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Stevens: „Dardai war schon als Spieler ein Stratege“

Huub Stevens spricht über Hertha BSC, den FC Bayern und seinen Freund Rudi Assauer, der ihn einst in die Bundesliga holte.

Trainer Huub Stevens bei Hertha BSC mit seinem Spieler Pal Dardai

Trainer Huub Stevens bei Hertha BSC mit seinem Spieler Pal Dardai

Foto: BM

München.  Huub Stevens (65) war als Trainer bei Schalke 04 lange ein Weggefährte des jüngst verstorbenen Rudi Assauer, dem Ex-Manager der Gelsenkirchener. Vor dem Duell in der Fußball-Bundesliga bei Bayern München (18.30 Uhr, Sky) sprach der Niederländer über Assauer, die Bayern und Hertha BSC, wo er selbst einst tätig war.

Herr Stevens, wie sehr schmerzt Sie der Tod Ihres Freundes Rudi Assauer?

Huub Stevens: Es tut sehr weh. Leider war er durch diese Scheiß-Krankheit schon seit Jahren nicht mehr der Rudi Assauer, wie wir alle ihn kannten, nicht mehr der Assi, der mein Freund war. Jetzt ist er gar nicht mehr da (schluckt, bricht kurz ab).

Assauer hat Ihnen eine große Karriere ermöglicht. Sie haben ihm viel zu verdanken.

Rudi hat mich auf den deutschen Trainermarkt gebracht, nur durch ihn bin ich 1996 in die Bundesliga gekommen. Er ist mein Entdecker. Rudi hatte damals den Mut, einen Nobody aus den Niederlanden nach Gelsenkirchen zu holen. Keiner konnte ahnen, dass wir dann mit Schalke einen so erfolgreichen Fußball spielen und ein Jahr später sensationell den Uefa-Cup gewinnen.

Was haben Sie am meisten an Ihrem Freund geschätzt?

Seine Ehrlichkeit, seine Direktheit – das war typisch Assi. Wir haben nach einer Verhandlung nie sofort einen Vertrag unterschrieben. Es gab eine mündliche Einigung und irgendwann das Stück Papier. Seine Tür stand immer für alle offen. Auch, als wir nicht mehr zusammengearbeitet haben, konnte ich ihn immer anrufen. Wir vermissen ihn. Unsere gemeinsamen Zeiten, die guten und die schlechten, werde ich niemals vergessen.

Preetz und Dardai haben Hertha Ruhe gebracht

Wenn es okay ist, würde ich gern ein paar Fragen zum aktuellen Fußball stellen. Sie haben mit Hertha BSC in der Saison 2002/03 Platz fünf erreicht. Wie beurteilen Sie die derzeitige Saison der Berliner?

Pal Dardai und Michael Preetz machen das gut, sie haben Ruhe in den Verein gebracht. Ich freue mich über die Entwicklung bei Hertha. Ich hoffe, dass sie Platz sechs erreichen und sich für die Europa League qualifizieren. Damit würden sie wieder einen Schritt nach vorn machen.

Dardai ist seit vier Jahren im Amt, in der Bundesliga mittlerweile eine Ewigkeit, und damit hinter Freiburgs Christian Streich der dienstälteste Trainer aller Klubs der höchsten Spielklasse.

Und er kann noch einige Jahre bei Hertha bleiben. Es passt. Ich habe ihn in Berlin trainiert. Schon als Spieler hat Pal auf dem Platz wie ein Trainer gedacht. Er war schon damals ein Stratege.

Bedenken bei Bayerns spielerischer Entwicklung

Heute empfangen die Bayern Ihre Schalker. Glauben Sie noch an eine Aufholjagd des Titelverteidigers, können die Bayern den BVB trotz sieben Punkten Rückstand noch einholen?

Mit den Bayern musst du immer rechnen. Aber wenn sie in Leverkusen verlieren, dann muss man Bedenken haben, was ihre Entwicklung betrifft. Sie bekommen Gegentore, die sie früher nicht bekommen haben. In der Offensive kreieren sie nicht die Anzahl von Chancen, die man auf diesem Niveau braucht.

Gegen Schalke dürfte es aber reichen, oder?

Wenn Bayern zu Hause Schalke empfängt, ist doch klar, wer der große Favorit ist. Wenn du als kleinerer Verein aus München etwas mitnehmen kannst, wäre es sensationell. Unser Vorteil ist: Wir können frei auflaufen. Dann hast du immer eine kleine Chance. Wir haben keinen Druck, den hat Bayern. Sie müssen gewinnen – immer.