Hertha BSC

Salomon Kalou bekennt sich zu Hertha

„Es gibt eine ziemlich gute Chance, dass ich bleibe“, sagt Herthas Starstürmer Salomon Kalou. China ist für ihn trotz Geldsegen kein Thema.

Kein Maskottchen: Salomon Kalou erzielte in insgesamt 84 Pflichtspielen für Hertha BSC 29 Tore

Kein Maskottchen: Salomon Kalou erzielte in insgesamt 84 Pflichtspielen für Hertha BSC 29 Tore

Foto: pa / BM

Berlin.  Maximilian Mittelstädt ist gerade schwer angesagt. Interview an Interview reiht sich am Donnerstag für Herthas 19 Jahre alten Nachwuchsprofi. Auch eine von diesen gerade so beliebten Live-Fragerunden im Internet, bei der Fans mit ihren Helden Kontakt aufnehmen können, gibt es. Mittelstädt antwortet artig in eine Kamera hinein. Unbeachtet hinten im Raum lauscht ihm einer interessiert, den man, ohne sich der Übertreibung schuldig zu machen, einen echten Fußball-Helden nennen darf: Salomon Kalou.

Zukunft und Gegenwart mit dem Glanz der Vergangenheit in einem Raum. Mittelstädt – ein Junge am Anfang seiner Karriere, der nun vieles zum ersten Mal erlebt. Und Kalou, der alles schon erlebt hat und langsam in die Zielgerade einer ruhmreichen Laufbahn einbiegt. Aber wie es aussieht, hat der 31 Jahre alte Angreifer sein Interesse an Hertha BSC noch nicht verloren.

Nach Informationen der Morgenpost steht der 31-Jährige Stürmer vor einer Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages beim Berliner Bundesliga-Fünften. "Die Papiere sind noch nicht unterschrieben, aber es gibt eine ziemlich gute Chance, dass ich bleibe", sagt Kalou in einem Interview mit dieser Zeitung (erscheint am Sonntag) und bekennt sich damit zu Berlin.

Kumpel Gervinho wollte ihn nach China locken

Seit Monaten befinden sich Herthas Manager Michael Preetz und Kalous Berater in Gesprächen. Schwierig gestalteten sie sich deshalb, weil der Champions-League-Sieger von 2012 zu den Großverdienern zählt. Aber auch, weil in der gerade abgelaufenen Wintertransferperiode wieder einmal reihenweise Angebote für den Ivorer eingeflogen sind – aus Frankreich, aber besonders aus China, wo es derzeit keine finanziellen Limits gibt.

Doch für Kalou war und ist das Land der unbegrenzten Verdienstmöglichkeiten nicht reizvoll. Obwohl ein international eher unbekannter Stürmer wie der Spanier Jonathan Soriano, der am Montag von Red Bull Salzburg zu Beijing Gouan gewechselt ist, beim chinesischen Erstligisten acht Millionen Euro pro Jahr verdienen kann und genau so alt ist wie Kalou, sagt der Afrikaner: "Im Moment ist China nicht mein Ziel." Dort gebe es zwar die großen Gehaltsschecks. Kalou nennt China das "Eldorado des Fußballs".

Aber für ihn persönlich sei das kein Thema, obwohl ihn Gervinho, sein Mannschaftskollege aus der ivorischen Nationalelf, nahezu täglich anbettele, ihm doch nach Asien nachzufolgen. Gervinho, den Kalou seit seiner Kindheit kennt, spielt bei Hebei China Fortune Reserves. Dennoch sagt Kalou: "Wenn du in einer schönen Stadt wie Berlin oder London leben kannst und den Job machen kannst, den du liebst, ist das viel wert. Wenn ich hier ein gutes Leben habe, gibt es für mich keinen Grund, das zu ändern."

In 84 Pflichtspielen für Hertha an 40 Toren direkt beteiligt

Ein gutes Leben hat auch Hertha mit dem Angreifer – zwar mit einer Saison Verspätung, aber seitdem immer mehr. Nach seiner Ankunft in Berlin im August 2014 hatte Kalou in seiner ersten Spielzeit nur sechs Saisontore erzielt und die riesigen Erwartungen in ihn enttäuscht. Doch seither hat er sich zu Herthas wichtigstem Torgaranten entwickelt. 14 Saisontreffer erzielte er in der vergangenen Spielzeit. Kein Berliner war besser.

Wie torgefährlich der ehemalige Chelsea-Stürmer ist, zeigt seine Bilanz: In insgesamt 84 Pflichtspielen für Hertha seit Sommer 2014 war Kalou an 40 Toren direkt beteiligt (29 Treffer, elf Vorlagen). "Salomon ist immer dabei, wenn wir Tore erzielen", sagt Herthas Trainer Pal Dardai der Morgenpost. "Wenn er hier verlängert, würde ich mich extrem freuen", so der Ungar. Kalou sagt dazu: "Hertha weiß, dass ich gern hier bin, und der Klub will mich auch behalten." Es geht neben der Lebensqualität natürlich ums Geld – aber auch um die Perspektive.

Auch Angriffspartner Ibisevic hat verlängert

Folgt nun tatsächlich bald die Unterschrift unter dem neuen Arbeitspapier, wäre Kalou der nächste Baustein in Herthas Team der Zukunft. Auch sein Sturmkollege Vedad Ibisevic entschied sich Ende November bei seinem wohl letzten großen Vertrag für die Verlängerung bis 2019. Auch Ibisevic gehört mit 32 zu den Profis, die bald am Ende ihrer Laufbahn stehen.

Um ihn und nun wohl auch Kalou herum haben Dardai und Preetz allerdings eine Gruppe junger, entwicklungsfähiger Spieler gescharrt – und sie langfristig an Hertha gebunden: Niklas Stark (bis 2022), John Brooks (2o19), Mitchel Weiser (2020) und Marvin Plattenhardt (2020) haben in Berlin verlängert. "Das macht mich als Trainer unheimlich stolz", sagt Dardai. Salomon Kalou hat sich offenbar entschieden, Teil davon bleiben zu wollen.

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