Als hätte Hertha während der 90 Minuten in Hoffenheim nicht schon genug bangen müssen. Weil der Mannschaftsbus auf dem Weg zum Flughafen am Sonntagabend im Stau stand, geriet nach dem Gastspiel im Kraichgau auch die Rückreise zu einer kleinen Zitterpartie – zumindest vorübergehend.
Ihren Flieger erwischten die Berliner am Ende doch noch souverän, jedenfalls deutlich souveräner, als sie zuvor das knappe 0:1 (0:1) gehalten hatten. Ohne den grandiosen Torwart Rune Jarstein hätte Niederlage wohl einen sehr viel bittereren Beigeschmack gehabt.
Trainer Dardai hadert mit nachlässiger Defensive
So aber hielt sich der Frust über die zweite Nullrunde der Saison in Grenzen. „Das Niederlage war verdient“, sagte Mittelfeldspieler Niklas Stark, „aber sie gibt uns keinen Knacks.“ Trainer Pal Dardai sah es am Tag danach ähnlich. Schlechte Tagesform, fehlender Spielfluss, zu wenig Biss – das könne einem Team wie Hertha, das der Coach bestenfalls „auf dem Weg zu einem Topteam“ sieht, schon mal passieren. So lange es sich nicht am folgenden Spieltag wiederholt. Schon am Freitag (20.30 Uhr) kommt Borussia Mönchengladbach ins Olympiastadion.
Dass es für die Berliner in Hoffenheim nicht einfach werden würde, hatte sich im Vorfeld schon abgezeichnet. Da war zum einen dieser selbstbewusste Gegner mit seinem noch selbstbewussteren Coach Julian Nagelsmann, in der Liga in dieser Saison noch unbesiegt, zuletzt mit vier Siegen in Folge und nun Inhaber des klubinternen Startrekords. Auf der anderen Seite hatte sich Herthas Verletztenliste auf einen Stand erhöht, der Dardai in echte Nöte brachte.
Fehlende Automatismen
Vier Wechsel in der Startelf, dazu taktische Umstellungen – das blieb nicht ohne Folgen. „Wir haben so viele Torchancen zugelassen, wie noch nie“, beklagte Dardai und hatte damit fast Recht. 24 Abschlüsse gewährte Hertha den Hoffenheimern. So viele waren es zuletzt im November 2015 beim 0:2 bei Bayern München.
„Unsere Stärke ist es, wenn wir mit guten Automatismen spielen“, sagte der Coach. Angesichts der vielen Änderungen in seiner Elf blieb von besagten Automatismen jedoch wenig übrig.
Nun zählt Dardai nicht zu der Gattung Trainer, die nach Ausreden sucht. Auch diesmal will er die widrigen Umstände nicht als Entschuldigung verstanden wissen, stattdessen stärken sie seinen Optimismus. Denn: Besserung ist in Sicht.
Gute Chancen für Mittelstädt
Ob die Abwehrspieler Marvin Plattenhardt (Faserriss in der Hüftmuskulatur) und Sebastian Langkamp gegen Gladbach wieder mitwirken können, wird sich zwar erst im Verlauf dieser Woche zeigen; ihre Vertreter haben nun aber die Chance, sich mit der Mannschaft einzuspielen.
Langkamp-Ersatz Fabian Lustenberger, auch er zuletzt verletzt, hatte vor der Partie in Hoffenheim erst zweimal mit dem Team trainiert. Selbiges galt für den erhofften Plattenhardt-Ersatz Maximilian Mittelstädt, der kurzfristig von einer England-Reise mit Herthas U23 zurückbeordert worden war. Fehlende Erfahrung, fehlende Bindung, dazu der Reisestress – für Dardai ein zu großes Risiko.
Statt des 19-Jährigen ließ er hinten links Peter Pekarik spielen, der beim Gegentor eine unglückliche Figur machte und als Rechtsfuß kaum Offensiv-Impulse setzte. Mittelstädts Einsatzchancen gegen Gladbach werden sich dadurch nicht verschlechtert haben.
Allan zeigt gute Ansätze, muss aber noch viel lernen
Nicht, dass die Niederlage nur an der Defensive festzumachen wäre. „Offensiv“, sagte Dardai, „kam auch viel zu wenig.“ Ungewöhnlich oft versuchten es die Berliner mit langen Bällen, und dem Brasilianer Allan – bei seinem zweiten Startelfeinsatz in ungewohnter, zentral-offensiver Rolle – gelang zwar manches (er überspielte die meisten Verteidiger aller Herthaner), aber längst nicht alles.
Taktisch hat der 19-Jährige Nachholbedarf. Auch wenn Dardai ihn demonstrativ lobte: Dass Allan am Freitag erneut von Beginn an spielt, scheint unwahrscheinlich.
„Wichtig ist, dass wir uns jetzt schütteln und dann auf Freitag schauen“, sagte Dardai. Aufstehen, Staub abklopfen, weitermachen. Der Niederlage in Hoffenheim konnte er sogar etwas Positives abgewinnen. „Vielleicht“, sagte der Trainer, „sind wir dadurch jetzt wieder ein Stück konzentrierter.“


