Hertha BSC

Dardais neuer Dirigent in der Defensive

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Uwe Bremer
Karim Rekik soll Herthas Abwehr stabilisieren

Karim Rekik soll Herthas Abwehr stabilisieren

Foto: Michael Hundt / Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Karim Rekik ist Herthas holländischer Zugang. Bei seinem neuen Klub soll die Abwehr ordnen. Mit Taten, aber auch mit seinen Worten.

Bad Saarow.  Als die Kollegen zum ersten Mal im Trainingslager spielen durften, saß Karim Rekik bereits in der Eistonne und verfolgte das Treiben aus der Distanz. Rekik hat mit fünf anderen Spielern eine Gymnastikeinheit mit Athletiktrainer Hendrik Vieth absolviert. „Karim hat ein kleines Problem an den Adduktoren, wir wollen nicht, dass daraus ein großes wird“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai.

Der Fußball-Bundesligist ist auf Nummer sicher gegangen. Eine Ultraschalluntersuchung von Mannschaftsarzt Dr. Uli Schleicher hat keinen Befund ergeben. Trotzdem dosiert Hertha die Aktivitäten des neuen Abwehrspielers. „Karim wird das Laufprogramm mit den kontrollierten Bewegungen mitmachen, aber keine Spielformen, wo es in Zweikämpfen zu unkontrollierten Bewegungen kommen kann“, erklärt Dardai.

Für 2,2 Millionen aus Marseille

Gut durch die Vorbereitung zu kommen, das ist für Rekik wichtig – und für Hertha. 2,2 Millionen Euro haben sich die Berliner die Dienste des Niederländers kosten lassen, der von Olympique Marseille gekommen ist. Durch bestimmte Klauseln kann die Summe bis auf vier Millionen steigen. Nun ist Stabilität im Abwehrzentrum für jeden Klub wichtig. Nach dem Abgang von Innenverteidiger John Brooks (für 20 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg) stehen bei Hertha Änderungen an. Sebastian Langkamp, Niklas Stark, Youngster Jordan Torunarigha (19) und eben Rekik sollen für Sicherheit sorgen.

Schaut man sich bei Youtube Szenen mit Rekik an, sieht man einen Verteidiger mit einer körperbetonten, energischen Spielweise, der nie Liebling der gegnerischen Fans wird. Gleichwohl wissen sie bei Hertha, dass die Zeit der reinen Abräumer vorbei ist. Weshalb Trainer Dardai neben der Robustheit andere Eigenschaften von Rekik hervorhebt: „Karim ist sehr ballsicher und coacht die Mitspieler.“

In der Jugend bei PSV

Rekik hat die Nachwuchsabteilungen von PSV Eindhoven durchlaufen. Er erzählt: „Mit einer Ballberührung spielen, wenig lange Bälle schlagen, von hinten aufbauen – damit bin ich in Holland aufgewachsen.“ Dardai sagt, dass der Neue das Potenzial zum Führungsspieler habe. Darauf angesprochen, antwortet Rekik: „Wenn ich einem Nebenmann helfen kann, etwa weil in seinem Rücken eine gefährliche Situation entsteht, dann bin ich nicht schüchtern, sondern rufe ihm das zu.“

Der Niederländer berichtet, dass er auf seiner ersten Auslandsstation in Marseille einiges gelernt habe. Im ersten Jahr war er Stammspieler, im zweiten nicht mehr. „Ich hatte vier Trainer und drei Manager in zwei Jahren“, erinnert sich Rekik. „Da lernt man, dass Flexibilität wichtig ist.“ Seine Erwartungen an Hertha: „So viel wie möglich zu spielen.“ Rekik hat ein Länderspiel für die Niederlande absolviert, spielt dieses Thema, ob er sich in der Bundesliga mehr Chancen auf erneute Berufungen erhofft, aber runter. „Ich will jetzt erst mal in Berlin ankommen und versuche, Hertha zu helfen.“

Dardai fordert Teamgeist

Hertha muss erstmals seit 2009 wieder mit einer Dreifach-Belastung (Liga, Pokal, Europacup) klarkommen, wenn am 14. August die erste Pokalrunde gegen Rostock ansteht und eine Woche später der Bundesligastart. Damit hat sich schon mancher Bundesligist schwer getan. Deshalb wird Hertha mehr als bisher rotieren. Die Grundlage, dass alle mitziehen, hat Dardai seinem Team zu Beginn des Trainingslagers klar gemacht. „Unser erstes Ziel ist es, den Teamgeist zu stärken. Wer ein Problem hat, kann zum Manager gehen. Dann finden wir eine Lösung.“

Manchmal hilft der Zufall bei der Entwicklung des Zusammenhaltes. Rekik staunte nicht schlecht, als er in der Hertha-Kabine bei Jordan Torunarigha holländischen Hiphop hörte. „Das hat mich echt gewundert.“ Und Torunarigha staunte nicht schlecht, als Rekik sagte, den Sänger kenne er persönlich, er sei mit ihm in Eindhoven zur Schule gegangen. Folge: Rekik und Torunarigha sind direkte Konkurrenten um Einsatzzeiten für die Position links in der Innenverteidigung – und dank ihrer Musikleidenschaft schon Kumpels.