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Geht Marvin Plattenhardt oder bleibt er?

Am Donnerstag entscheidet sich, ob Marvin Plattenhardt Hertha BSC Richtung England verlässt.

Im Hertha-Trainingslager in Österreich geht es für Marvin Plattenhardt auch darum, sich nicht zu verletzen

Im Hertha-Trainingslager in Österreich geht es für Marvin Plattenhardt auch darum, sich nicht zu verletzen

Foto: EIBNER/EXPA/Martin Huber / imago/Eibner Europa

Schladming.  Marvin Plattenhardt übt sich im Trainingslager in der Steiermark in der Kunst, sich unsichtbar zu machen. Der deutsche Nationalspieler von Hertha BSC ist bei allen Übungen aufmerksam dabei, ebenso bei den Taktikformen. Wird jedoch gespielt, wird Herthas einziger deutscher WM-Starter in der B-Elf aufgeboten. Dort bekleidet Plattenhardt seine Position ganz außen links. Mal trabt er einige Schritte nach vorn, dann wieder nach hinten. Vor allem aber vermeidet Plattenhardt Zweikämpfe und Dribblings. Wird er angespielt, schaut der Linksverteidiger zu, den Ball möglichst rasch wieder los zu werden.

Auf der Tribüne unken einige Fans, Plattenhardt habe keine Lust. Aber das ist es nicht – im Gegenteil. Hertha BSC und Plattenhardt befinden sich in einem schwierigen Spagat. Über allem steht im Moment: Der Spieler soll fit sein – und auf jeden Fall unverletzt.

Einerseits ist es kein Geheimnis, dass der Marktwert des 26-Jährigen noch nie so hoch war wie im Moment. Plattenhardt hat in Berlin einen Vertrag bis 2023. Aber, passt alles, kann er sich einen Wechsel ins Ausland vorstellen.

Linksverteidiger von internationaler Klasse sind rar, europaweit begehrt – und teuer. Bei einer Ablöse von rund 25 Millionen Euro wäre Hertha bereit, den Spieler abzugeben. Nicht nur, dass es sich dabei um die höchste Einnahme handeln würde, die der Bundesligist jemals erzielt hat. Vor allem würde ein solcher Deal den Handlungsspielraum von Hertha erweitern. Bekanntlich wird nach einem torgefährlichen, offensiven Mittelfeldspieler gesucht.

Auch ein Wechsel nach Italien oder Spanien ist vorstellbar

Dem Vernehmen nach gibt es mehrere Optionen für Plattenhardt. Die Option England ist nur noch bis heute, 18 Uhr deutscher Zeit, möglich, dann endet die Frist, in der Premier-League-Klubs einkaufen dürfen. Heißt: Trainiert der Berliner am Donnerstag in Österreich mit Hertha, gibt es keinen Wechsel auf die Insel.

Aber es gibt weitere Möglichkeiten. Auch ein Wechsel nach Italien oder Spanien ist vorstellbar für Plattenhardt. Dort ist das Transferfenster bis zum 31. August geöffnet. Allerdings gibt es auch Hürden. Mancher Interessent hat eingeräumt, Plattenhardt erst verpflichten zu können, wenn zuvor ein anderer Deal geklappt hat.

Es ist also ähnlich wie bei Hertha: Manager Michael Preetz kann mit möglichen Plattenhardt-Millionen einen Offensivspieler mit höherer Qualität verpflichten. Gleichzeitig muss der Manager vorbereitet sein, auch ohne einen Plattenhardt-Transfer die dringend benötigte Verstärkung zu finden. Seit Jahren krankt das Hertha-Spiel daran, dass zu wenig Torchancen herausgespielt werden. Ein Kreativ-Spieler steht ganz oben auf Herthas Wunschzettel.

Andrerseits will Hertha unbedingt den Eindruck vermeiden, Plattenhardt loswerden zu wollen. Trainer Pal Dardai sagt dazu im Trainingslager: „Marvin fühlt sich wohl bei uns. Wir arbeiten gern mit ihm. Ich habe immer gesagt: Wenn Marvin geht, müssen alle glücklich sein: Er muss glücklich sein und wir auch.“

Ob der Trainer oder Manager Preetz, alle verweisen auf den Respekt vor Plattenhardt. Meint: Eine Lösung soll als erstes dem siebenmaligen Nationalspieler gefallen. Hertha hat gelernt. Ein Transfer wie der 2012 von Raffael soll sich nicht wiederholen. Der Wechsel des damals wertvollsten Hertha-Profis zu Dynamo Kiew hatte dem Hauptstadtklub zwar dringend benötigte acht Millionen Euro Ablöse gebracht. Doch Raffael traf in der Ukraine auf chaotische Umstände, wurde alsbald aus der ihm zugesicherten Villa geworfen, spielte kaum und wollte nach wenigen Wochen nur noch eines: raus aus seinem Vier-Jahres-Vertrages.

Plattenhardt hat hinterlegt, dass das Gesamtpaket von neuem Klub, sportlicher Perspektive, Gehalt und der Stadt, in die es gehen würde, stimmen soll. Nun läuft die Zeit. Das Transferfenster in England schließt an diesem Donnerstag. In den meisten anderen Ligen darf bis Ende August, eingekauft werden.

Von den Beteiligten gibt es derzeit nichts zu hören oder nur positive Worte. Weil mitzudenken ist: So kompliziert wie der Transfermarkt ist, gibt es auch die Option, dass alles so bleibt, wie es ist. Für den Fall, dass Plattenhardt am 1. September weiter das Hertha-Trikot trägt, soll der Draht zum Trainer weiter gut sein. Oder, um es mit den Worten von Pal Dardai zu sagen: „Wenn mit Marvin nichts passiert, sind wir sowieso glücklich.“

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