Bundesliga

Hertha kommt ins Rotieren

Zum Pokalspiel bei St. Pauli bangt Hertha um die angeschlagenen Verteidiger Langkamp und Brooks. Stocker und Pekarik kehren zurück.

Abwehrarbeit: Herthas Per Skjelbred (Nr. 3) und Niklas Stark (Nr. 5) jagen dem Kölner  Leonardo Bittencourt den Ball ab

Abwehrarbeit: Herthas Per Skjelbred (Nr. 3) und Niklas Stark (Nr. 5) jagen dem Kölner Leonardo Bittencourt den Ball ab

Foto: imago sport / imago/Baering

Berlin.  Es gab viele Jahre, in denen dem Anhang von Hertha BSC bange wurde, wenn Pokalspiele anstanden, vor allem, wenn es gegen unterklassige Klubs ging. Morgen ist es wieder so weit: In der zweiten Runde des DFB-Pokals spielen die Berliner beim FC St. Pauli, dem Tabellenletzten der Zweiten Liga (20.45 Uhr, Sky). Doch diesmal herrscht beim Bundesligisten Zuversicht. Trainer Pal Dardai erinnert sich: „Früher hieß es im Pokal: Hinfahren und irgendwie gewinnen. Und dann ­haben wir uns relativ häufig blamiert.“

Bester Liga-Start der Berliner seit 1963

Die potenzielle Fallhöhe hat sich Hertha als Tabellenzweiter mit dem besten Bundesliga-Start der Klubhistorie selbst erarbeitet (17 Punkte nach acht Spielen). Auch auf St. Pauli hat Hertha diese Erfahrung gemacht. Im Dezember 2005 fuhr der hoch favorisierte Bundesligist, damals mit Arne Friedrich, Niko Kovac, Gilberto, Marcelinho, Kevin Boateng und Marko Pantelic im Pokal ans Millerntor - und ­blamierte sich mit einem 3:4 nach ­Verlängerung.

„Das Wichtigste wird sein, dass wir mit einer guten Mentalität spielen“, sagt Trainer Dardai. „Das hat sich in dieser Saison verändert. Wir sind so erfahren, dass wir den Gegner nicht unterschätzen werden.“ Den aktuellen Beleg der Entwicklung demonstrierte Hertha im Topspiel gegen den 1. FC Köln.

Schieber lobt die Entwicklung

Wieder einmal fanden die Blau-Weißen Antworten auf Rückschläge im Spiel, eine Qualität, die es so schon länger nicht mehr gab. Trotz des Gäste-Ausgleichs (Anthony Modeste/65.) blieb die Mannschaft um Kapitän Vedad Ibisevic ruhig. Der eingewechselte Julian Schieber bereitet mit einem energischen Kopfball den Siegtreffer durch Niklas Stark vor. „Ein richtig geiles Tor in so einer umkämpften Phase“, lobte Trainer Dardai. Schieber erhöhte damit seine Quote als Einwechselspieler auf mittlerweile zwei Tore und einen Assist.

„Es sieht so aus, als hätten wir eine Entwicklung bei der Mentalität gemacht“, sagt Schieber. In der Rückrunde der vergangenen Saison hatte Hertha kaum Optionen von der Bank. In diesem Spieljahr balanciert der fast identische Kader bisher sämtliche Herausforderungen aus. Der Gegner kommt zurück ins Spiel (so geschehen gegen Freiburg und Frankfurt): Kein ­Problem, dann legt Hertha nach. Schlüsselspieler wie Vladimir Dari­da, Peter Pekarik oder Fabian Lustenberger fallen aus: Dann übernimmt Valentin Stocker den Darida-Job. Wird der Schweizer in Dortmund vom Platz gestellt, gibt Salomon Kalou den Chef im zentralen Mittelfeld.

Ibisevic und Lust an der „Drecksarbeit“

Mitchell Weiser hat sich auf der Pekarik-Position als Rechtsverteidiger direkt in die deutsche U21-Nationalmannschaft gespielt. Und Niklas Stark als Lustenberger-Ersatz köpft eben mal das Siegtor gegen Köln. Kapitän Vedad Ibisevic wehrt Bayern-Jäger- und Champions-League-Ambitionen ab. „Uns zeichnet aus, dass wir eine tolle ­Gruppe sind. Wir haben richtig Lust, zusammen auch die Drecksarbeit zu machen.“

Gegen St.Pauli warten die nächsten Herausforderungen. So fehlten beim Sonntagstraining mit Sebastian Langkamp und John Brooks beide Innenverteidiger, beide brachten aus dem intensiven Köln-Spiel einen Bluterguss am Oberschenkel mit. Sollte das Duo komplett ausfallen, wird wohl Niklas Stark vom defensiven Mittelfeld ins Abwehrzentrum zurückrutschen. Und aus Herthas U19 wird Florian Baak (17) erstmals zum Profikader stoßen. Dardai: „Wir werden gegen St. Pauli nach Lösungen suchen und nicht nach Ausreden.“


Glück, Pfosten, Latte und der liebe Gott


Hertha wird eh’ ins Rotieren kommen. All’ die Schulterklopfer, die nun wissen wollten, welche Auswirkungen der exzellente Bundesliga-Start auf die Saisonziele von Hertha hat, bremste Dardai. Stattdessen verwies der Trainer auf die „chaotische Schlussviertelstunde gegen Köln. Da haben wir nur mit Glück, Pfosten, Latte und dem lieben Gott kein Gegentor kassiert. So ­etwas darf uns nicht passieren“.

In der Pokalpartie gegen St. Pauli, die ebenfalls intensiv erwartet wird, bringt Dardai „in jedem Fall Valentin Stocker“, der in der Liga eine Drei-Spiele-Sperre absitzt. Auch Peter Pekarik soll nach überstandener Verletzung spielen. Im Mittelfeld wird wohl Youngster Allan (19) zum Einsatz kommen. Auch der Trainer bescheinigt seiner Mannschaft eine Entwicklung. „Die Jungs sind gierig, sie sind sehr fleißig. Auch im Training war schon wieder die Konzentration auf das Pokalspiel da.“

Hertha im weißen Auswärtstrikot

Hertha wird von 3063 Fans nach Hamburg begleitet - und, weil Trikot-Fragen in diesen Tagen interessieren, zum ersten Mal in dieser Saison im weißen ­Auswärtsjersey auflaufen.