Bundesliga

Niklas Stark: „Mein Fokus liegt auf Hertha“

Herthas Abwehrchef Niklas Stark spricht im Interview aber auch über Wechselgerüchte und seine Ambitionen in der Nationalmannschaft.

Herthas Verteidiger Niklas Stark (r.) im Duell mit Bayerns Franck Ribéry

Herthas Verteidiger Niklas Stark (r.) im Duell mit Bayerns Franck Ribéry

Foto: Stefan Matzke / picture alliance / sampics / Stefan Matzke

Berlin. Niklas Stark (23) ist bester Stimmung, seine Behandlung hat der Abwehrspieler von Hertha BSC verschoben, er ist jetzt in Redelaune. Mit der Morgenpost spricht er über Einträge bei Instagram, einen möglichen Wechsel zum FC Bayern, die Nationalmannschaft und das anstehende Spiel gegen Mainz 05 am Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion).

Niklas Stark, erinnern Sie sich an Ihren letzten Eintrag in den sozialen Medien?

(Kurze Pause) Ja, warum?

Es fällt auf, dass Sie nur sportliche Sachen posten. Nie etwas Privates. Warum sind Sie da zurückhaltender als vieler Ihrer Mitspieler?

Das ist nicht so meins. Ich bin auf dem Dorf groß geworden, mit anderen Werten. Das Private soll immer noch privat bleiben, das ist mein Heiligtum. Für mich persönlich muss das nicht in die Welt rausgetragen werden, was ich zum Frühstück esse. Nach dem Motto: Schaut her, wie gesund ich mich ernähre.

Also sind Sie kein Fan von sogenannten Foodpostings?

Sie meinen so was wie #healthylifeavocado? Nein. Ich schaue schon gern auf Instagram, was andere so treiben, aber wenn ich was mit meinen Freunden mache oder essen gehe, soll das auch privat bleiben.

Das ist sehr ungewöhnlich für jemanden Ihres Alters. Wundern sich Ihre Mitspieler nicht über Ihre Zurückhaltung?

Das Gegenteil ist der Fall. Eher wenn ich was poste, kriege ich komische Sprüche ab. Oder ich bekomme irgendwelche bearbeiteten Bilder von Freunden.

Gegen Mainz ist Karim Rekik, Ihr Partner in der Innenverteidigung, gesperrt. Nach einer Rangelei mit Bayerns Robert Lewandowski bekam der die Rote Karte, weil der Stürmer theatralisch zu Boden ging. Wie bewerten Sie die Szene?

Ich bin da natürlich pro Karim. Dass er nur für ein Spiel Sperre gekriegt hat, zeigt ja, dass es nicht eindeutig war. Es ist schade, dass er jetzt nicht dabei sein kann, aber dann müssen wir die drei Punkte eben ohne ihn holen.

Finden Sie, dass die Theatralik trotz Videoassistent zugenommen hat?

Ich hätte schon gedacht, dass sich in der Hinsicht was ändert, aber das ist nicht so. Wären in der Szene mit Karim beide Spieler zu Boden gegangen, hätte es vermutlich gar nichts gegeben oder Gelb für beide. So wurde nur Karim bestraft. Ich finde es aber gut, dass er stehen geblieben ist und nicht so tat, als wäre groß was passiert. Ich würde mir wünschen, dass die Schiedsrichter etwas neutraler beurteilen und nicht nur für den pfeifen, der gerade hinfällt.

Nach dem Spiel in München gab es Gerüchte über einen möglichen Wechsel zu den Bayern Ihrerseits.

Ich bin nach dem Spiel darauf angesprochen worden und war sehr überrascht darüber. Das bin ich immer noch. Von daher kann ich auch nicht wirklich was dazu sagen.

München würde deutlich näher an Ihrer Heimat Nürnberg liegen als Berlin. Wäre das ein Argument?

Meine Familie wohnt in der Nähe von Nürnberg und ich habe auch viele Freunde in München, das stimmt schon. Aber zwischen Gerüchten und einem tatsächlichen Wechsel ist schon noch ein sehr großer Unterschied.

Für Berlin spricht die regelmäßige Spielpraxis, bei Hertha sind Sie Leistungsträger und gesetzt. Wiegt das mehr?

