Bundesliga

Die Zukunft bei Hertha hat begonnen

Hertha spielt die beste Bundesliga-Rückrunde seit Lucien Favre. Lob für Torschütze Jordan Torunarigha

Torschützen unter sich: Jordan Torunarigha (re.) und Salomon Kalou, im Hintergrund Darmstadts Fabian Holland

Torschützen unter sich: Jordan Torunarigha (re.) und Salomon Kalou, im Hintergrund Darmstadts Fabian Holland

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Berlin.  Wenn Bayer Leverkusen in Berlin vorbeischaut, liegt der Zuschauerschnitt irgendwo bei eher mäßigen 42.000 Besuchern. Aktuell spielt Hertha BSC die beste Rückrunde seit den glorreichen Zeiten unter Trainer Lucien Favre 2008/09. Damals, im März 2009 – Hertha gewann 1:0 gegen Leverkusen – strömten 58.800 Fans ins Olympiastadion. Das entspricht ziemlich exakt der Zuschauerzahl, die sich Herthas ­Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller erhofft, wenn Bayer am kommenden Sonnabend zum Saisonfinale in der Hauptstadt antritt.

Auch wenn das Klischee besagt, dass die Besucherzahl im Olympia­stadion nur dann über 50.000 steigt, wenn der Gast viele Anhänger mitbringt: Diesmal wird es anders sein. Hertha hat sich durch das 2:0 (2:0) beim SV Darmstadt mit dem Sprung auf Rang fünf eine exzellente Ausgangsposition im Kampf um die Europacup-Plätze erarbeitet. Mit einem Sieg oder Remis wird der Hauptstadt-Klub die Saison definitiv auf Rang fünf oder sechs beenden. "Wir wollen mit den Fans zusammen ein großes Fest feiern", verspricht ­Torjäger Salomon Kalou.

"Diese Saison ist eine gute Saison"

Auch wenn es sich in den vergangenen Wochen nicht so angefühlt hat: Mit dem Erfolg beim Ligaletzten Darmstadt durch die Tore von Kalou (14. Minute) und Jordan Torunarigha (28.) spielt die Mannschaft unter Dardai die beste Rückrunde seit 2009. Mit bisher 19 Punkten schneidet der Hertha-Jahrgang besser ab als alle Vorgänger, die zwischen 2010 und 2016 auf 18, 16, 13 oder elf Zähler gekommen waren.

Dardai hat die Kritik der vergangenen Wochen an schwachen Leistungen und ausbleibenden Resultaten durchaus wahrgenommen. Und sagt jetzt: "Ob wir Fünfter, Sechster oder Siebter werden: Diese Saison ist eine gute Saison. Wir bestätigen damit, dass die vergangene kein Ausrutscher war." 2015/16 hatte Hertha auf Rang sieben abgeschlossen, nachdem der Klub zuvor sechs Jahre im unteren Bundesligadrittel und sogar zwei Spielzeiten in der Zweiten Liga verbracht hatte.

Dardai auf den Spuren von Favre

Dardai auf den Spuren von Favre – unter dem Schweizer hatten die Blau-Weißen nach Rang vier in 2008/09 zum letzten Mal im Europacup gespielt. Wobei nicht unterschlagen werden soll, dass jene Rückrunde unter Favre mit 30 Punkten weit oberhalb statt­gefunden hat verglichen mit Herthas aktueller Bilanz (19).

Die Spieler waren froh, die schwarze Auswärtsbilanz (neun Niederlagen in Folge) in dieser Saison hinter sich gelassen zu haben. "Es fühlt sich gut an, endlich mal mit drei Punkten nach Hause zu reisen", sagte Innenverteidiger Niklas Stark, als er mit der Mannschaft in Frankfurt/Main am Flughafen auf den Flieger nach Tegel ­wartete.

Kalou: Jordan wird noch besser

Trainer Dardai sagt, dass er "die Endphase einer Saison immer schon mit Blick auf die neue Saison" sehe. Gemeint ist: Die Zukunft hat bereits begonnen. Dardai lobte den Aufsteiger der vergangenen Wochen, U20-Nationalspieler Jordan Torunarigha. "Jordan hat durch das Training bei uns einen Riesenschritt gemacht. Als er aushelfen musste, hat er gute Leistungen gebracht, kann jetzt Stammspieler sein." Auch Kalou freut sich für den 19-Jährigen. "Wenn du jung bist, unbeschwert und clever wie Jordan, dann kannst du gleich von ­Beginn an Leistung zeigen. Und wenn er mehr spielt, wird Jordan noch besser werden."

­Torunarigha fühlt sich von höheren Mächten beschützt. Beim Online-­Fotodienst Instagram ­postete er: "Gott ist an meiner Seite."

Kein Gespräch zwischen Trainer und Valentin Stocker

Dann begründete der Trainer, warum er die Talente Florian Baak und Arne Maier (beide 18) im Kader hatte – beide wurden in Darmstadt in der Endphase eingewechselt. Während etwa der Schweizer Nationalspieler Valentin Stocker, beim letzten Heimspiel gegen Leipzig (1:4) noch in der Startelf, in Berlin bleiben musste. Dardai sagt, dass Baak als Ersatz für die Innenverteidigung dabei war, Maier als Ersatz für die Sechser- oder Achter-Position.

Der Trainer fuhr fort: "Es gibt eine Datenbank, da sehen wir die Pass- und Zweikampf-Quoten. Wir wollten ein anderes System spielen, danach haben wir die Spieler ausgewählt." Nein, er habe nicht mit Stocker gesprochen. "So ist das Leben. Profis müssen das akzeptieren. Ich muss mich professionell verhalten, gegenüber der Mannschaft und mit meinen Entscheidungen. So einfach ist das."

Leverkusen wird "ein Mentalitätsspiel"

Unmittelbar nach Abpfiff am Sonnabend in Darmstadt hatte das Trainerteam bereits mit der Vorbereitung auf den nächsten Gegner begonnen. Dardai, der sonst nicht so statistikverliebt ist, wusste von Leverkusens 2:2 gegen den 1. FC Köln: "Bayer hat 30 Torschüsse abgegeben. Das wird ein ganz anderes Spiel als in Darmstadt."

Beim Saisonfinale werde es nicht um Taktik oder ­Systemdetails gehen. "Das wird ein Mentalitätsspiel. Wir wollen aggressiv spielen und mit unserem Publikum im Rücken unbedingt ­gewinnen. Auch, wenn das nicht leicht wird."

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