Nichts wurde es mit dem Vorhaben Titelverteidigung. Beim „Turnier der Traditionen“ unterlag Hertha BSC im Endspiel dem englischen Zweitligisten Aston Villa 0:2. Im Finale – alle Partien wurden über je 45 Minuten gespielt – kassierte der Bundesligist zunächst das 0:1 durch Christopher Samba (19.). Der Ex-Herthaner, mittlerweile 33 Jahre alt, hatte sich wuchtig im Luftduell gegen Sebastian Langkamp durchgesetzt. Da gab es nichts zu halten für ­Bubi-Torwart Luis Klatte (17) im ­Hertha-Tor.

Ärgerlich war das 0:2 von Gabriel Agbonlahor: Der Villa-Stürmer lief nur deshalb frei auf das Berliner Tor zu, weil er Langkamp über den Haufen gerannt hatte, ohne überhaupt den Ball zu spielen. Bitter für Hertha: Langkamp musste nach dieser Aktion mit einer Knöchelverletzung ausgewechselt ­werden. Eine genaue Untersuchung soll am Wochenanfang in Berlin erfolgen.

Blasse Debüt von Davie Selke

Gar nicht ins Spiel kam Davie Selke bei seinem ersten Einsatz im Hertha-Trikot. Der U21-Europameister erhielt kaum Bälle aus dem Mittelfeld und konnte sich ebenso wie Kapitän Vedad Ibisevic nicht einmal gegen die robuste englische Innen­verteidigung durch­setzten.

Kann man das Endspiel noch in der Rubrik „internationaler Härte“ einordnen, war das Halbfinale dagegen eine wüste Treterei. Mit 2:1 setzte sich Hertha gegen den FC Malaga durch. Die Berliner gerieten nach einer schwachen Anfangsphase in Rückstand (Borja Baston/17.). Dann fing sich Hertha und hielt die Spanier weit vom eigenen Tor weg. Fortan interpretierte Malaga jeden Zweikampf als Foulspiel. Für eine brutale Grätsche an der Mittellinie gegen Florian Baak kassierte Übeltäter Jony Rodrigues die Rote Karte. Darauf entspann sich eine wilde Rudelbildung, alle auf Mitchell Weiser, der mehrere Hände und eine Faust ins Gesicht bekam.

Dardai: Fußball ist ein Männersport

„Die Situation war nicht so schön. Ich habe meinen Gegenspieler gefragt, was mit ihm los sei. Daraufhin haben sich sofort diverse Spieler aus Malaga um mich versammelt.“ Weiser sagte, „ich muss aus diesen Situationen lernen und cooler bleiben“. Trainer Pal Dardai sagte: „So lange nicht geschlagen und getreten wird, ist alles in Ordnung. Es ist ein Männersport.“

Zunächst hatte Weiser jedoch die Atmosphäre befeuert. Mittlerweile stand es 1:1. Baak, der in der Abwehr einige Schwächen offenbarte, ­hatte eine Ecke von Marvin Plattenhardt zum ­Ausgleich eingeköpft (32.). In der Schlussphase hatten es Malaga vor ­allem auf Weiser abgesehen. Als der dann im spanischen Strafraum innerhalb von drei Sekunden zweimal von einem Gegner gecheckt wurde und jedes Mal theatralisch zu Boden sank, pfiff der Schiedsrichter Elfmeter.

Esswein trifft vom Elfmeterpunkt

Malaga nun außer Rand und Band, Tumulte um Weiser, der den Elfmeterpfiff mit erhobenen Fäusten vor der Fan-Kurve feierte. ­Rangeleien beim Schiedsrichter, wüste Wortgefechte der spanischen Offiziellen vor der Hertha-Trainerbank. Doch Alexander Esswein, ansonsten unauffällig, behielt die Ruhe und verwandelte den Strafstoß mit einem sicheren Schuss hoch ins linke Eck, 2:1 (42.).

Trainer Dardai sagte nach der ersten Niederlage im sechsten Vorbereitungsspiel: „Es waren zwei gute Tests gegen zwei internationale Gegner, auch wenn man uns die Müdigkeit angemerkt hat. Aber wir haben auch gesehen, woran wir arbeiten müssen.“

Sonnabend kommt der FC Liverpool

Der nächste Gegner wird noch mehr Qualität bieten: Am ­Sonnabend empfängt Hertha zum 125. Jubiläum den FC ­Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp (Olympiastadion, 18 Uhr).