Bundesliga

Hertha und das Problem auf der Zehn

Seit Jahren suchen die Berliner einen Spielmacher. Nun ruhen die Hoffnungen auf dem lange verletzten Ondrej Duda.

Herthas Ondrej Duda (vorn) im Duell mit dem Bremer Fin Bartels

Herthas Ondrej Duda (vorn) im Duell mit dem Bremer Fin Bartels

Foto: dpa Picture-Alliance / City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Gleich zu Beginn des Trainingsspiels wurde es laut auf dem Schenckendorff-Platz. Am Rande merkten die prominenten Kiebitze auf, Hertha-Legende Erich Beer und Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann unterbrachen ihre angeregte Unterhaltung und schauten hoch. Die Standpauke, die Pal Dardai hielt, ging an Ondrej Duda. Zwei Tage vor dem ersten großen Test dieser Vorbereitung gegen den FC Liverpool (Sonnabend, 18 Uhr, Olympiastadion) redete der Trainer von Hertha BSC Tacheles.

„Ich habe mir das jetzt einige Tage angeschaut“, sagte Dardai. „Duda ist ein Bundesliga-Spieler, aber mit seinen Querpässen, das geht überhaupt nicht.“ Er habe Duda Anfang der Woche „eine klare Ansage gemacht“ - prompt habe der Mittelfeldspieler bei Ballbesitz, die ganze Mannschaft im Vorwärtsgang, wieder einen Querpass gespielt, der zur leichten Beute für das gegnerische Team wurde. Dardai redete sich in Rage: „Die ganze Bundesliga lauert auf solche Fehler. Es kostet viel Schweiß und viele Sprints, den Ball wieder zurückzuerobern. Und da ist Ondrej nie dabei.“

4,2 Millionen für Duda

Duda steht im Blickpunkt. Er ist ein Zehner, eine Schlüsselposition für jede Mannschaft. Das Spiel von Hertha krankt seit zwei Jahren daran, dass es in der Offensive an Überraschungsmomenten fehlt. Die Berliner sind relativ leicht ausrechenbar: Für Tore sind Salomon Kalou und Vedad Ibisevic gut. Werden sie gedeckt, wird es schwer. Zumal im Vorjahr Mitchell Weiser mit seiner unorthodoxen Spielweise verletzungsbedingt fast ein halbes Jahr passen musste.

Deshalb hatte Hertha im Sommer 2016 Ondrej Duda von Legia Warschau für 4,2 Millionen Euro verpflichtet. Ein Transfer, der den finanziellen Möglichkeiten des Klubs entspricht. „Auf dem deutschen Markt war für uns kein bezahlbarer junger Spieler zu bekommen“, erzählt Hertha-Manager Michael Preetz. „Also haben wir uns im benachbarten Ausland umgeschaut und in der polnischen Liga Ondrej gefunden.“

Duda-Vertrag läuft bis 2021

Die Verantwortlichen trauen dem slowakischen Nationalspieler einiges zu, haben ihn mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet. Die vergangene Saison ist blöd gelaufen für den 22-Jährigen: Eine endlose Knieverletzung warf Duda aus dem Rennen. Am Ende standen auf seinem Einsatzzettel 67 Bundesliga-Minuten. Die vergangene Rückserie hat die Notwenigkeit eines Spielmachers unterstrichen: 18 Tore in 17 Rückrunden-Partien sind zu wenige für eine Mannschaft mit gehobenen Ansprüchen.

Nun drücken alle die Daumen, dass Duda derjenige ist, der Hertha helfen kann. Dahinter schwingt stets die Frage mit: Ist Duda derjenige, der Hertha auf ein neues Niveau hieven kann? Ist Duda derjenige, der dafür sorgt, dass die Berliner öfter als bisher in die „rote Zone“ kommen, wie Trainer Dardai die 30 Meter vor des Gegners Tor nennt. Dort, wo die Gegenwehr am härtesten ist?

Duda ist kein Tempodribbler

Duda soll im Zusammenspiel mit dem schnellen Mathew Leckie und Neu-Stürmer Davie Selke (auch wenn der wegen einer Verletzung am linken Mittelfuß für Wochen ausfallen wird) für mehr Überraschungen sorgen. Vor allen soll das Trio auch selbst Tore (oder Vorlagen) beisteuern, um Hertha schwerer ausrechenbar zu machen.

„Ondrej ist topmotiviert, er hängt sich rein, die GPS-Werte sind gut“, lobt Dardai. Duda ist kein Sprinter und kein Tempodribbler. Gegenüber der Morgenpost beschreibt er seinen Spielstil so: „Ich mag schnelle, kleine Kombinationen.“ Man sieht es im Training: Duda hat eine gute Handlungsschnelligkeit, der Ball ist sein Freund. Er bringt Spielübersicht mit.

Darida ist eine Alternative

Trotzdem wissen alle: Die Bundesliga ist neu für Duda. Tempo, Dynamik, ­Robustheit – das sind Herausforderungen für den Slowaken. Bei der Trainingssteuerung des offensiven Mittelfeldspielers ist oberstes Gebot, dass Duda ohne Verletzung durch die Vorbereitung kommt. „Für Ondrej wird der Schlüssel für eine erfolgreiche Bundesliga-Saison eine körperliche Topverfassung sein“, sagt Manager Preetz.

Trotzdem braucht Hertha Alternativen. Durch das Erreichen der Europa League warten auf die Blau-Weißen von Mitte August bis Mitte Dezember bis zu 26 Pflichtspiele, darunter zehn englische Wochen. Die Trainer werden die Duda-Einsätze ­dosieren, er soll Pausen bekommen.

Wunschspieler Valentino Lazaro

Auf der Zehn kann Vladimir Darida spielen. Allerdings benötigt auch der Tscheche eine gute Verfassung. In der vergangenen Saison kam Darida, gehandicapt durch Verletzungen, auf zwei Tore und Vorlagen – zu wenig für diese Position. Zum Vergleich: In der Saison 2015/16 hatte Darida fünf Treffer erzielt und drei vorbereitet.

Um den Kader breiter aufzustellen, unternimmt Hertha einiges, um die Verpflichtung von Valentino Lazaro (21) von Red Bull Salzburg zu realisieren. Der österreichische Nationalspieler ist ein schneller Mann für die Außenbahn – und gelernter Zehner. Auch wenn Lazaro aktuell wegen einer Sprunggelenksverletzung pausieren muss, ist Trainer Dardai angetan: „Er ist vom Typ her ­ähnlich wie Mitchell Weiser: kreativ, ­unberechenbar und torgefährlich.“ Alles Werte, die Hertha in dieser Saison benötigen wird.