Bundesliga

Hertha darf jetzt bloß nicht abtauchen

Für Hertha BSC geht es am Dienstag gegen Augsburg auch um den Lohn der Hinrunde. Viele Fans bleiben jedoch zu Hause.

Von Ondrej Duda (r.) und Marvin Plattenhardt erwartet Hertha-Trainer Pal Dardai gegen Augsburg eine deutliche Steigerung.

Von Ondrej Duda (r.) und Marvin Plattenhardt erwartet Hertha-Trainer Pal Dardai gegen Augsburg eine deutliche Steigerung.

Foto: Fotostand / Weller / picture alliance / Fotostand

Berlin.  Pal Dardai ist ein genügsamer Mensch, und er ist Realist. Auf dem Wunschzettel von Herthas Cheftrainer finden sich keine Wunder, sondern eher bescheidene Anliegen. „Vier Punkte aus den letzten drei Spielen des Jahres“, steht dort etwa vermerkt, ein Wunsch, den der Ungar schon vor der jüngsten 1:2-Enttäuschung in Stuttgart äußerte. Am Montag nun fügte er auf seiner Liste einen weiteren Wunsch hinzu – einen, der zwar ähnlich schlicht ausfiel wie der erste, gleichzeitig aber noch weniger Aussicht auf Erfüllung hat als das Vier-Punkte-Präsent, das er sich von seinem Team erhofft.

„Ich weiß, es ist eine schwierige Zeit und kalt“, sagt Dardai, „aber wir brauchen unsere Fans.“ Die allerdings scheinen keine große Lust zu haben auf Herthas heutiges Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg (20.30 Uhr, Sky), die Berliner rechnen mit nur 30.000 Besuchern. So wenig Interesse herrschte lange nicht an einem Gang ins Olympiastadion, zuletzt Mitte Februar, als der Gegner an einem Freitagabend FSV Mainz hieß.

Dardai: „Die Spieler müssen jetzt beißen“

Dabei geht es für Hertha um viel. Der Hauptstadtklub steht vor einer Woche der Wahrheit, in der sich zeigt, wohin die Reise geht. Eher nach oben, Richtung Europapokalplätze? Oder doch ins Mittelmaß? „Die Spieler müssen jetzt beißen“, fordert Dardai, „zwei Spiele noch.“ Auf das Heimspiel gegen Augsburg folgt Sonnabend der Jahresabschluss in Leverkusen. Taucht die Mannschaft nun ab, bringt sie sich um den Lohn der teils begeisternden ­ersten Saisonhälfte.

Dass auch Dardais Wunsch nach mehr fitten Spielern unerfüllt bleibt, macht die Aufgabe nicht einfacher. Arne Maier (Infekt) kann weiterhin nicht mitwirken, folglich liegen die Hoffnungen im zentralen Mittelfeld weiter auf Per Skjelbred, Vladimir Darida und Ondrej Duda, von denen es in Stuttgart keiner schaffte, die Partie unter Kontrolle zu bringen.

„Ich habe auch ab und zu schlecht gespielt“, nahm Ex-Profi Dardai seine Spieler in Schutz, „das gehört im Fußball dazu.“ Die Botschaft dürfte trotzdem angekommen sein, besonders bei Darida und Duda. Der Trainer wünscht sich deutlich mehr von ­ihnen und ist damit nicht allein. Der Ausfall von Stammkraft Marko Grujic „tut uns weh“, sagt Rechtsverteidiger Valentino Lazaro, „er fordert viele Bälle, und er verliert den Ball sehr selten, er ist unser Stabilisator.“ Eine Stellenbeschreibung, die sich Vertreter Darida zu Herzen nehmen darf.

Gegner Augsburg kann keine Führung verwalten

Wunsch Nummer fünf darf sich die gesamte Mannschaft zu Herzen nehmen: mehr Killerinstinkt. Gegen Stuttgart gab Hertha zum dritten Mal in dieser Saison eine Führung aus der Hand. „Mit einer anderen Einstellung wäre es ohne größere Schwierigkeiten möglich gewesen, mehr Punkte zu holen“, meint Manager Michael Preetz. Augsburg weist in dieser Hinsicht allerdings noch deutlich stärker Defizite auf. In der laufenden Spielzeit lag der FCA schon acht Mal in Front, gewann von diesen Spielen aber nur drei (drei Unentschieden, zwei Niederlagen). Keiner anderen Mannschaft passierte dieses Malheur öfter.

Am Respekt vor dem Tabellen-14. ändert das nichts. „Augsburg spielt eine richtig gute Runde, aber kommt deutlich unter Wert daher“, sagt Preetz: „Für das, was sie angeboten haben, haben sie viel zu wenig Punkte.“

Die Berliner spielten nur zweimal mit gleicher Startelf

Das große Plus der Berliner: Anders als Augsburg befinden sie sich in sicherer Distanz zu den Abstiegsrängen. Eine Situation, mit der nicht nur der FCA gern tauschen würde, sondern auch Teams wie Stuttgart oder Schalke. „Wir können erstmal froh sein, dass wir die 23 Punkte haben“, betont Dardai daher, schließlich habe er in der Hinserie „viel basteln“ müssen. Tatsächlich konnte er bislang nur zweimal in Folge dieselbe Startformation aufbieten, und ob heute ein drittes Mal folgt, bleibt abzuwarten. Womöglich darf statt Darida diesmal Duda beginnen.

„Gegen Augsburg war es bis jetzt immer schwer“, erinnert sich Dardai, der als letzten Wunsch eine Wiederholung aus dem Frühjahr 2015 nennt. Damals, in seinem erst vierten Spiel als Chef-Trainer, war Hertha gegen Augsburg zwar nicht besser, gewann aber durch den einzigen echten Torschuss mit 1:0. Einziges Problem: Der Siegtorschütze von damals, Salomon Kalou, fehlt verletzt.