BUNDESLIGA

Karim Rekik befindet sich in ungewohnter Rolle

Trainer Pal Dardai nimmt Herthas Abwehrchef Karim Rekik in die Pflicht. Der Verteidiger will es gegen den VfL Wolfsburg zeigen.

Herthas Abwehrchef Karim Rekik war verletzungsbedingt nur bei zehn (von 19) Bundesliga-Partie dabei

Herthas Abwehrchef Karim Rekik war verletzungsbedingt nur bei zehn (von 19) Bundesliga-Partie dabei

Foto: Jan Kuppert / dpa

Berlin.  Obwohl die Chancen nicht besonders gut standen, so hatte Karim Rekik (24) für den heutigen Sonnabend doch auf ein Treffen mit Jeffrey Bruma gehofft. Die beiden Niederländer sind seit Jugendtagen befreundet und stehen noch regelmäßig in Kontakt. Bruma fand zwar zuletzt beim VfL Wolfsburg kaum noch Berücksichtigung durch Trainer Bruno Labbadia, aber eine kleine Möglichkeit bestand ja doch, dass der Verteidiger mitfahren darf zum Auswärtsspiel des VfL bei Hertha BSC (15.30 Uhr/Sky und Immerhertha-Liveticker).

Daraus wird nichts, kurz vor Transferschluss hat Wolfsburg Bruma an Schalke ausgeliehen. Irgendwie laufen die Dinge derzeit anders, als Karim Rekik sich das wünscht. Das galt zuletzt auch für den Job bei Hertha BSC.

Abgeklärt wie ein Gerichtsvollzieher

Rekik, das war der unumstrittene Abwehrchef beim Berliner Bundesligisten. Ein Mann, ausgestattet mit der Abgeklärtheit eines Gerichtsvollziehers. Trotz seines jungen Alters sehr erfahren, gestählt durch die Erfahrung in vier unterschiedlichen Profiligen (vorher Holland, England, Frankreich).

Anders als seine Debütsaison verläuft die zweite Spielzeit in Berlin jedoch holperig. Das liegt vor allem am fehlenden Rhythmus. Rekik konnte aus Verletzungsgründen nur zehn der 19 Ligaspiele bestreiten. Zuerst verletzte er sich am zweiten Spieltag gegen Schalke – muskuläre Probleme im Oberschenkel. Mitte November dann der erneute Rückschlag, wieder war es derselbe Muskel. Folge: Für Rekik war die Hinrunde beendet. Obwohl er sich als mental sehr stark beschreibt, begann der Niederländer zu zweifeln. „Beim zweiten Mal, als ich mich wieder am selben Muskel verletzte, dachte ich mehr darüber nach. Hatte ich bei der Reha etwas falsch gemacht? Hatte ich zu früh wieder begonnen? Solche ­Sachen“, erzählt Rekik.

Rekik verkürzt seinen Urlaub

Seine Abwesenheit passte ins Bild. Auch Niklas Stark fehlte länger, genau wie Jordan Torunarigha. In keinem anderen Mannschaftsteil hatte Hertha in der Hinrunde größere Verletzungsprobleme als in der Abwehr. Trainer Pal Dardai verzweifelte: „Das war schon sehr viel. Gerade in der Abwehr ist es wichtig, dass man gesund bleibt und regelmäßig spielen kann.“ Herthas Probleme gegen Ende der Hinrunde hingen auch mit ständig wechselnden Besetzungen im hinteren Bereich zusammen. Anders als in der Vorsaison, als Rekik und Stark die Abwehrzentrale bildeten, musste Dardai immer wieder neue Pärchen aufs Feld schicken.

Rekik arbeitete an seinem Comeback, dafür verkürzte er freiwillig seinen Weihnachtsurlaub, aber der Prozess ging schleppend voran. Während der Vorbereitung war ihm der Rückstand anders als bei früheren Verletzungen deutlich anzusehen. „Für mich ging es darum, wieder Vertrauen in den Muskel zu bekommen“, sagt er. Das zog sich, der Kopf war nicht frei, und so spielte Rekik auch. Zu sehen beim Vorbereitungsturnier in Düsseldorf.

„Wir haben Gespräche mit Karim geführt“

Von Trainer Dardai wurde Rekik angezählt. Zum ersten Mal, seit er 2017 nach Berlin kam. Bis dahin hatte Dardai seinem Spieler immer viel Vertrauen entgegengebracht und ihn selbst nach längeren Verletzungspausen sofort wieder eingesetzt. Rekik zahlte stets mit Leistung zurück. Nun wurde Dardai dringlicher. „Wir haben einige Gespräche mit Karim geführt. Wir haben ihm Szenen gezeigt, was geht und was nicht, wo er sich besser konzentrieren muss. Dass er besser vorbereitet sein soll. Ein Innenverteidiger muss immer wissen: Wo ist das Tor, wo ist der Gegner, was passiert vor dir, was hinter dir. Das muss man alles lesen. Dafür muss er konzentriert sein.“

Es war das erste Mal, dass Dardai nach außen deutliche Worte in Richtung seines Abwehrchefs fand. Herthas Trainerteam hatte schon länger den Eindruck, dass Rekik, der sehr reif auftritt und sich innerhalb der Mannschaft gern mit den Erfahrenen wie Vedad Ibisevic und Salomon Kalou umgibt, über noch mehr Potential verfügt und längst nicht so weit in seiner Entwicklung sei, wie er von sich glaubt.

Rekik: Der Trainer mir alles sagen

Die Kritik kam bei Rekik an. „Der Trainer kann mir alles sagen, ich bin nicht der Typ, der das persönlich nimmt“, sagt er. Und antwortete mit Leistung. Gegen Nürnberg spielte Rekik solide, gegen Schalke konnte er sich etwas steigern und interpretierte Dreier- wie Viererkette souverän.

Gegen Wolfsburg soll wieder die selbstsichere, umsichtige Version von ihm zu sehen sein. Die fordert Dardai: „Nachlassen, das geht nicht. Ein Innenverteidiger lebt davon, wach zu sein und ein gutes Stellungsspiel zu haben. Wenn Karim konzentriert ist, dann hat er das“, sagt Herthas Trainer. An den VfL hat Rekik eh’ gute Erinnerungen. Vergangene Saison erzielte er gegen Wolfsburg ein Tor beim 3:3. Kumpel Bruma schaute von draußen zu.