Gegenwind für Hertha

Neues Stadion: Abgeordnete stellen Standort in Frage

Hertha will ein Stadion auf dem Olympiagelände bauen. Die Zustimmung des Parlaments wird benötigt. Einige halten wenig von den Plänen.

Herthas mögliche Arena im Olympiapark (M) auf dem Gelände des jetzigen Olympiastadions (l)

Herthas mögliche Arena im Olympiapark (M) auf dem Gelände des jetzigen Olympiastadions (l)

Foto: AS+P / dpa

Berlin. Hertha BSC will ab 2025 in einer eigenen Fußball-Arena spielen. Die soll, so wünschen es sich die Verantwortlichen des Bundesligisten, im Olympiapark unweit vom Olympiastadion stehen. Ob es aber so kommt, ist nach einer intensiven Sitzung im Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am Freitag offen.

Klaus Teichert, der Stadion-Manager von Hertha, trug vor, wie sich der Klub auf das Vorhaben vorbereitet. Etwa mit einer Verkehrszählung an einem Bundesliga-Spieltag. Oder einer Schalllevel-Simulation durch ein Akustikbüro, inklusive Vergleich mit dem Olympiastadion und anderen Arenen. Auch hat Hertha eine Artenschutz-Voruntersuchung vornehmen lassen. Teichert bot an, sämtliche Resultate den Abgeordneten zur Verfügung zu stellen. Doch im Sportausschuss blies ihm – und damit Hertha – ein erheblicher Gegenwind ins Gesicht.

Kritik an Bodenrichtwerten und Wegfall von Wohnraum

Zwar bekannte der für Sport zuständige Innensenator Andreas Geisel (SPD): „Hertha ist ein Berliner Verein. Wir wollen ihn aus sportlichen und wirtschaftlichen Gründen in der Stadt halten.“ Im Detail jedoch erklärten die Abgeordneten vor allem ihre Unzufriedenheit. Es geht um vier Bereiche: Bei einem Arena-Neubau müssten in der Sportforumstraße zwei Gebäude mit 24 Wohnungen abgerissen werden. Für die Anwohner gilt es, gleichwertigen Ersatz in der Nähe zu finden. „Wir sind im Dialog mit der Eigentümergenossenschaft“, sagte Teichert: „Ich bitte um Verständnis, dass wir bisher nicht mit Mietern geredet haben.“ Das sei erst möglich, wenn konkrete Ausweichlösungen vorliegen. Daran arbeite Hertha. Teicherts Antwort wurde quer durch alle Parteien als ungenügend empfunden. Die ähnliche Argumentation von Teichert zur Bildungsstätte der Sportjugend Berlin, deren Gebäude ebenfalls umgesiedelt werden müsste, stieß ebenso auf Ablehnung.

Erhebliche Unterschiede gab es beim Thema Geld. Da geht es um die Frage, wie viel Erbbaupacht Hertha für das Grundstück zahlen müsste, auf dem die neue Arena errichtet werden soll. Teichert legte eine Bodenrichtwertkarte von 2018 vor. Diese Werte erhebt das Land Berlin regelmäßig. Dort ist das entsprechende Gelände mit 20 bis 50 Euro pro Quadratmeter veranschlagt. Diese Summe wurde von einigen Abgeordneten als viel zu gering angesehen. Laut Geisel wird derzeit ein Gutachter gesucht, der einen angemessenen Wert ermitteln soll.

Kritik erntete Teichert für den Umgang bei der Frage: Wie finanziert Hertha ein neues Stadion? „Es gibt reges Interesse im Markt. Wir haben ein Modell, wie die Finanzierung gesichert werden kann“, so Teichert. Es handele sich um ein Vermögensgeschäft. Die werden im Senat im Vermögensausschuss nicht öffentlich behandelt. Auf Nachfragen, wie Hertha ein Stadion konkret bezahlen will, antwortete Teichert: „Wir werden nicht öffentlich sagen, wer unsere Finanzierungspartner sind. Der Innensenator hat eine Fertigstellungsgarantie gefordert: Diese Bürgschaft geben wir eins zu eins an das Land Berlin weiter. Wir werden aber nicht sagen, wer welche Tranchen an der Finanzierung hält.“ Darüber wunderte sich ein Abgeordneter: Herthas Mitglieder würden schließlich sicher genau wissen wollen, wer das neue Stadion finanzieren werde.

Kategorisch schloss Teichert Geisels Wunsch aus, Topspiele nicht in der Arena (55.187 Plätze), sondern im Olympiastadion (75.000) auszutragen: „Die SPD hält ihre Parteitage auch nicht im Konrad-Adenauer-Haus ab.“

Ein weiterer Punkt besorgt die politisch Verantwortlichen. „Für uns ist das A und O, ob das Olympiastadion 2025 wirtschaftlich weitergeführt werden kann“, sagte Staatssekretär Aleksander Dzembritzki (SPD). Das aber ist Aufgabe des Eigentümers, des Landes Berlin – und nicht die von Mieter Hertha. Philipp Bertram (Linke) sagte: „Wir bekommen nicht geklärt, wie die Wirtschaftlichkeit des Olympiastadions geklärt werden kann.“

Hertha gerät allmählich in zeitliche Bredouille. Im Abgeordnetenhaus wollen sie wissen: Was passiert mit den Mietern der 24 Wohnungen, was mit der Jugendbildungsstätte? Wie sieht die Perspektive fürs Olympiastadion aus? Erst wenn das alles klar ist, würde das Parlament wohlwollend über einen Erbbauvertrag nachdenken. Doch Hertha argumentiert, dass der Klub die Einigung über das Grundstück in diesem Jahr oder spätestens Anfang 2019 benötige. Nur so lasse sich der Traum von der neuen Arena 2025 erfüllen.

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