwortlichen der Glaube abhanden, dass Dardai der richtige Trainer ist, um dem Hertha-Jahrgang 2020 einen neuen Schub zu verpassen. Die Kritik lautet: Der Trainer sei zu schicksalsergeben und schöpfe das Potenzial des Kaders nicht aus. Die Folge: Preetz sagte in der Präsidiumssitzung von Hertha, die Trainer-Frage für die Saison 2019/20 „ist offen“.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil der Manager im Januar noch öffentlich mitgeteilt hatte, dass Dardai die Profis auch im kommenden Spieljahr trainieren werde.

Passiert nichts Unvorhergesehenes, bringt Dardai die Saison zu Ende, in der bis zum 18. Mai noch fünf Spiele anstehen. Entschieden, so hat Preetz es dem Präsidium gesagt, sei die Trainer-Frage nicht. Aber die Zeichen für einen Wechsel im Sommer sind nicht zu übersehen.

Herthas Führung und das Problem mit den Emotionen

Die Besonderheit, und das sollten die Verantwortlichen ernst nehmen: Der Bauchmensch Dardai genießt – anders als Kopfmensch Preetz – viele Sympathien unter den Hertha-Fans und Mitgliedern. Ein neuer Trainer mit neuem Konzept und frischem Schwung … das sollte unbedingt gut gehen. Bleibt der Erfolg aus, würde im Fokus nicht der Dardai-Nachfolger stehen, sondern Preetz.

Der ist im Sommer zehn Jahre im Amt. Preetz hat zweimal, nach den Abstiegen 2010 und 2012, kritische Situationen dank der Unterstützung von Präsident Werner Gegenbauer überstanden. Seine Transferpolitik genießt ligaweit Respekt. Obwohl Hertha mit vergleichsweise kleinem Geldbeutel unterwegs ist, übergibt er seinen Trainern jeweils ordentliche Kader. Im Fall einer Dardai-Nachfolge geht es jedoch um Emotionen. Und bei der Einschätzung von Emotionen hat die Hertha-Vereinsführung in den vergangenen zwei Jahren erstaunlich oft daneben gelegen.

Und Dardai? „Wir bleiben positiv“, sagte der Trainer am Rande des Auslaufens auf dem Schenckendorff-Platz. Er habe gut geschlafen. Und schaut bereits auf das Heimspiel im Olympiastadion am Ostersonntag (18 Uhr): „Es ist meine Aufgabe die Jungs zu schützen. Wir wollen am Sonntag eine gute Mannschaft an den Start bringen, damit wir gegen Hannover gewinnen.“