Hertha BSC

Michael Preetz: „Keiner muss sich Sorgen machen“

Hertha startet zwar mit einem Kampftanz, aber noch ohne Zugänge in die Saisonvorbereitung. Trainer Dardai setzt auf harte Arbeit.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  In zwei Reihen ließ Pal Dardai seine Spieler auf dem Rasen antreten. Angetan mit den neuen Trikots, die Arme über dem Kopf erhoben, klatschten die Profis von Herha BSC in die Hände und sprangen dabei synchron von links und rechts.

Es fehlte nur noch der „Hu!“-Ruf, doch auch so erinnerte die Choreografie zum Trainingsauftakt des Bundesligisten stark an den Haka-Tanz des neuseeländischen ­Rugby-Teams, den die isländische ­Nationalmannschaft nach dem Einzug ins EM-Viertelfinale in abgewandelter Form präsentiert hatte.

Mit der Europa-League-Qualifikation steht das erste Saisonziel schon vor der Tür

Von einem Freudentanz sind die Berliner noch weit entfernt, das zeigten die recht angespannten Gesichter der Spieler. Der Start in die neue Saison wirkte eher wie eine Einstimmung zum Kampf, denn damit Mannschaft und Fans wieder so richtig jubeln können wie noch in der Hinrunde der vergangenen Saison, müssen Spieler, Trainer und Management noch einige Hausaufgaben erledigen. „Wir stehen ohne Frage vor großen Herausforderungen. Das erste Saisonziel steht schon vor der Tür“, sagte Geschäftsführer Sport ­Michael Preetz.

Gemeint ist die Qualifikation für die Europa League, die bereits am 28. Juli beginnt, bevor die Bundesligasaion am letzten August-Wochenende mit einem Heimspiel gegen den SC Freiburg startet (Spielplan siehe letzte Seite). So weit reichen die Gedanken der Spieler aber noch nicht. „Ich hoffe, wir schaffen es in die Euro-League und es läuft nicht so wie mit Mainz“, sagte Sami Allagui.

Der Stürmer hat die Qualifikation nicht in bester Erinnerung: 2011 versagten ihm die Nerven im Elfmeterschießen, und Mainz schied als erstes deutsches Team in der Europa-League-Qualifikation aus. 2014 scheiterten die Rheinhessen in der dritten Qualifikationsrunde am griechischen Klub Asteras Tripolis, danach holten sie Allagui von Hertha zurück.

Lustenberger geht in seine vierte Saison als Hertha-Kapitän

Inzwischen ist der Deutsch-Tunesier fest in Dardais Kader eingeplant. „Mir geht es gesundheitlich richtig gut, ich habe fast durchtrainiert und freue mich jetzt auf die Vorbereitung“, sagte Allagui, der sich im vergangenen Juli schwer am Knie verletzt hatte. Fabian Lustenberger hat in den vergangenen Wochen auf Bali ein komplett konträres Programm absolviert.

„Ich habe mich überhaupt nicht mit Fußball beschäftigt und nicht einmal Spiele der EM gesehen, weil ich mich voll auf meine Familie konzentrieren wollte“, sagte er. Nun steht Hertha wieder im Mittelpunkt für den 28-jährigen Schweizer, den Dardai schon am Mittwoch als Kapitän für die neue Saison bestätigte: „Lusti bleibt Kapitän, warum soll ich das ändern?“, fragte Dardai. „Er hat seine Aufgabe letztes Jahr hervorragend gemacht .“

Bahnbrechende sportliche Veränderungen stehen derzeit nicht auf dem Hertha-Plan. Die größte Bewegung war zum Trainingsauftakt das Fehlen von Roy Beerens, der beim VfB Stuttgart vorsprach, bislang aber noch keine Einigung erzielen konnte. Sogar Ronny stand am Mittwoch auf dem Platz, außerdem neun Nachwuchsspieler, ­darunter Pal Dardai junior.

Dardai will Vorjahres-Fehler unbedingt vermeiden

„Es muss sich keiner Sorgen um uns machen, weil wir hier am 29. Juni stehen und noch keinen Zugang präsentiert haben“, sagte Preetz und bat: „Haben Sie noch ein bisschen Geduld.“ Vielleicht ist der Manager so tiefenentspannt, weil er schon kurz vor einem Abschluss steht, vielleicht auch, weil er weiß, dass Spieler wie Tolga Cigerci, Alexander Baumjohann, Julian Schieber und Sami Allagui nun endlich mit einer kompletten Vorbereitung in die Saison starten können. Wenn sie weiterhin unverletzt bleiben, können sie wichtige Stützen für die Mannschaft sein – genau wie Vedad Ibisevic und Niklas Stark, die im Vorjahr auch erst in letzter Minute verpflichtet wurden.

Pal Dardai glaubt ohnehin, dass der Einbruch in der zweiten Saisonhälfte wenig mit der Qualität seiner Spieler zu tun hatte. „Die Mannschaft hat nie grottenschlecht gespielt. Das war mehr eine mentale Sache, so wie im Jahr zuvor die Abstiegsangst. Dieses Mal war es der Erfolg, das war vielleicht ein Tick zu viel“, sagte er.

Und er sieht auch Fehler bei sich: „Ich glaube, es war nicht richtig, dass ich nachgelassen habe mit dem harten körperlichen Training, das hat uns zu etwas Bequemlichkeit geführt.“ Diesen Fehler werde er nicht noch einmal machen, sagte er. „Wir ziehen volle Pulle durch, wenn einer das nicht schafft, dann kommt der Nächste.“ Hu!