DFB-Pokal

Pal Dardai wechselt in Darmstadt den Sieg ein

Hertha gewinnt durch zwei Jokertore von Ibisevic und Mittelstädt 2:0 in Darmstadt und steht im Pokal-Achtelfinale.

Darmstadts Sebastian Hertner (l.) und Herthas Ondrej Duda im Zweikampf

Darmstadts Sebastian Hertner (l.) und Herthas Ondrej Duda im Zweikampf

Foto: dpa/Uwe Anspach

Der offizielle Mann des Tages stapfte mit einer kleinen Trophäe in die Katakomben des Stadions am Böllenfalltor, der inoffizielle wurde hingegen schnell abgefangen. Youngster Maximilian Mittelstädt (21) musste nach Herthas 2:0 (0:0) im DFB-Pokal bei Zweitligist Darmstadt zur Dopingprobe, also war Altrocker Vedad Ibisevic (34) mal wieder gefordert, um Rede und Antwort zu stehen. Eine Momentaufnahme, die perfekt ins Bild passte, denn auf dem Platz war es zuvor am Dienstagabend ja nicht anders gewesen. Der Bosnier hatte unmittelbar nach seiner Einwechslung mit seinem ersten Ballkontakt die Führung erzielt (64. Minute) und dem bis dahin zähen Spiel die entscheidende Wendung verliehen. Später erlöste Mittelstädt den Favoriten mit dem zweiten Treffer (88.). Auch er war von der Bank gekommen. Es war der Tag der Joker bei den Berlinern.

„Ich hatte eigentlich gehofft, dass die Jungs das ohne mich erledigen“, sagte Ibisevic, „aber so hat es sich auch überragend angefühlt. Ich glaube, mit einem ersten Ballkontakt habe ich noch nie getroffen.“ Die jüngeren Kollegen wussten ganz genau, bei wem sie sich zu bedanken hatten: „Da merkt man seine ganze Erfahrung“, sagte Mittelfeldspieler Arne Maier, „Vedad stand bei seinem Abstauber genau da, wo man stehen muss.“

Die nächste Hürde zum Sehnsuchtsziel Pokalfinale im eigenen Stadion ist also genommen. Anders als im Vorjahr, als Hertha in der zweiten Runde gegen den 1. FC Köln patzte, stolperten die Berliner diesmal nicht. „Ich wünsche euch, dass ihr euch euren Traum endlich mal erfüllt“, sagte Darmstadts Trainer Dirk Schuster. Bis zum Endspiel im Olympiastadion braucht es jetzt noch drei Siege.

Hertha-Coach Pal Dardai hatte seine Startelf auf fünf Positionen umgestellt, setzte mit Marvin Plattenhardt, Vladimir Darida und Javairo Dilrosun auf mehr Offensive, kehrte zudem zum 4-2-3-1-System zurück. Die markantesten Umstellungen fanden sich an den beiden Enden des Platzes: Stammkeeper Rune Jarstein und Kapitän Ibisevic wurden geschont, für sie durften Thomas Kraft und Davie Selke ran.

Zunächst tat sich wenig auf dem Rasen. Hertha bekam keine Kontrolle ins Spiel, stattdessen sahen die 15.000 Zuschauer viel Hektik. Die äußeren Bedingungen waren schwierig: In Berlin bei Sonne und 20 Grad gestartet, wurden die Hertha-Profis in Darmstadt von Kälte, Nässe und Wind empfangen. Dazu kam der geänderte Ablauf. Weil die Berliner mit ihrem Teambus lange im Stau standen, wurde der Anstoß 15 Minuten nach hinten verschoben.

Den Darmstädtern war’s reichlich egal, sie setzten erwartungsgemäß auf Kampf und Leidenschaft. Hertha fehlte es an Kombinationssicherheit und Souveränität, erst eine Schlussoffensive kurz vor der Pause sorgte für gehobene Stimmung bei den rund 800 mitgereisten Fans, die sich friedlich verhielten. Dreimal hieß der Vorbereiter Plattenhardt, einmal scheiterte Selke (35.), zweimal Salomon Kalou (37., 39.).

Nach dem Seitenwechsel aber strafften sich die Berliner, wirkten nun entschlossener und bugsierten den Ball durch Ondrej Duda sogar schon ins Tor (52.). Doch Schiedsrichter Robert Kampka hatte ein Stürmerfoul von Selke gesehen. Der musste kurz darauf für Ibisevic weichen. Und nur 37 Sekunden später schlug es ein. Einen abgewehrten Schuss von Duda schob der Bosnier über die Linie – 1:0 (64.).

Die Berliner kassieren 664.000 Euro Prämie

Weil sich Darmstadt nie aufgab, hing der Sieg aber weiter am seidenen Faden. Die Gäste waren im Glück, dass Serdar Dursun aus sieben Metern am Ball vorbei trat (73.). Besser machte es Herthas zweiter Joker Mittelstädt, bei seinem ersten Profi-Tor überhaupt. Ein satter, platzierter Schuss von der linken Strafraumkante, Unterkante Latte, Tor, 2:0 (88.). Dass Ibisevic in der Nachspielzeit noch den dritten Treffer liegen ließ, konnte die Freude nicht mehr trüben. Die Berliner kassieren für den Einzug ins Achtelfinale 664.000 Euro Prämie. Der Gegner dort wird am Sonntag ausgelost (18 Uhr, ARD).

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