Bundesliga

Hertha gegen Dortmund: Eine Sensation zum Greifen nah

Zweimal stand Hertha zuletzt vor einer Sensation gegen Dortmund, doch zweimal entglitt sie den Berlinern. Das soll sich jetzt ändern.

Keine falsche Zurückhaltung: Herthas Per Skjelbred (r.) versucht Dortmunds Ousmane Dembélé zu stoppen

Keine falsche Zurückhaltung: Herthas Per Skjelbred (r.) versucht Dortmunds Ousmane Dembélé zu stoppen

Foto: firo Sportphoto / Christopher Ne / picture alliance / augenklick/fi

Berlin.  Besondere Spiele erfordern besondere Maßnahmen – auch im Hause Pal Dardai. Also wich Herthas Cheftrainer vor dem Topspiel gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (15.30 Uhr, Olympiastadion) von seiner Gewohnheit ab und ging ausnahmsweise nicht früh ins Bett, sondern richtete am Mittwochabend das Heimkino her. Gegnerbeobachtung, klar, schauen, wie sich der BVB gegen Benfica Lissabon schlägt. Nur lange hielt Dardai nicht durch. Weil der FC Barcelona parallel eine der denkwürdigsten Champions-League-Partien aller Zeiten ablieferte, wechselte der Ungar alsbald den Kanal.

Da den Katalanen gegen Paris St. Germain tatsächlich Unfassbares gelang, befiel Dardai auch keine Reue. "Aus diesem Spiel", sagte er, "kann man Tausend Dinge lernen. Psychologie, Offensive, Defensive – einfach alles." Ein großes Vorbild für eine große Aufgabe. Und die stellt der BVB allemal dar.

Die jüngsten Duelle machen Mut

Das Erstaunliche ist ja dies: Hertha ist es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder gelungen, der Borussia eins auszuwischen. Allein in dieser Saison wuchsen die Berliner gegen Dortmund zweimal über sich hinaus, ertrotzten sich auswärts erst in der Liga ein 1:1 und dann auch nach 120 Minuten im Pokal, ehe sie ihre Elfmeter derart versagten, dass auch hier das Prädikat "unfassbar" angebracht war. Zwei Achtungserfolge, zweimal schien ein Coup zum Greifen nah. Nur einen möglichen Sieg festzuhalten, das wollte unter Dardai trotz zweimaliger Führung nicht gelingen.

Mut haben die Berliner aus den jüngsten Duellen trotzdem geschöpft, wenngleich Dardai einräumt, dass seine Elf "am obersten Limit" spielen muss, um den Favoriten zu ärgern. Im dritten Aufeinandertreffen der Saison kommen nun allerdings zwei unterstützende Faktoren zusammen, die den Traum von einem Sieg zusätzlich befeuern dürften.

Hertha ist heimstark - und Dortmund müde

Erstens: die eigene Heimstärke. 28 Punkte bei 19:5 Toren holte Hertha zu Hause. "Wir haben die beste Heimbilanz der Liga", sagt Manager Michael Preetz, "das gibt uns Selbstvertrauen." Und zweitens: die Belastung des BVB, schließlich gehen auch Königsklassen-Galas wie gegen Benfica an die Substanz.

"Sie hatten ein Abendspiel und haben jetzt Reisestress", sagt Dardai, "das kostet Kraft." Eine These, die von der Saisonbilanz gestützt wird. Von den sieben Ligaspielen nach einem Europapokaleinsatz gewann Dortmund nur drei. Gegen Ingolstadt und Köln reichte es nur zu einem Remis, gegen Leverkusen und Frankfurt stand bei den Punkten die Null – jeweils auswärts. Ohne die Unterstützung der "Gelben Wand" und insgesamt rund 80.000 Fans scheint den Vollgas-Fußballern in englischen Wochen der Sprit auszugehen.

Kapitän Ibisevic meldet sich rechtzeitig fit

Dass Hertha am Sonnabend nicht die spielbestimmende Mannschaft sein wird, ist trotzdem klar. Unangenehm und mutig wollen die Berliner dennoch auftreten, so wie zuletzt immer gegen Dortmund. "Nur auf Konter zu lauern, wäre fatal und blöd", sagt Dardai. Und dass "nur verteidigen nicht funktioniert", habe nicht zuletzt Paris gegen Barcelona erfahren müssen.

Mit Vedad Ibisevic, der nach einer Muskelverhärtung erst Donnerstag ins Training einstieg, kann Dardai wieder auf seinen besten Torjäger zurückgreifen. Unwahrscheinlich scheint indes ein Einsatz von Alexander Esswein (Infekt). Genügend Optionen hat Hertha trotzdem, sei es durch Spielmacher Ondrej Duda oder den angriffslustigen Mitchell Weiser, der sein Comeback geben wird. Vielleicht der letzte kleine Faktor, damit es im dritten Anlauf endlich klappt mit einer Sensation gegen Dortmund. Wäre doch irgendwie: unfassbar.

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