Jeder junge Spieler muss spielen, das gilt auch für mich. Man muss die Erfahrung sammeln, dass man mit 25 schon als erfahrener Spieler gilt. Wenn du in dem Alter erst auf 50 Bundesligaspiele kommst, wird das nichts mehr. Natürlich will man so hoch wie möglich spielen, aber lieber Erfahrung sammeln und dann erst den nächsten Schritt gehen. So sehe ich das.

In der Rückrunde liegt Hertha wie in den Vorjahren wieder hinter dem Schnitt der Hinrunde. Grüßt in dieser Hinsicht erneut das Murmeltier?

Wir haben das in den letzten Spielen sehr, sehr gut gemacht, finde ich. Wir waren fokussiert und konzentriert, leider haben die Ergebnisse nicht so gestimmt. Gegen Bremen war es sehr bitter. In München wäre gemessen an den Torchancen mehr gegangen, das haben wir auch gespürt, nur hat es leider nicht funktioniert. Nichtsdestotrotz haben wir vier Punkte aus den letzten drei Spielen geholt. Das ist nicht so schlecht, wenn man Bayern und Gladbach in dieser Zeit spielt.

Sind die kommenden Spiele gegen Mainz und Freiburg schon Schlüsselspiele, will man weiter im Rennen um einen Europapokalplatz bleiben?

Das sind die Alltagsspiele, in denen man auch immer sehr gut spielen und Punkte sammeln muss. Wenn man eine gute Saison spielen will, sind diese Spiele entscheidend. Gegen Bremen haben wir zwei Punkte liegen lassen. Jetzt gilt es, die wieder zurückzuholen.

Gegen Mainz hat sich Hertha in der Vergangenheit immer schwer getan. Sind die Mainzer ein besonders unangenehmer Gegner?

Auf jeden Fall. Schalke hat das ja auch zu spüren bekommen. Aber ich glaube, wenn wir so spielen wie die letzten Spiele, sollte ein Sieg für uns möglich sein.

Trainer Pal Dardai wechselte immer wieder zwischen Dreier- und Viererkette. Welches System spielen Sie lieber?

Das ist immer vom Gegner abhängig. Bei der Dreierkette kann man mehr rausschieben und höher anlaufen, für uns Innenverteidiger bedeutet das aber mehr Laufarbeit. Gegen Gladbach haben wir ein gutes Spiel mit Viererkette gemacht. Auch die Umsetzung, wie es funktioniert ist immer spielabhängig.

Gibt es noch weitere Unterschiede?

Mit der Dreierkette ist ein Mittelfeldpressing schwieriger. Entweder du presst ganz vorne oder ganz hinten. Mit Viererkette ist es einfacher, die Mitte eng zu haben. Für uns Verteidiger ist das von der Höhe her schon was anderes.

Sie haben in der vergangenen Saison noch öfter im defensiven Mittelfeld ausgeholfen, inzwischen spielen Sie nur noch als Innenverteidiger. Liegt Ihnen diese Position am besten?

Dort bin ich ausgebildet. Wenn ich woanders gebraucht werde, spiele ich aber auch dort. Am Ende geht es nur darum, gut zu spielen und zu gewinnen.

Spätestens seit der WM läuft in der Nationalmannschaft auf Ihrer Position ein Casting um die Nachfolge von Jerome Boateng und Mats Hummels. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen bei Bundestrainer Joachim Löw?

Wir leben im Hier und Jetzt und mit Hertha haben wir eine wichtige Phase. Da sind meine Gedanken nicht beim DFB. Mein voller Fokus gilt Hertha und nicht was irgendwann mal sein könnte.

Pal Dardai hat Sie vor der Saison als Abwehrchef ausgerufen. Wie fühlt sich diese Rolle an?

Ich habe wie Karim auch einen wichtigen Part da hinten, aber jeder von uns übernimmt Verantwortung, in jedem Mannschaftsteil.

Zwischen Ihnen und Rekik ist die Chemie ausgesprochen gut.

Wir sind ähnlich alt und passen auf dem Platz einfach gut zueinander.

Und außerhalb?

Karim postet deutlich mehr als ich (lacht).