DFB-Pokal

Hertha verliert das Pokal-Achtelfinale nach großem Kampf

Hertha BSC kämpfte wacker gegen Bayern. Am Ende reichte es aber nicht. In der Verlängerung gingen die Berliner als Verlierer vom Platz.

Münchens Kingsley Coman trifft gegen Herthas Maximilian Mittelstaedt und Niklas Stark zum 3:2.

Münchens Kingsley Coman trifft gegen Herthas Maximilian Mittelstaedt und Niklas Stark zum 3:2.

Foto: imago sport / imago/photoarena/Eisenhuth

Berlin. Sie gingen erhobenen Hauptes, aber die Enttäuschung war Herthas Profis nach dem 2:3 n.V. (2:2, 1:1) gegen Bayern München trotzdem anzusehen. Der ewige Traum vom DFB-Pokal-Finale im eigenen Stadion, er ist mal wieder geplatzt. Diesmal im Achtelfinale und immerhin gegen den vermeintlich stärksten verbliebenen Gegner im Wettbewerb. Dafür aber durch ein bitteres Gegentor durch Kingsley Coman in der Verlängerung (98.), das so nicht hätte fallen dürfen. So fand die Serie von vier Spielen ohne Niederlage gegen den Rekordmeister am Mittwochabend ein Ende – was blieb, waren gemischte Gefühle. Positive, weil man dem hohen Favoriten mal wieder einen packenden Kampf lieferte und ihn durch Tore von Maximilian Mittelstädt und Davie Selke mächtig in die Bredouille gebracht hatte; negative, weil ein Überraschungscoup im Zielsprint ausblieb.

Nach dem 0:1 gegen Wolfsburg war Trainer Pal Dardai von der defensiven Dreierkette zum bewährten 4-2-3-1-System zurückgekehrt. Neben dem verletzten Arne Maier blieben Davie Selke und Fabian Lustenberger außen vor, für sie rückten Per Skjelbred, Salomon Kalou und Maximilian Mittelstädt in die Startformation. Nicht die schlechtesten Änderungen, wie sich zeigen sollte. Schon in der dritten Minute eroberte Mittelstädt den Ball im Mittelfeld und kam nach Doppelpass mit Kalou aus 16 Metern zum Abschluss. Sein Schuss rauschte durch die Beine des grätschenden Mats Hummels und vorbei an Neuer-Vertreter Sven Ulreich. Unten links schlug es ein – und schon verwandelte sich das mit 74.667 Zuschauern ausverkaufte Olympiastadion erstmals in ein Tollhaus (3.).

Dabei hätte es zuvor auch anders kommen können. Vor Herthas Führung war Bayerns Leon Goretzka im Berliner Strafraum zu Boden gegangen. Verteidiger Karim Rekik hatte den Nationalspieler am Fuß getroffen, doch Schiedsrichter Markus Schmidt entschied auf Gelb wegen einer Schwalbe.

Gnabry und Coman treffen für die Münchener

Mit der Berliner Euphorie war es allerdings trotzdem bald vorüber. Nach einer Kimmich-Flanke konnte Niklas Stark gegen Bayerns Robert Lewandowski nur notdürftig klären, und den Abpraller jagte der heranrauschende Serge Gnabry mit Nachdruck ins Netz – der Ausgleich (7.).

Gnabry drehte nun richtig auf, entwischte Herthas Hintermannschaft das ein ums andere Mal. Zweimal rettete Jarstein in höchster Not (20., 26.). Spätestens nach einer halben Stunde hatten die Bayern, bei denen der Berliner Jerome Boateng nur auf der Bank saß, die Partie voll unter Kontrolle. Powerplaymodus, 70 Prozent Ballbesitz und 8:1 Torschüsse zur Pause - Bayern-Dominanz deluxe, aus Berliner Sicht aber glücklicherweise ohne Tore.

„Wenn wir uns gut reinbeißen und für die kreativen Spieler keine Räume lassen, haben wir eine Chance“, hatte Dardai prognostiziert. Nun, das mit dem Raum für die Kreativspieler ging gleich nach Wiederanpfiff mächtig schief. Nach Zuspiel des weit abgesunkenen Lewandowski entdeckte James eine Gasse in der Berliner Abwehr und schickte den Ball mit nur einem Kontakt hindurch. Gefundenes Fressen für Gnabry, wen sonst, der von halbrechts kühl einschob – 1:2 (49.).

Dardai versuchte nun zu retten, was kaum zu retten schien, brachte Selke für Ibisevic (64.) und tätigte damit den nächsten Goldgriff. Als Hummels einen Kopfball unentschlossen Richtung eigener Torauslinie nickte, war Selke zur Stelle und traf mit seinem ersten Ballkontakt und Herthas zweitem Torschuss zum Ausgleich (67.). Ein Treffer aus dem vielzitierten Nichts, durch den plötzlich wieder ­alles möglich schien.

Es wäre vermutlich zu viel des ­Guten gewesen, wenn auch noch der zweite Joker gestochen hätte. Aber viel fehlte nicht. Als Sommerzugang Lukas Klünter (bislang eine Bundesligaminute) einen Steilpass von Selke erlief und aus der rechten Strafraumhälfte abzog, stockte den Bayern-Fans der Atem, doch Keeper Ulreich war zur Stelle (83.). So ging es in die Verlängerung, in der das Drama seinen Lauf nahm.

Eine Kimmich-Hereingabe leitete Goretzka an den linken Rand des Fünfmeterraums weiter. Dort spitzelte Lewandowski den Ball liegend im hohen Bogen zurück vor Herthas Tor, wo Coman umringt von Mittelstädt, Stark und Rekik einköpfte, 2:3 (98.). Trainer Dardai war zwar „stolz“ auf die Kampfkraft seiner Mannschaft, „aber das Tor haben wir naiv verteidigt“. Beim letzten Seitenwechsel schufen die Berliner Fans zwar noch einmal Gänsehautatmosphäre, doch ändern sollte das nichts mehr. Sonnabend um 15.30 Uhr tritt Hertha in Mönchengladbach an.

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