0:2 gegen Hoffenheim

Hertha BSC kassiert die fünfte Niederlage in Folge

Hertha BSC entgeht beim 0:2 gegen die TSG Hoffenheim einem Debakel, erlebt aber die längste Pleiten-Serie unter Trainer Pal Dardai

Hertha-Keeper Rune Jarstein zeigte in Sinsheim etliche starke Paraden. Beim Distanzschuss von Nadiem Amiri zum 0:1 blieb der Norweger machtlos.

Hertha-Keeper Rune Jarstein zeigte in Sinsheim etliche starke Paraden. Beim Distanzschuss von Nadiem Amiri zum 0:1 blieb der Norweger machtlos.

Foto: Thomas Frey / imago

Sinsheim.  Der Gang zu den Fans war kein angenehmer für die Spieler von Hertha BSC. Nach dem 0:2 bei der TSG Hoffenheim waren die mitgereisten Berliner aufgebracht angesichts der fünften Niederlage in Folge. Eine derart lange Pleiten-Serie haben sie in den vier Jahren unter Cheftrainer Pal Dardai noch nicht erlebt. Es gab einige Schimpftiraden, der Frust musste raus.

Herthas Fußballer zeigten Verständnis. „Es ist natürlich hart für die Fans, die einen so weiten Weg auf sich nehmen und uns nicht siegen sehen. Wir hoffen weiterhin auf gute Unterstützung und wollen das schnellstmöglich zurückgeben“, sagte Lukas Klünter.

Den Vorwurf, die Mannschaft hätte am Sonntag nicht alles gegeben, um die erneute Pleite zu verhindern, wollte er aber nicht gelten lassen. „Das würde ich nicht sagen“, meinte Klünter. Den Ärger des Anhangs konnte Davie Selke trotzdem nachvollziehen. „Wir erleben gerade eine schwierige Phase, sie auch“, sagte der Angreifer, „wir können ihren Frust verstehen.“

Rechtsverteidiger Klünter muss kranken Stark vertreten

Selke und Klünter standen im selben Team, sie trugen dasselbe Trikot, erlebten aber einen unterschiedlichen Nachmittag. Selke rieb sich im Angriff auf, musste weite Wege zurücklegen, blieb aber vollkommen wirkungslos. Klünter war neben Torhüter Rune Jarstein der beste Berliner, und das, obwohl er auf der für ihn vollkommen ungewohnten Position als Innenverteidiger auflaufen musste.

Niklas Stark hatte ein Infekt außer Gefecht gesetzt und war der neunte Spieler, auf den Trainer Pal Dardai verzichten musste. Weil Abwehrtalent Florian Baak (20) Sonntag ebenfalls kränkelnd aufwachte, musste Rechtsverteidiger Klünter im Abwehrzentrum ran.

So lief eine Mannschaft für Hertha auf, die in dieser Zusammensetzung wohl nie wieder spielen wird. Klünter war nicht der Einzige, der eine ungewohnte Position bekleiden musste. Maximilian Mittelstädt, ansonsten auf der linken Außenbahn zu Hause, gab neben Per Skjelbred den zweiten defensiven Mittelfeldspieler und wurde später von Trainer Dardai ausdrücklich gelobt.

Abstimmung der Notelf stimmt zunächst nicht

Ansonsten gab es aus Berliner Sicht jedoch wenig Positives. Die Abstimmung dieser Notelf fehlte komplett, und wäre es richtig schlimm gekommen, hätte Hertha nach einer Viertelstunde schon 0:4 zurückliegen können.

Adam Szalai (5. und 8.) und Andrej Kramaric (7. und 13.) hätten Hoffenheim genauso in Führung bringen müssen wie Ishak Belfodil (18.). Entweder rettete der starke Torhüter Jarstein, oder die Gastgeber schlossen zu nachlässig ab. Fast schien es, als würden sie wissen, dass es gegen diese Berliner Ersatz-Elf Chancen im Minutentakt geben würde. „Wir haben den Gegner in der Anfangsphase nur gelenkt, sind aber nicht in die Zweikämpfe gekommen“, monierte Dardai.

Vor allem Startelf-Rückkehrer Marvin Plattenhardt erwischte einen schwachen Tag, immer wieder begünstigte er durch grobe Fehler den Hoffenheimer Angriffswirbel. „Hoffenheim hat richtig Druck gemacht und die Bälle immer wieder gut in die Räume gespielt. Da hatten wir unsere Probleme“, sagte Klünter. „Am Anfang waren sie zu schnell für uns, und wir standen zu tief“, sagte Skjelbred.

Ex-Herthaner Schulz bereitet das 0:2 vor

Nach 27 Minuten konnten die schnellen Gastgeber elf Torschüsse verbuchen, Hertha kam auf keinen einzigen (am Ende hieße es 29:5). Umso kurioser, dass erst ein Fernschuss herhalten musste, um den Ball doch ins Berliner Tor zu befördern. Wie eine geduldige Handballmannschaft spielten sich die Hoffenheimer den Ball um den Strafraum zu, ehe Nadiem Amiri abzog und traf (30.).

Für den kurzen Moment bis zur Halbzeit kam Hertha danach besser ins Spiel. Plattenhardt bot sich per Freistoß die beste Gelegenheit, aber sein Schuss in die Torwartecke wurde von Oliver Baumann pariert (35.). „Mit etwas Glück können wir auch ein Tor schießen, dann läuft es vielleicht anders“, sagte Skjelbred.

Doch das Glück fehlt Hertha zurzeit wie Kreativität, Spielwitz und nicht zuletzt Spieler. Auf die vielen Ausfälle wollte aber kein Berliner die Niederlage schieben. „Ich hatte das Gefühl, dass hier was für uns drin gewesen ist“, sagte Klünter.

War es aber nicht, weil der eingewechselte Reiss Nelson nach Flanke von Nico Schulz auf 2:0 erhöhte (76.). Schiedsrichter Martin Petersen hatte zwar zunächst auf Abseits entschieden, wurde aber vom Videoschiedsrichter überstimmt. „Das war dann der Genickbruch für uns“, sagte Klünter.

Am Ostersonntag kommt Schlusslicht Hannover

Nach der fünften Niederlage in Serie steht jetzt bereits fest, dass die Rückrunde aus Berliner Sicht kaum noch zu retten ist. Gegen den Tabellenletzten Hannover muss die Mannschaft am Ostersonntag unbedingt gewinnen. Leichter gesagt als getan in der gegenwärtigen Situation. „Da hilft nur mehr arbeiten. Die alte Schule. Und mehr Reden, mehr Zusammenhalten“, sagt Skjelbred.

Andere gaben sich trotzig. „Ich spüre nichts von einer Krise. Das Problem ist, dass wir jetzt über eine längere Passage, also mehrere Spiele, keine Punkte mehr geholt, aber ich finde, dass wir auch hier wieder gut reingefunden haben“, sagte Selke. Das wirkliche Problem dabei ist, um mit Selke zu sprechen, dass gut rein zu finden Hertha schon lange nicht mehr hilft.