Bundesliga

Dardai legt sich fest: Ibisevic bleibt Hertha-Kapitän

Der Ausfall von Torjäger Davie Selke bis in den Herbst hinein hat die Statik in Herthas Offensive verändert.

Der Hertha-Vertrag von Vedad Ibisevic (r.), hier im Testspiel in Neuruppin gegen Dukla Prag, läuft bis Juni 2019

Der Hertha-Vertrag von Vedad Ibisevic (r.), hier im Testspiel in Neuruppin gegen Dukla Prag, läuft bis Juni 2019

Foto: imago sport / imago/Matthias Koch

Berlin.  Eine der Fragen, die traditionell die Fans von Hertha BSC vor dem Spieljahr interessiert: Wer wird in der neuen Saison Kapitän? Die Recherche am Rande des ersten Trainings des Berliner Bundesligisten nach einwöchiger Pause war kurz. Trainer Pal Dardai schaute nur kurz hoch, während er jungen Trainingskiebitzen ein Autogramm auf das Trikot schrieb: „Vedad bleibt Kapitän.“ ­Gemeint ist Vedad ­Ibisevic, seit 2015 Torjäger bei Hertha. Im Sommer 2016 war der manchmal impulsive und temperamentvolle Bosnier von Dardai zum Kapitän ­befördert worden.

Ibisevic findet, dass das Amt ihn nicht verändert hat. Beobachter stellen jedoch fest, dass der regelmäßige, informelle Kontakt mit den Schiedsrichtern Ibisevic durchaus in eine andere Position gegenüber den Spielleitern ­gebracht hat.

Stellvertreter-Frage ist noch offen

Bei der Frage nach den beiden Stellvertretern des Kapitäns zuckt Dardai mit den Schultern. „Das entscheiden wir nach dem Trainingslager in Schladming.“ Im vergangenen Sommer war der Job des Vize-Kapitäns an Per Skjelbred und Sebastian Langkamp vergeben worden. Langkamp hat Hertha im Februar Richtung Bremen ­verlassen, in der Rückrunde trug Peter Pekarik mehrfach die Binde des Spielführers.

Bleibt die Frage: Was bedeutet es für Hertha, wenn Ibisevic Kapitän bleibt? Denn so selbstverständlich, wie sich diese Entscheidung anhört, ist sie nicht. Ibisevic wird am 6. August 34 Jahre alt, er ist damit der Senior im Kader. Sturmkollege Salomon Kalou feiert einen Tag zuvor seinen 33. Geburtstag. Auch wenn Herthas Altrocker-Sturm vergangene Saison für 18 Bundesliga-Tore und sieben Vorlagen gut war – der Generationswechsel im Hertha-Angriff läuft. Die Klub-Verantwortlichen wollten weder Ibisevic noch Kalou wegschicken. Hätte aber Ibisevic, der auch US-Staatsbürger ist, den Wunsch geäußert, seine Karriere etwa in den USA beenden zu wollen und ein konkretes Angebot vorgelegen ...

Schweres Auftaktprogramm

Doch diese Überlegungen sind hinfällig geworden. Der langfristige Ausfall von Davie Selke (23), der wegen seiner Operation nach einer Brustkorb-Verletzung wohl erst im Herbst zurück­erwartet wird, hat die Statik in der Hertha-­Offensive verändert.

Die Berliner haben ein anspruchsvolles Auftaktprogramm in der Liga. Nach dem Heimspiel-Start gegen Nürnberg (25. August), geht es nach Schalke und Wolfsburg, daheim gegen Mönchengladbach, auswärts nach Bremen, am sechsten Spieltag kommt der FC Bayern. Hertha hat eine Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Nun, da Selke, der ein fulminantes erstes Jahr mit 14 Pflichtspiel-Toren hatte, bis in den Herbst hinein nicht zur Verfügung steht, ist der Faktor Erfahrung wichtig.

Dardai stärkt seinen Leitwolf

Auch Ibisevic hat registriert, dass er in der vergangenen Bundesliga-Saison auf „nur“ 27 Einsätze kam, davon neun als Einwechselspieler. Doch mit der demonstrativen Entscheidung von Pal Dardai, dass Ibisevic auch 2018/19 Hertha-Kapitän bleibt, stärkt der Trainer seinen Leitwolf. Ibisevic ist ein widerspenstiger Geist, er ist niemand, der sich von Problemen erschrecken lässt. So jemanden kann eine Mannschaft gut brauchen, falls ein stürmischer Herbst auf Hertha zukommt.

Und die Spieler von Hertha? Denen hatte Trainer Dardai mit Blick auf Hitzetemperaturen folgendes angeboten: Das Vormittagstraining von 10 auf 9 Uhr vorzuziehen und das 16-Uhr-Training in den Abend zu verschieben. Einhellige ­Antwort der Gruppe: Nö, Trainer – 10 und 16 Uhr, wir nehmen die Heraus­forderungen, wie sie kommen.

Pronichev wird für eine Saison verliehen

Nach einigem Hin und Her konnte Hertha wie gewünscht Maximilian Pronichev (20) für eine Saison an Zweitligist FC Erzgebirge Aue verleihen. Pronichev, ein gebürtiger Berliner mit russischen Wurzeln, hat mit 15 Toren bei 19 Regionalliga-Einsätzen für Herthas U23 den Sprung in den Männerbereich ­bereits geschafft. Hertha-Manager ­Michael Preetz sagte: „Maxim ist ein spannendes Talent. Jetzt kann er den nächsten Schritt machen und in der Zweiten Liga Spielpraxis auf hohem Niveau ­sammeln.“

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