Treffen zwischen dem VfL Wolfsburg und Hertha BSC am Mittellandkanal sollten sich die Anhänger beider Klubs künftig in der Rubrik „spektakulär“ vormerken. Diesmal gab es vier Tore, am Ende stand ein 2:2 (0:0) auf der Anzeigentafel. Wie schon im Vorjahr, als es in Wolfsburg 3:3 endete, war der Videobeweis an entscheidender Stelle im Einsatz.

„Das war nie ein Foul und deshalb auch kein Elfmeter“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai zu der am meisten diskutierten Aktion in der 87. Minute. Herthas Arne Maier hatte an der Strafraumgrenze den Wolfsburger Maximilian Arnold getroffen, der nur auf diesen Körperkontakt gewartet hatte und sich sofort hinwarf. Schiedsrichter Christian Dingert hatte auf Freistoß entschieden – und wurde dann aus dem Videokeller in Köln informiert, dass die Aktion eher Zentimeter im Strafraum stattgefunden hat als außerhalb. Statt sich die Sequenz selbst noch einmal auf dem TV-Schirm an der Seite anzuschauen, entschied der Unparteiische auf Elfmeter. Den versenkte Yunus Malli zum 1:1 (87.).

Arne Maier mit unglücklichem Einsatz gegen Arnold

„Nie im Leben ein Foul“, sagte Hertha-Kapitän Vedad Ibisevic, nachdem er die Szene in der Interviewzone gesehen hatte. Auch Maier war bedient: „Es wird ein paar Tage dauern, bis ich das verdaut habe. Wenn das ein Elfmeter ist, weiß ich auch nicht mehr. Er springt nicht mal hoch, und dann geht sein erster Blick sofort zum Schiedsrichter.“ Der Gefoulte sah es erwartungsgemäß etwas anders. Maier müsse noch lernen, „dass er im oder am Strafraum so nicht hingehen kann“, meinte Arnold: „Zu 50 Prozent war das vielleicht Cleverness, aber zu 50 Prozent auch Blödheit.“

Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, das Topspiel des dritten Bundesliga-Spieltages auf die Elfmeterentscheidung zu reduzieren. Während an der Seitenlinie VfL-Trainer Bruno Labbadia noch den Ausgleich feierte, schlug Hertha eiskalt zurück. Nach einem üblen Foul von Ignacio Camacho an Ondrej Duda legte sich der Slowake den Ball zum Freistoß zurecht. Während die VfL-Mauer erwartungsgemäß hoch sprang – schließlich hatte Duda im letzten Bundesligaspiel auf Schalke aus dieser Entfernung ein Freistoßtor hoch unter die Latte erzielt – schob der Herthaner den Ball diesmal flach unter der Mauer ins kurze Eck, 1:2 (90.+1). „Ondrej ist ein schlauer Spieler“, lobte Trainer Dardai.

Aber immer noch war nicht Schluss vor den lediglich 25.090 Zuschauern in der Volkswagen Arena. Der VfL bewies, warum er ebenso wie Hertha mit zwei Siegen in die Saison gestartet war. Wolfsburg warf alles nach vorn. John Brooks verlängerte eine weite Flanke im Berliner Strafraum auf Admir Mehmedi, der sofort abzog. Doch ehe der Schiedsrichter auf Tor erkannte, verging wieder einige Zeit. In Köln wurde geprüft. Abseits? Die Entscheidung lautete: Nein, also 2:2 (90.+3). „Das war ein brutale Intensität in diesem Spiel, keine Mannschaft wollte sich geschlagen geben“, lobte Labbadia: „Hertha ist echt cool, die lassen sich nicht beeindrucken.“

Startelf-Debütant Dilrosun gelingt sein erster Treffer

In Führung gegangen waren die Gäste durch ihren Debütanten. Javairo Dilrosun, erstmals in der Startelf, spritzte in einen schwachen Pass des Wolfsburgers William. „Ich hatte keinen Gegenspieler vor mir und bin erst mal gelaufen“, beschrieb Dilrosun seinen 40-Meter-Sprint durch die Wolfsburger Hälfte. „Dann war nur noch ein Gegenspieler da und ich habe gesehen, dass das rechte Eck frei war.“ Also zirkelte der 20-Jährige den Ball um Robin Knoche herum, unten rechts schlug es im VfL-Tor ein, 0:1 (61.) – das erste Bundesligator des Stürmers, den Hertha im Sommer für kleines Geld aus der Nachwuchsabteilung von Manchester City verpflichtet hatte.

Kapitän Ibisevic, mit 34 Jahren der Senior im Team, war angetan: „Ich sehe ja im Training, dass wir viele Junge mit viel Qualität haben. Schön, wenn sie das so schnell im Spiel zeigen.“

Kein Thema war am Ende mehr die schwache Anfangsviertelstunde, in der Hertha sich vor allem bei Torwart Rune Jarstein bedanken konnte, dass die Gäste nicht früh in Rückstand geraten waren. Der Norweger parierte unter anderem gegen Jerome Roussillon (2.) und Wout Weghorst (8.).

Torunarigha muss verletzt vom Platz

Es dauerte eine Viertelstunde, bis die Berliner drin waren in der Partie. Es macht sich bemerkbar, dass Hertha mit Arne Maier, Marko Grujic und Ondrej Duda mittlerweile drei Spieler im Zentrum hat, die auch unter Bedrängnis den Ball haben wollen und behaupten.

Obwohl der Hauptstadt-Klub am Ende zweimal eine Führung hergeben musste, sagte Trainer Dardai: „Das war ein gutes Bundesligaspiel, beide Mannschaften sollten zufrieden sein mit dem Punkt. Wir reisen mit guter Laune nach Hause.“ Hertha ist nach drei Runden mit sieben Zählern weiter ungeschlagen und liegt auf Rang vier.

Einziger Wermutstropfen: Innenverteidiger Jordan Torunarigha, der im Vorfeld über Beschwerden an der Achillessehne geklagt hatte, musste eben wegen Achillessehnenproblemen ausgewechselt werden. Am kommenden Sonnabend tritt Borussia Mönchengladbach im Olympiastadion an.