Finanzen

Hertha erhält neues Kapital für neuen Glanz

Hertha leiht sich für fünf Jahre 40 Millionen Euro – und zahlt hohe Zinsen. KKR hat seinen Anteil unbemerkt auf 12,7 Prozent erhöht

Das Olympiastadion ist Herthas Gegenwart. Die Zukunft soll eine Fußballarena sein. Die wird viel Geld kosten

Das Olympiastadion ist Herthas Gegenwart. Die Zukunft soll eine Fußballarena sein. Die wird viel Geld kosten

Foto: Getty Images/ City-Press / City-Press via Getty Images

Berlin.  Hertha BSC ist derzeit auf sehr verschiedenen Ebenen unterwegs, um sich für die Zukunft aufzustellen. Um die seit Längerem angespannte Situation mit der Fanszene zu entspannen, findet am Donnerstag der angekündigte runde Tisch mit verschiedenen Fanvertretern statt. Allerdings ohne die Ultras, die es ablehnen, zuvor separat mit der Geschäftsführung zu reden. Mit einem ganz anderen mächtigen Hebel ist Ingo Schiller beschäftigt. Der Finanzchef von Hertha BSC berichtete, dass „die Hertha BSC GmbH & Co KGaA eine unbesicherte Anleihe mit einem Volumen von 40 Millionen Euro vollständig und deutlich vor Ablauf der Zeichnungsfrist im Rahmen einer Privatplatzierung emittiert“ hat.

Anders gesagt: Hertha leiht sich von institutionellen Investoren aus Deutschland und dem europäischen Ausland 40 Millionen Euro. Das ist die größte Anleihe, die Hertha in seiner Vereinshistorie je aufgenommen hat.

Fünf Jahre Laufzeit, 6,5 Prozent Zinsen

Die Laufzeit beträgt fünf Jahre. Die gute Nachricht ist: Das Hertha-Angebot war so interessant, dass die Anteile vor Ende der Zeichnungsfrist verkauft waren. Der Pferdefuß an der Geschichte: Der Zinssatz, mit dem die Hertha-Anleihe versehen ist, ist erheblich: Pro Jahr gibt es 6,5 Prozent (2,6 Millionen Euro pro Jahr). Das heißt: Um die 40 Millionen Euro zur Verfügung zu haben, muss Hertha bis 2023 insgesamt 53 Millionen Euro ­aufwenden.

Die Ausgabe der Aktie wird begleitet vom Frankfurter Brokerhaus Equinet Bank, das seit Februar zur norwegischen Investmentbank Pareto ­Securities gehört. Die Anleihe wird an den Börsen in Frankfurt und Stockholm gehandelt. Finanzchef Schiller bezeichnete den Abschluss als „großen Erfolg“ für Hertha. „Die erfolgreiche Emission ist Beleg für die gute wirtschaftliche Entwicklung und bildet eine gute Basis für die nächsten Entwicklungsschritte von Hertha BSC.“

Hertha will KKR auszahlen

Wofür braucht der Hauptstadt-Klub das Geld? Hertha will den Finanzinvestor Kohlberg Kravitz Roberts (KKR) vorzeitig auszahlen. Das Private-Equity-Unternehmen aus New York hatte im Januar 2014 insgesamt 61,2 Millionen Euro an Hertha überwiesen. Dafür erhielt KKR 9,7 Prozent der Aktienanteile der Berliner (18 Mio. Euro) und zahlte 36 Millionen im Vorgriff auf künftige Lizenzgebühren.

Eigentlich sollte diese Zusammenarbeit bis 2021 laufen. Nun will Hertha – wie zu vernehmen ist, im Einvernehmen mit KKR – seine Anteile zurückkaufen. Das Ziel formuliert Finanzchef Schiller so: „Bei einem möglichen Rückkauf der Anteile von KKR, würde der Hertha BSC e.V. 100 Prozent der Anteile halten.“

KKR hat seinen Anteil unbemerkt auf 12,7 % gesteigert

Da sich die Bundesliga positiv entwickelt, die TV-Verträge noch höher dotiert sind, und Hertha sportlich gut unterwegs war, ist auch der Unternehmenswert des Klubs geklettert. Betrug er 2014 etwa 220 Millionen Euro, taxieren Wirtschaftsprüfer den Marktwert von Hertha Ende 2018 auf mehr als 300 Millionen.

Man kann davon ausgehen, dass Hertha für den Rückkauf seines Aktienpakets mehr bezahlen muss. Der Verein wollte dazu keine Auskunft geben. Das Fachmagazin „Capital“ berichtet, KKR habe unbemerkt von der Öffentlichkeit seinen 9,7-Prozent-Anteil seit Mai 2017 in mehreren Schritten auf 12,7 (*) Prozent erhöht. Für dieses Paket soll Hertha nun 27,8 Millionen zahlen. Dazu weitere 43 Millionen „für ausstehende Rückzahlungen“. Stimmt diese Rechnung, hätte Hertha insgesamt 71,4 Millionen Euro auf­gewendet, um von 2014 bis 2018 mit den 61,2 KKR-Millionen arbeiten zu können.

Hertha wird Bankkredite aufnehmen

Schon klar, die jetzt aufgelegte 40-Millionen-Anleihe wird nicht reichen, um die Ansprüche von KKR komplett bedienen zu können. Um die Lücke zu schließen, plant der Bundesligist unter anderem Bankkredite aufzunehmen. Das bestätigte Hertha der Morgenpost.

Darüberhinaus wird Hertha, laut „Capital“, für diesen Zweck „Vorauszahlungen auf Sponsoring- und Hospitalityverträgen“ einsetzen.

Auch wenn diese Finanztransaktion dem Laien akrobatisch erscheinen mögen: Die Hertha-Kalkulation wird mutmaßlich so lauten: Ja, die 40-Millionen-Euro-Anleihe mag relativ teuer sein, dennoch soll sich das Unterfangen für den Klub rechnen. Weil Hertha nach einem Rückkauf über 100 Prozent seiner Anteile verfügen würde. Und diese künftig an einen (oder mehrere) Großinvestoren verkaufen könnte.

Das Stadion-Projekt wird viel Geld benötigen

Die Hoffnung wird sein, dass der deutsche Profifußball sich weiter so lukrativ entwickelt. Sodass Hertha 2019 oder 2020, wenn man vielleicht mit Blick auf den erhofften (aber längst noch nicht sicheren) Stadionneubau Finanzbedarf hat, von einem erneut gestiegenen Marktwert aus, Aktienanteile verkaufen könnte.

Auf die Morgenpost-Frage, ob Hertha aktuell einen Großinvestor an der Angel habe, antwortete Ingo Schiller: „Nein.“

* Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der aktuelle Anteil von KKR an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA betrage 15,7 Prozent. Diese Zahl geht nach Angaben des Vereins gegenüber dem Magazin „Capital“ auf einen Fehler in der Investorenpräsentation zurück. Korrekt ist ein Anteil von 12,7 Prozent.