Bundesliga

Herthas hoher Standard

Die Berliner erzielen ligaweit die meisten Tore nach Standards. Ein Grund dafür: Die Spieler lassen sich selbst Varianten einfallen.

Marvin Plattenhardt (vorn) ist Herthas bester Standardschütze. Hier tritt er einen Freistoß gegen den FC Bayern.

Marvin Plattenhardt (vorn) ist Herthas bester Standardschütze. Hier tritt er einen Freistoß gegen den FC Bayern.

Foto: firo/Sebastian El-Saqqa / picture alliance / augenklick/fi

Berlin.  Ach ja, und Mathew nicht vergessen. Admir Hamzagic (32) kann schon mal kurz ins Straucheln kommen, wenn es darum geht, all die Fußballer mit besonderen Qualitäten im Kopfballspiel von Hertha BSC aufzuzählen. Da wären Karim Rekik, Davie Selke, Vedad Ibisevic, Niklas Stark, Sebastian Langkamp, der nach einer Hüftprellung voraussichtlich erst am Freitag ins Mannschaftstraining einsteigen kann, und eben Mathew Leckie. „Da ist schon ganz schön viel Qualität dabei“, sagt Hamzagic, der als Co-Trainer bei Hertha für die Standardsituationen zuständig ist – und in diesem Bereich extrem erfolgreiche Arbeit leistet.

Die Berliner sind in der Bundesliga die mit Abstand effektivste Mannschaft, wenn es darum geht, Standards zu verwerten. Elf der achtzehn Saisontore fielen nach ruhenden Bällen, das entspricht einem Wert von 61 Prozent. Eintracht Frankfurt, der Gegner am Sonntag im Olympiastation (15.30 Uhr/Sky) kommt mit fünf von vierzehn Toren nur auf 36 Prozent. Beim Sieg in Köln ging die Mannschaft von Trainer Pal Dardai im Anschluss an einen Eckball in Führung, das 2:0 resultierte aus einem Elfmeter. So soll es weitergehen.

Plattenhardt und Weiser als wertvolle Vorlagengeber

Hertha hat es geschafft, eine langjährige Schwäche in eine Stärke zu verwandeln. Vor rund elf Monaten war der Berliner Klub noch der am wenigsten effiziente aller Bundesligisten nach ruhenden Bällen. Dass sich das innerhalb so kurzer Zeit verändert hat, hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Im Sommer wurden in Person von Rekik, Selke und auch Leckie sehr gute Kopfballspieler verpflichtet. Laufen dazu noch Langkamp, Stark oder Ibisevic in den gegnerischen Strafraum ein, wird es für jeden Gegner schwer. „Die anderen Mannschaften müssen sich dann entscheiden, auf wen sie sich konzentrieren und ihre besten Kopfballspieler abstellen. Einer von unseren Jungs ist dann meistens der Nutznießer“, sagt Hamzagic. Hertha haben Standardsituationen in dieser Saison schon mehrfach geholfen. Wenn aus dem Spiel heraus nicht viel funktionierte, so wie in Freiburg (1:1) oder gegen den HSV (2:1), war es umso wichtiger, auf diese Weise zu Torerfolgen zu kommen.

Zur Klasse der Verwerter kommt die Klasse der Vorlagengeber. Marvin Plattenhardt und Mitchell Weiser sind echte Spezialisten, wenn es darum geht, den Ball gefährlich vors Tor zu bringen. „Ich mache nach dem Training immer wieder mal etwas, Mitch auch, und natürlich ist es erfreulich, dass es so gut klappt“, sagt Plattenhardt, dem Hamzagic bescheinigt, sich enorm verbessert zu haben, was die Qualität seiner Flanken angeht. „Da unsere Bälle gut kommen, ist das für den Gegner schwer zu verteidigen“, sagt Plattenhardt. In dieser Saison bereitete der Nationalspieler bereits zwei Treffer mit Standards vor.

Standard-Training immer ohne Zuschauer

Co-Trainer Hamzagic glaubt, dass in dieser Hinsicht noch mehr Potential im Team steckt. „Die Zahlen lesen sich super, aber ich denke, dass wir uns da noch verbessern können“, sagt er. Sein Optimismus komme daher, dass er in den vergangenen Monaten wegen der vielen Spiele in drei Wettbewerben nicht ausgiebig Ecken und Freistöße trainieren konnte. „Wir haben in der Sommerpause einiges dazu gemacht und werden das in der Wintervorbereitung weiter intensivieren“, sagt Hamzagic. Am meisten freue ihn, wenn er im Spiel sehe, wie sich die Spieler eigene Varianten einfallen lassen und eine gewisse Kreativität beim Ausführen der Standards entwickeln. Hamzagic gibt nur mögliche Abläufe unter der Woche vor und lässt diese üben. Wann im Spiel was gemacht wird, steht den Spielern frei. „Wir haben inzwischen eine viel bessere Präsenz im Strafraum, unser Selbstbewusstsein ist da enorm gestiegen“, sagt Hamzagic. Üben lässt er die Situationen stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Herthas Stärke bei Standards mag bekannt sein, wie es dazu im Detail kommt, soll aber ein gut gehütetes Geheimnis bleiben.