Uli Hoeneß ist eine imposante Erscheinung. Beim Präsidenten des FC Bayern München kommt ja einiges zusammen, Erfolgsaura, Machtmensch-Habitus, „Mia san Mia“-Attitüde – nennen Sie es, wie Sie wollen. Die Körpermaße des stolzen Bajuwaren tun dabei ihr Übriges. 1,81 Meter, nicht hünenhaft zwar, aber alles andere als klein, dazu eine kräftige Statur, die zumindest erahnen lässt, dass er sich nebenberuflich viel mit Fleisch auseinandersetzt (Funfact: 1999 wurde der Wurstfabrikant Hoeneß zum „Botschafter der Deutschen Wurst“ ernannt). Als besagter Uli Hoeneß also dieser Tage über seinen ziemlich besten Freund und Helfer Jupp Heynckes sprach, den Trainer-Rückkehrer, mit dem Hoeneß nur allzu gern in die Zukunft gehen würde, zeichnete er ein leicht verstörendes Bild. „Wir werden versuchen, den Jupp zu charmeurisieren“, erzählte Hoeneß, „und wenn ich ziemlich nackt vor ihm stehe, habe ich vielleicht eine kleine Chance.“ Ein Satz, der natürlich nur im übertragenen Sinn gemeint war, aber Sie kennen das: Wenn das Kopfkino erst mal anläuft, lässt es sich kaum noch stoppen.
Wie ernst es Hoeneß mit den Umgarnungsversuchen ist, belegte eine andere Aussage. „Es gibt keinen Plan B“, beteuerte das Oberhaupt der Bayern-Familie. Glauben muss man das freilich nicht, schließlich winkt der 72 Jahre alte Heynckes seit Wochen genervt ab. Im Oktober war der Erfolgscoach nur Hoeneß zu Liebe aus dem Ruhestand auf die Trainerbank zurückgekehrt, allerdings unter der Prämisse, sich ab Sommer wieder dem Müßiggang widmen zu können. Nun einzig und allein auf einen Sinneswandel des Rheinländers zu hoffen, wirkt aus Bayern-Sicht grob fahrlässig.
Trainer der Kategorie „Plan A“ sind rar gesät
Dass die Bayern derzeit so verlegen agieren, liegt an einem Dilemma, mit dem derzeit viele Bundesligisten zu kämpfen haben. Trainer der Kategorie „Plan A“ sind derzeit rar gesät auf dem Markt. Egal an welchem Standort just ein Übungsleiter entlassen wurde – die Namen potenzieller Nachfolger hinterlassen bei den jeweiligen Fans meist eine Mischung aus Verwunderung und Frust. Beispiel VfB Stuttgart: Dort entließ die Klubführung in dieser Woche Hannes Wolf, der bei seiner Verpflichtung noch als „nächster Jürgen Klopp“ gefeiert wurde. Sein Erbe tritt nun Tayfun Korkut an, ein Trainer, dessen Name weit mitreißender daherkommt als der Fußball, den er spielen lässt.
Auch beim chronisch kriselnden HSV hat nach der Trennung von Markus Gisdol der Plan B überrascht. Bernd Hollerbach hat übernommen, ein Coach, dessen größter Erfolg bislang der Aufstieg mit den Würzburger Kickers in die Zweite Liga war, gefolgt vom sofortigen Wiederabstieg. Danach hing Hollerbach den Trainerposten bei den Kickers an den Nagel, allerdings nicht, ohne seinerseits einen Plan B zu aktivieren. Den Würzburgern blieb er dank eines neuen Vertrags als Berater verpflichtet, was aber weder Hollerbach noch den HSV störte. Umso mehr störte es die Würzburger, die vom Bundesliga-Dino prompt eine Entschädigung forderten. Schlussendlich zahlte der HSV – wenn auch nur eine Summe, die Hollerbachs Wert „nicht annähernd gerecht“ wurde, wie es aus Kickers-Kreisen hieß. Statt zu schmollen, entwickelten die Würzburger jedoch flott einen Plan B. Als kleine Retourkutsche spendeten sie die Hälfte des Geldes an den Erzrivalen des HSV, den FC St. Pauli. Ein schöner Beleg dafür, dass eine improvisierte Lösung durchaus Charme haben kann.
Bei Hertha BSC haben sie diese Erfahrung ebenfalls gemacht. Als sich die Berliner 2015 vom erfolglosen Jos Luhukay trennten, stand noch kein Plan B parat. Stattdessen übernahm der damalige U15-Coach Pal Dardai – zunächst nur „bis auf Weiteres“. Während die Klub-Verantwortlichen ihre Fühler nach anderen Lösungen ausstreckten, manövrierte der Ungar das Team erstaunlich souverän durch den Abstiegskampf und ist seither Herthas Gesicht. Kommende Woche geht Dardai in sein drittes Jahr als Cheftrainer, was beweist: Ein fehlender Plan B kann mitunter zu einer echten Eins-a-Lösung führen.


