Hertha-Torwart

Rune Jarstein: „Wir müssen zeigen, dass wir kämpfen können“

Torwart Rune Jarstein zählt bei Hertha BSC zu den Gewinnern der Saison. In Mainz will der Norweger seine famose Saison krönen.

Gut anderthalb Jahre war Rune Jarstein (Mitte) Herthas Nummer zwei. Seit September 2015 hat er sich als Stammtorhüter etabliert

Gut anderthalb Jahre war Rune Jarstein (Mitte) Herthas Nummer zwei. Seit September 2015 hat er sich als Stammtorhüter etabliert

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / dpa

Berlin.  Um ein Haar wäre das Olympiastadion Schauplatz eines Naturspektakels geworden. Dass ein norwegischer Vulkan ausbricht, passiert schließlich nicht oft, die letzten Eruptionen des Beerenbergs wurden 1970 und 1985 registriert – eine weitere wird Mitte des 19. Jahrhunderts vermutet.

Am vergangenen Sonnabend wäre es jedoch fast so weit gewesen: Nachdem Darmstadts Sandro Wagner sein Siegtor provokant vor den Hertha-Fans gefeiert hatte, warf Rune Jarstein einen Ball in Richtung des früheren Berliners, untermalt mit ein paar netten Worten. Helfen sollte der Wutausbruch des Norwegers allerdings nicht mehr. Es blieb beim 1:2, und während sich die übrigen Herthaner nach Abpfiff vor der Ostkurve versammelten, stapfte Jarstein schnaufend in die Kabine.

Sprechen möchte der 31 Jahre alte Torhüter nicht mehr darüber, stattdessen will er alle Konzentration nach vorne richten, auf das letzte Spiel der Saison am Sonnabend in Mainz (15.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de). „Unsere letzten Spiele waren nicht gut“, sagt Herthas Nummer eins, „jetzt müssen wir zeigen, dass wir kämpfen können, dass wir aggressiv sein können.“

Dardais Kritik trägt Früchte

Ihm persönlich gelang das in der Endphase gegen Darmstadt gut. Vielen seiner Kollegen in den gut 80 Minuten zuvor weniger. Dass Trainer Pal Dardai nach der fünften Niederlage im sechsten Ligaspiel eine bessere Körpersprache von seinem Team gefordert hatte, kam nicht von ungefähr.

„Vielleicht muss ich mich daran erinnern, wie ich mit 20 war“, sagt Jarstein. In seiner Heimat galt er lange als temperamentvoll. Mittlerweile, jenseits der 30, habe er sich unter Kontrolle. Für Dardais Geschmack sogar ein bisschen zu sehr – zumindest anfangs. Aus der Kritik, Jarstein müsse mehr Ausstrahlung zeigen, machte der Ungar jedenfalls kein Geheimnis.

Ein Strafraum-Chef wie weiland Oliver Kahn wird Jarstein in seinem Torhüter-Leben nicht mehr werden. Von dem ruhigen, introvertierten Hünen, den er in seinen ersten anderthalb Jahren bei Hertha gab, hat er sich inzwischen aber weit entfernt. Der, der am meisten mit dem Keeper arbeitet, hat dafür eine einfache Erklärung. „Als Rune im September Thomas Kraft ersetzen musste, hatte er keine Spielpraxis und war deshalb mit sich selbst beschäftigt“, sagt Zsolt Petry, Herthas Torwarttrainer.

“Besser als jetzt war ich noch nie“

Die Routine als neue Stammkraft tat Jarstein jedoch gut. Mit jedem Spiel, das er absolvierte, schien das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu wachsen, ebenso seine Präsenz. „Körpersprache und Kommunikation sind jetzt besser“, sagt Petry, „wir haben im Training gezielt daran gearbeitet.“ Viel Einsatzzeit, zudem gegen hochkarätigere Gegner als einst in Norwegen – Jarstein ist überzeugt: „Besser als jetzt war ich noch nie.“

Dass Hertha in der Endphase der Saison ins Straucheln geriet, konnte aber auch Jarstein nicht verhindern. Gegen Dortmund (0:3 im Halbfinale des DFB-Pokals) und Leverkusen (1:2) zeigte er zwar herausragende Leistungen, verhinderte so aber lediglich höhere Niederlagen.

In den jüngsten sieben Pflichtspielen kassierte Hertha 16 Gegentore. Zum Vergleich: In der furiosen Hinrunde waren es 18. Bei der Analyse tut sich Jarstein genauso schwer wie seine Teamkollegen. An wechselnden Konstellationen in der Viererkette läge es jedenfalls nicht, sagt er, „aber im eigenen Sechzehner müssen wir wieder aggressiver sein. Wir müssen uns auf jeden Fall steigern.“

Mental auf den Punkt vorbereitet

In Mainz hat Hertha die letzte Chance, die Saison zu veredeln. Um sich sicher für die Europa League zu qualifizieren, brauchen die Berliner einen Sieg, andernfalls könnte Verfolger Schalke vorbeiziehen. Als Siebter müsste Hertha in die ungeliebte Qualifikation. Das will natürlich auch Jarstein vermeiden. Er hat seinen Sommer bereits geplant. Mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern wird er auf Mallorca ausspannen, später mit Freunden in Stockholm. Geht es in die Qualifikation, fällt der Urlaub kürzer aus.

Wo Hertha am Ende auch landet, Jarstein wird als einer der Gewinner dieser Saison in Erinnerung bleiben. Vom Reservisten zum Stammkeeper – der 1,90-Mann hat seine Chance genutzt. Zsolt Petry kann sich zwar vorstellen, seine Torhüter künftig in Liga und Pokalwettbewerben zu wechseln, so wie es in Dortmund praktiziert wird. Nach einer überzeugenden Spielzeit genießt Jarstein aber einen Bonus.

„Rune“, sagt Petry, „ist ein sehr guter Wettkampftyp, der sich mental auf den Punkt vorbereitet.“ So soll es auch am Sonnabend sein. Voller Fokus auf Mainz, Jarstein will seine Vordermänner von der ersten Minute an wachrütteln. Und wenn er dafür explodieren muss.