Erst am Mittwoch verkündete Hertha den rekordträchtigen Verkauf von John Brooks zum VfL Wolfsburg. Dass Manager Michael Preetz mit den gut 20 Millionen Euro, die er für den Abwehrspieler herausschlug, etwas anzufangen weiß, bewies er nur einen Tag später. Mit dem Kauf von Stürmer Davie Selke (22), bislang in Diensten von RB Leipzig, stärkt der Berliner Bundesligist seine Offensive.

Die Ablöse für den Angreifer liegt dem Vernehmen nach bei gut acht Millionen Euro plus Bonuszahlungen. Ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich die Summen im Profifußball verändert haben. Einen teureren Spieler hat sich Hertha noch nie geleistet. Bislang waren die Brasilianer Alex Alves (7,6 Mio.) und Marcelinho (7 Mio.) das Maß der Dinge beim Hauptstadtklub.

Silber in Rio, aber nur zwei Startelfeinsätze 2016/17

Selke, 1,92 Meter groß, Rechtsfuß, passt perfekt in Herthas Anforderungsprofil. Als Ergänzung zu den Routiniers Vedad Ibisevic (32) und Salomon Kalou (31) hatten die Verantwortlichen nach einem jungen Stürmer gefahndet - auch, um die Abhängigkeit von den Treffern des Angreifer-Duos zu reduzieren.

In Leipzig hatte Selke zuletzt einen schweren Stand. Während er in seiner ersten Saison noch zehn Zweitliga-Tore zum Aufstieg beisteuerte, kam er in der abgelaufenen Spielzeit nicht an der starken Konkurrenz vorbei. Seine Bilanz: 430 Einsatzminuten, nur zwei Startelfeinsätze und vier Tore - zwei davon in der Schlussphase des 4:1 bei Hertha am 32. Spieltag.

Schnell und kopfballstark – mit Torinstinkt

Dennoch: Selkes Potenzial ist unbestritten. Der Angreifer ist schnell und kopfballstark, verfügt zudem über einen guten Abschluss. Dass er sich in Leipzig nicht durchsetzen konnte, lag vor allem an technischen Defiziten und Mängeln im Spielverständnis. Sportdirektor Ralf Rangnick hatte trotzdem betont: „Wir werden Davie nicht auf Teufel komm raus abgeben – und schon gar nicht für Low-Budget-Preise.“

Neben Hertha hatten auch englische Vereine und Selkes Ex-Klub Werder Bremen um ihn gebuhlt. An der Weser hatte der Silbermedaillengewinner von Rio de Janeiro (bei den Olympischen Spielen traf er in fünf Partien zweimal) 2014 unter Trainer Viktor Skripnik seinen Durchbruch gefeiert. Nach neun Saisontoren und vier Vorlagen war er 2015 für acht Millionen Euro nach Leipzig gewechselt. Ein Verlustgeschäft war Selke für den künftigen Champions-League-Starter somit nicht.