BUNDESLIGA

Hertha verbietet gegen RB Leipzig Spruchbänder und Banner

Zwischen Hertha und Leipzig geht es oft hoch her. Nach Randalen in Dortmund verschärfen die Berliner die Einlasskontrollen.

Erhitzte Gemüter: Beim Spiel in Dortmund am Sonnabend zündeten Personen im Hertha-Block Pyrotechnik und randalierten in Sanitäranlangen

Erhitzte Gemüter: Beim Spiel in Dortmund am Sonnabend zündeten Personen im Hertha-Block Pyrotechnik und randalierten in Sanitäranlangen

Foto: pA/imago/DeFodi

Berlin. Manager Michael Preetz hat bereits geahnt, dass sich Hertha BSC noch längere Zeit mit den Folgen der Pyrovorfälle sowie des Vandalismus, verursacht durch Personen im Hertha-Fanblock in Dortmund, befassen muss. Erste Maßnahmen teilte der Fußball-Bundesligist mit, die beginnend mit dem Heimspiel gegen RB Leipzig am Sonnabend im Olympiastadion gelten (18.30 Uhr). Ab sofort sind Spruchbänder, Banner, Blockfahnen und Doppelhalter verboten. Das Verbot gilt für Heim- und ­Gästefans (erlaubt sind Zaunfahnen und Fanklubbanner).

Weiter meldete der Klub: „Hertha möchte die Sicherheit aller Zuschauer bestmöglich gewährleisten.“ Deshalb wird das Ordnerpersonal aufgestockt und die Einlasskontrollen verschärft. Hertha rief die Besucher auf – zum Topspiel werden 50.000 Fans erwartet – ­rechtzeitig anzureisen. Die Polizei hat die Partie als Risikospiel eingestuft.

Zur Erinnerung sei gesagt, dass Herthas Fanszene in bisher allen vier Partien im Prestigeduell gegen den ungeliebten Nachbarn mit ausfallenden Spruchbändern gegen RB negativ aufgefallen war. Der Hintergrund der neuen Maßnahmen dürfte jedoch vor allem in den Vorfällen in Dortmund begründet sein. Dort waren, laut Dortmunder Polizei, etwa 150 Personen unter den rund 3000 Hertha-Fans im Gästeblock als Randalierer und Vandalen in ­Erscheinung getreten. Die Polizei in Dortmund wertet derzeit Videobilder und Film­aufnahmen aus, um Einzel­täter zu ­überführen.

Angespannte Beziehung zwischen Hertha-Chefs und Fans

Von den Maßnahmen, die Hertha bis auf Weiteres für die kommenden Heimspiele beschlossen hat, sind alle Stadionbesucher betroffen. Unmittelbar nach Bekanntgabe der Verbote am Donnerstag gab es in den sozialen Medien heftige Reaktionen. Neben einzelnen positiven Stimmen („richtige Entscheidung, sollen die Vollpfosten zu Hause bleiben“) hagelte es vor allem Kritik. Die Maßnahmen hätten den Charakter von Kollektivstrafen. Von denen nicht nur Herthas Ultra-Gruppen betroffen seien – die stehen nicht im Verdacht, in der letzten Zeit alles richtig gemacht zu haben. Hertha treffe die gesamte Ostkurve und darüber hinaus Gruppierungen, die ein ganz anderes Fanverständnis als die Ultras haben. Was sich bisher bei keinem Verein erfüllt hat, ist der Wunsch mancher Klubfunktionäre: Dass sich die „anständigen Fans“ solidarisieren mögen gegen die „schwarzen Schafe“ in den eigenen Reihen. Mit der vielfach beschworenen Selbstreinigung auf der Tribüne hat es bisher nirgends geklappt. Zu erwarten ist, dass eine Solidarisierung der Fan-Gruppen untereinander einsetzten wird – gegen die Klubführung von Hertha.

Die aktuelle Entwicklung fällt in eine ohnehin angespannte Beziehung zwischen Herthas Chefetage und den Fans. Die haben nicht vergessen, dass Herthas Geschäftsführung zum Saisonstart im August gegen Nürnberg versucht hatte, kurzerhand ein neues Einlauflied zu installieren. Drei Tage später hatte die Geschäftsführung – offenbar völlig überrascht vom vehementen Protest vieler Stadionbesucher – diesen Entschluss in einer 180-Grad-Kehrtwende zurückgenommen.

Die Besonnenen unter den Beteiligten fürchten, dass eine Situation entstehen könnte, in der es nur Verlierer gibt. Das Negativbeispiel, wie es nicht laufen soll, sind Verhältnisse wie bei Hannover 96. Dort hatte in der Vorsaison die aktive Fanszene in der Auseinandersetzung mit Präsident Martin Kind, der seinen bestimmenden Einfluss festzurren will, fast die gesamte Saison über auf die Unterstützung der eigenen Mannschaft verzichtet. Ob Trainer, Team, Zuschauer, Klub-Verantwortlicher, Geldgeber oder TV-Sender: An einer solchen ­Entwicklung kann niemand Interesse haben, da sie Hertha insgesamt schaden würde. Entsprechend gibt es Stimmen bei Immerhertha, dem Blog der Morgenpost, die formulieren: „Der Verein frisst sich selbst von innen auf“ ­(Nutzer „Spree 1892“) oder „Ich sehe die Gefahr, dass uns dieser Streit die ­komplette Saison versauen kann“ (Nutzer „Bonpland“).

Verschärfte Zustände – in Dortmund haben unverbesserliche Pyro-Liebhaber die Situation in Brand gesetzt. Der Polizei­einsatz am Block hat die Situation zugespitzt. Dann haben Vandalen im Hertha-Block die Lage ­eskalieren lassen. Nun dreht der Hauptstadt-Klub an der Schraube mit neuen Verboten. Worin sich aber alle einig sind: Jede ­Seite fordert von der anderen Seite Respekt ein.

Schon jetzt steht zu ­erwarten, dass am Sonnabend gegen Leipzig die Fan­szene alles daran setzen wird, möglichst viele Spruchbänder im Olympiastadion zu zeigen. Wie ­reagiert dann Hertha als Hausherr?

Mehr Respekt täte allen Beteiligten gut. Mal sehen, ob der Wunsch von ­Manager Preetz für das Topspiel der Bundesliga, eben Hertha gegen Leipzig, in Erfüllung geht: „Ich wünsche mir, dass wir nach dem Spiel nur über sportliche Szenen diskutieren.“

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