BUNDESLIGA

Plattenhardt ist begehrt wie nie

Bei 25 Millionen Euro ist Hertha BSC gesprächsbereit. Offen ist noch die Zukunft von Ibisevic und Kalou.

Umschwärmt: Marvin Plattenhardt, WM-Fahrer von Hertha BSC, wird auf der Strandpromenade in Sotschi von deutschen Fans zum Selfie gebeten

Umschwärmt: Marvin Plattenhardt, WM-Fahrer von Hertha BSC, wird auf der Strandpromenade in Sotschi von deutschen Fans zum Selfie gebeten

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Berlin.  Nein, die WM-Starter von Hertha BSC sind natürlich noch nicht dabei, wenn der Berliner Fußball-Bundesligist am Donnerstag zum Trainingsstart in die Saison 2018/19 lädt. Marvin Plattenhardt will mit der deutschen Mannschaft möglichst bis zum Turnierende Mitte Juli in Russland bleiben. Mathew Leckie wird nach dem Aus mit Australien jetzt zunächst einen drei­wöchigen Urlaub antreten.

Dafür wird Trainer Pal Dardai in einige neue Gesichter blicken, wenn die Profis sich um 15.30 Uhr im Amateurstadion treffen. Mit Javairo Dilrosun (20 Jahre/von Manchester City), Lukas Klünter (22/1. FC Köln) und Pascal Köpke (22/Erzgebirge Aue) sind die drei Zugänge dabei, die Manager Michael Preetz bisher verpflichtet hat. Auch Maximilian Pronichev (20) wird anrücken, der Torjäger aus der U23, der in 19 Regionalliga-Spielen 15 Tore erzielte, hat inzwischen einen Profivertrag erhalten.

Sturm-Talent Kiprit unterschreibt langfristig

Unmittelbar vor der ersten Einheit einigte Manager Michael Preetz mit Muhammed Kiprit (19) auf eine weitere Zusammenarbeit. Der Stürmer unterschrieb einen langfristigen Vertrag.

Vor Hertha BSC liegt eine richtungsweisende Saison – wieder einmal. Positiv formuliert liest sich die Bilanz der vergangenen drei Jahre unter ­Trainer Pal Dardai wie folgt: Rang 7, Rang 6, Rang 10 – drei Jahre, in denen Hertha nichts mit dem Abstieg zu tun hatte – das hat es zuletzt in der Ära unter Trainer Jürgen Röber gegeben. Und dessen Amtszeit endete 2002.

Mit Weiser ist ein Kreativspieler gegangen

Was ist von Hertha 2018/19 zu erwarten? Die Antworten hängen davon ab, mit welchen Verantwortlichen man spricht. Die zurückhaltende Meinung lautet: Nach dem Abgang von Mitchell Weiser (für zwölf Millionen Euro Ablöse zu Bayer Leverkusen) verfügt Hertha über keinen Unterschiedsspieler mehr. Anders formuliert: Der Hauptstadt-Klub gehört zum Pulk jener zehn, zwölf Bundesligisten, für die es vorrangig ­darum geht, nichts mit dem Kampf um den Klassenerhalt zu tun zu haben.

Die optimistische Haltung, die in der Klubführung anzutreffen ist, lautet: Mit diesem Kader ist mehr möglich als in der vergangenen Saison. Dafür müssen sich alle entwickeln: Etwa Niklas Stark, der einiges Lehrgeld gezahlt hat im Ausbildungsjahr als Abwehrchef. Zudem sind die Jungen wie Arne Maier oder Jordan Torunarigha im Kommen.

Auch Trainer Dardai wird beobachtet

Auch von Trainer Dardai werden nächste Schritte erwartet: mehr fußballerische Fortschritte, mehr taktische Raffinesse, persönliche Entwicklung.

Der taktische Schwerpunkt der Vorbereitung wird im Einstudieren einer Dreier-Abwehrkette liegen. Dafür vorgesehen sind Stark, Karim Rekik und Torunarigha. Das 3-5-2-System soll neben das zuletzt gespielte 4-2-3-1 rücken. Ziel ist es, unberechenbarer zu werden und mehr Chancen heraus zu spielen. Hertha will (und muss) in Sachen attraktiver Spielweise zulegen. Dass der Schnitt der zahlenden Zuschauer im Olympiastadion in der vergangenen Saison von 47.000 auf rund 41.000 gesunken ist, gefällt ­niemandem im Klub.

Interesse aus der Premier League

Die wichtigste Frage jedoch, wie genau der Hertha-Kader aussieht, lässt sich erst mit dem Ende der Wechselfrist am 31. August beantworten. Möglich ist, dass namhafte Profi den Klub noch verlassen. So gibt es Interesse aus der Premier League an Marvin Plattenhardt, etwa vom FC Everton. Gute Linksverteidiger sind weltweit rar und begehrt. Hertha plant grundsätzlich mit dem 26-Jährigen, sein Vertrag in Berlin läuft bis 2023. Wirtschaftlich betrachtet muss man einräumen: Der Marktwert Plattenhardts als WM-Teilnehmer mit Deutschland wird wohl nie wieder so hoch sein wie in diesem Sommer. Es ist kein Geheimnis, dass die Premier League ein Wunschtraum Plattenhardt ist – bei einem Angebot in Größenordnung von 25 Millionen Euro ist Hertha gesprächsbereit. Zur Einordung: Borussia Dortmund meldet die Verpflichtung von Linksverteidiger ­Abdou Diallo – Ablöse: 28 Millionen.

Auch bei den Lebensversicherungen der vergangenen Spielzeiten, Salomon Kalou und ­Vedad Ibisevic, ist die Situation offen. Einerseits lehrt die Erfahrung: Einen Torjäger gibt man nur ab, wenn man gleichwertigen Ersatz hat. Aber Kalou wird in diesem Sommer 33 Jahre, Ibisevic 34. Denkbar also, dass ihre Einsatzzeiten kürzer werden. Grundsätzlich können sich beide ein Karriere­ende in den USA vorstellen...

Ein rechter Innenverteidiger wird gesucht

Bleibt die Frage: Wieviel Neue kommen noch? Antwort: Kommt drauf an. In jedem Fall gesucht, wird ein torgefährlicher, schneller und kreativer Offensivspieler. Also einer aus der teuren Kategorie, in der viele Vereine suchen. Auch ein erfahrener rechter Innenverteidiger soll kommen. Allerdings erst zum Ende der Vorbereitung. Das Trainerteam will schauen, wie sich die Youngster Florian Baak (19) und ­Sidney Friede (20) entwickeln.

Wird Plattenhardt verkauft – dieses Thema wird erst nach der WM angegangen – , besteht Bedarf auf der linken Seite. Das gleiche gilt, falls einer der Alt-Rocker Ibisevic oder Kalou abgegeben wird.