Kommentar

Der Ort ist das kleinste Problem bei Herthas Stadionfrage

In Herthas Diskussion um ein neues Stadion zählt zunächst die finanzielle Grundlage, dann erst der Standort, meint Raik Hannemann

Das Berliner Olympiastadion ist bis 2025 mindestens noch die Heimstädte von Hertha BSC. Dann endet der Mietvertrag, und die Berliner wollen in ein eigenes Fußballstadion umziehen

Das Berliner Olympiastadion ist bis 2025 mindestens noch die Heimstädte von Hertha BSC. Dann endet der Mietvertrag, und die Berliner wollen in ein eigenes Fußballstadion umziehen

Foto: Michael Hanschke / dpa

Hertha BSC ist weder reich (innerhalb der Fußball-Bundesliga zumindest nicht), noch sportlich sexy (an den letzten Titel kann sich höchstens Uropa erinnern). Dennoch wird dort nun über ein neues, ein reines Fußballstadion nachgedacht – und das ist auch gut so!

Es wäre sogar unverantwortlich, es nicht zu tun. Der Trend zum eigenen Stadion ist im Topbereich des Fußballs weit fortgeschritten, dieser Posten wird den Wettbewerb künftig stark beeinflussen. Wer nicht länger in Miete, Pacht oder Baufinanzierung investieren muss (und womöglich die Namensrechte verkauft), kann pro Saison bis zu achtstellig mehr Geld in seine Mannschaft stecken – und dieses schießt nun mal auch Tore dann.

Das Berliner Olympiastadion wurde einst zu Propagandazwecken gebaut. Selbst bei der Renovierung für die WM 2006 wurde eher ans Prestige gedacht als an die kommenden Hertha-Bedürfnisse. Eine Hauptstadt denkt immer an die großen Feste, und ein weißer Elefant ist die riesige Betonschüssel dank DFB-Pokalfinale, der anstehenden Leichtathletik-EM 2018 und auch Hertha ja nie geworden. Dafür Wahrzeichen. Es bietet nur eben nicht das Optimum für Hertha, ohne die die Kostenkalkulation des Senats als Eigentümer aber nicht mehr aufginge. Deswegen ist von ihm mit Entgegenkommen oder Unterstützung nicht zu rechnen – völlig zu Recht übrigens, das wäre keinem Wähler reskeptive Steuerzahler plausibel zu erklären.

Ein strategischer Partner ist zwingend notwendig

Da Hertha ein solches Projekt aber nicht allein stemmen kann, braucht es zwingend einen strategischen Partner. Diesen Investor zu finden, dürfte daher die erste, die wichtigste Aufgabe der Hertha-Macher sein. Dann würde sich auch schnell die Standort-Diskussion – insbesondere über einen möglichen Umzug ins Berliner Umland – relativieren, die durch Beauftraggung einer Machbarkeitsstudie (die Ergebnisse werden Donnerstag veröffentlicht) in Gang gekommen war. Wer acht- oder neunstellig investiert, wird seine Entscheidung nicht von einer Fanlaune abhängig machen, wie offenbar jene glauben, die die folkloristisch vernebelte Kundenbeziehung der Fußballklubs nicht durchschauen.

Herthas Führung könnte dann auch endlich mit mehr Verve seine Zukunftsvision bewerben. Zurzeit fehlt da noch wahre Leidenschaft. Klar, weil damit ja vor allem die bislang noch alternativlose und bis 2025 andauernde Gegenwart madig gemacht werden müsste.